Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Der Sperber (Accipiter nisus)

Sperber (Foto: Sebastian Ludwig)
Sperber (Foto: Sebastian Ludwig)

Meistens bekommt man einen Sperber nur kurz zu Gesicht, denn kaum ist er da, ist er auch schon wieder weg. Oft machen uns Kleinvögel auf ihn aufmerksam, bevor wir ihn sehen. Mit einem hohen und durchdringenden „siieh“ warnen z. B. Meisen, Amseln und Rotkehlchen vor der drohenden Gefahr aus der Luft. Schwalben oder Sperlinge verraten das Herannahen des Feindes durch ein gemeinsames Gezeter. Zur Strategie des kleinen Greifvogels gehören sowohl Angriffe aus der Deckung als auch blitzschnelles Vorbeifliegen, um dabei einen Singvogel zu schlagen. So kommen dem Sperber indirekt auch Futterstellen im Garten zugute, wo er im Winter häufiger gesehen werden kann als zur Brutzeit, während der er heimlicher lebt.

 

Sperber (Foto: Jörg Möller)
Sperber (Foto: Jörg Möller)

Auf wen es der im Althochdeutschen „Sperlings-Aar“ genannte Überraschungsjäger vor allem abgesehen hat, gibt die Etymologie des Namens einen Hinweis. Neben Spatzen zählen zu seiner Nahrung über 100 weitere Singvogelarten, bisweilen auch kleine Säugetiere und seltener Insekten. Bei der rasanten Jagd, die oft recht niedrig über dem Boden, zwischen Bäumen, Gebüschen und – vor allem im Winter – auch innerhalb menschlicher Siedlungen stattfinden kann, erbeuten Männchen Vögel bis Drosselgröße, Weibchen sogar bis Taubengröße. Dabei folgen sie ihrer Beute auch bis in dichtes Gestrüpp oder greifen mit ihren langen, dünnen Fängen hinein.

 

Sperber (Foto: Thomas Hafen - www. natur-fotografiren.de)
Sperber (Foto: Thomas Hafen - www. natur-fotografiren.de)

Bei adulten Männchen ist die Oberseite blaugrau bis dunkel schiefergrau, die Wangen sind rostrot, die Brust und der Bauch meist rostrot quergebändert. Adulte Weibchen sind auf der Oberseite braungrau bis schiefergrau, unterseits braungrau gebändert und manchmal ist ein weißer Überaugenstreif zu erkennen. Jungvögel ähneln eher adulten Weibchen, haben oberseits kastanienbraunes Gefieder und sind unterseits braun quergebändert, oft unregelmäßig und grob. Auffällig ist beim Sperber also die Querbänderung der Körperunterseite, die Sperberung. Diese Gefiederzeichnung schlug sich beispielsweise auch bei der Namensgebung der Sperbergrasmücke und der Sperbereule nieder. Die Augen sind gekennzeichnet durch eine gelbe Iris, die bei älteren Weibchen gelborange und vorwiegend bei älteren Männchen auch rot gefärbt sein kann.

 

Der für Greifvögel typische Geschlechtsdimorphismus ist beim Sperber so ausgeprägt wie bei keiner anderen heimischen Greifvogelart, insbesondere hinsichtlich Größe und Gewicht. Das Männchen ist etwa so groß wie ein Eichelhäher und mit durchschnittlich 140 Gramm nur halb so schwer und um ein Drittel kleiner als das turmfalkengroße Weibchen.

 

Während des Fliegens erscheint der Schwanz des Sperbers lang, gerade abgeschnitten und fast immer ungefächert. Im Horizontalflug baut der kleine Greifvogel nach fünf bis acht hastigen Schlägen mit den kurzen, runden Flügeln immer wieder Gleitflugstrecken ein, wodurch die Flugbahn leicht wellenförmig ist. Durchschnittlich sind die Flügel etwas kürzer, breiter und gerundeter als beim Turmfalken, dessen Flug viel weniger Gleitphasen aufweist. Außerhalb der Brutzeit ist der Sperber meist stumm, aber am Neststandort etwas ruffreudiger. 

Es gibt eine Vogelart, mit der der Sperber eine besonders große Ähnlichkeit aufweist: den Habicht. Der Sperber ist weitaus kleiner und schlanker und seine Beine sind dünner als sein Augendurchmesser; beim Habicht ist es umgekehrt. Auch die eckigeren Schwanzkanten und die schmalere Schwanzbasis helfen bei der Unterscheidung. Diese Merkmale sind in der Natur natürlich nicht immer so leicht zu erkennen, was zu Bestimmungsproblemen führen kann. Vor allem das Sperber-Weibchen und das Habicht-Männchen können aufgrund des geringen Größenunterschieds sowie der ähnlichen Farbgebung und Gefiederzeichnung verwechselt werden. Auch das Flugbild der beiden Greife ist recht ähnlich, beim Sperber sind jedoch die schnelleren Flügelschläge und der weniger geradlinige Flug manchmal augenscheinlich. Ein weiterer Hinweis auf die Anwesenheit des Sperbers sind die angesprochenen heftigen Reaktionen der Kleinvögel.

 

In folgendem Video des British Trust of Ornithology wird auf die Unterschiede zwischen Sperber (Sparrowhawk) und Habicht (Goshawk) näher eingegangen: 

Das Verbreitungsgebiet des Sperbers erstreckt sich über nahezu ganz Europa und große Teile Asiens, im Norden bis zur Baumgrenze, im Süden bis Nordafrika und im Osten bis Kamtschatka und Japan. Ein Teil der mitteleuropäischen Individuen weicht im Winter nach Südwesteuropa aus; gleichzeitig ziehen nordische Brutvögel nach Mitteleuropa. Bei uns ist die Art nach dem Mäusebussard und dem Turmfalken der dritthäufigste Greifvogel. Für Bayern wird der Bestand mit 4100-6000 Brutpaaren angegeben. Diese Zahlen beruhen allerdings aufgrund der heimlichen Lebensweise des Sperbers zur Brutzeit nur auf einer ungenauen Erfassung. Damit ist er hier ein spärlicher bis häufiger Brutvogel mit nahezu flächendeckender Verbreitung, der im Gesamtbestand nicht gefährdet ist (LfU).

Dennoch bestehen zahlreiche Gefährdungsursachen wie Scheibenanflug, forstliche Maßnahmen während der Brutzeit oder die Einleitung von Schadstoffen in die Umwelt. Als Endglied der Nahrungskette ist der Sperber für toxische Biozide besonders anfällig. Deshalb sind zusätzlich zum Monitoring des Bestands und des Bruterfolgs auch künftig Analysen der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und anderen Umweltgiften dringend nötig.

In Zukunft wird man den rasanten, heimlichen Jäger zwar meist auch nur kurz zu Gesicht bekommen, aber hoffentlich nicht seltener.

(Text: Sebastian Ludwig)

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