Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Die Ramsar-Konvention

Am Kaspischen Meer wird der Grundstein für globalen Naturschutz gelegt

Ramsar ist der Name einer iranischen Stadt am Kaspischen Meer. Dort wurde am 2. Februar 1971 erstmals eine internationale Vereinbarung zum Schutz eines Typus von Lebensräumen geschlossen: „Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung“.  Es ist das erste globale Naturschutzabkommen, das sich nicht (nur) den Schutz einer einzelnen Art, sondern den Schutz eines bestimmten Lebensraum-Typus, eines bestimmten Ökosystems zum Ziel setzt. Damit wurde es zum Wegbereiter für das 1992 in Rio de Janeiro geschlossene "Übereinkommen zum Schutz der biologischen und genetischen Vielfalt", der "Biodiversität" unseres Planeten.

Wat- und Wasservögel standen ursprünglich im Fokus

Die Konvention konzentrierte sich auf Moore, Flussmündungen, Mangrovenwälder, Seen und sogar Oasen – im Prinzip auf Süß-, Salz- und Brackwasser, nicht jedoch auf das offene Meer. Leitender Gesichtspunkt war es, intakte Zwischenstationen für Zugvögel zu schaffen, nachdem internationale Wasservogelzählungen einen dramatischen Rückgang an Wat- und Wasservögeln sowie den Verlust ihrer Lebensräume belegt hatten. Ursprünglich hatte das Abkommen damit den weltweiten Schutz dieser Vogelarten und ihrer vielfältigen Lebensräume zum Ziel, für die bei ihren teilweise globalen Zügen "Trittstein-Ökosysteme" überlebensnotwendig sind.

rastende Wasservögel am Starnberger See © Andrea Gehrold
rastende Wasservögel am Starnberger See © Andrea Gehrold

Ganzheitlicher Schutz von Ökosystemen

Seit 1990 rückten angesichts der fortschreitenden weltweiten Zerstörung der Feuchtgebiete, die auch als Nahrungs- und Wasserreserven für den Menschen gesehen werden, weitere Kriterien – nicht nur "Wasservogelzahlen" – in den Vordergrund. Vor allem der weltweite Schutz der Fischfauna, aber auch der von Schmetterlingen, Libellen, Amphibien, Reptilien etc. kann nun zur Ausweisung von Ramsar - Gebieten führen. Hintergrund dieser Wandlung ist das Konzept der "sustainable utilization" und des "wise use": Die Nutzung soll "nachhaltig" sein und darüber hinaus "wohl ausgewogen", sodass sie mit dem Erhalt der natürlichen Verhältnisse im Ökosystem vereinbar ist.

 

Genau aus diesem Grund schloss und schließt die Ramsar-Konvention Jagd oder Fischerei nicht von vornherein und überall aus: Es musste ein Abkommen für alle bleiben, also auch für Menschen und Staaten der dritten und vierten Welt, wo der Erhalt der Ressource "Feuchtgebiet" mit der Möglichkeit einer nachhaltigen Nahrungsversorgung (Fischfang, Proteinversorgung!) zu vereinbaren sein muss.

 

Dennoch haben sich die Konventionsziele in den letzten Jahren über die ursprünglichen Ziele des Erhalts und der nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten als Lebensraum für Wasservögel erweitert. Sie umfassen nun den ganzheitlichen Schutz von Feuchtgebieten als bedeutende Ökosysteme zum Erhalt der Biodiversität.

Mitglieder der Ramsar-Konvention und Schutzstatus von Ramsar-Gebieten

Aktuell gehören der Konvention 171 Vertragsstaaten an (Stand 2020), die insgesamt über 2400 Feuchtgebiete internationaler Bedeutung mit einer Gesamtfläche von 250 Millionen Hektar gemeldet haben. Zum Vergleich: Die Gesamtfläche von Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und Schweden umfasst 20 Millionen Hektar weniger.

 

Doch was wichtig ist zu wissen: Die Ramsar-Konvention ist (nur) eine Absichtserklärung und keine bindende Verpflichtung für ihre Mitgliedsstaaten. Völkerrechtlich verpflichtend hingegen ist die Vogelschutzrichtlinie der EU, die zusammen mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) das europäische Netz Natura 2000 bildet.

 

Alle deutschen Ramsar-Gebiete, auch unsere bayerischen Seen, sind zugleich EU-Schutzgebiete nach Natura 2000. Für sie gilt ein Verschlechterungsverbot. Verstöße können mit Bußgeldern von mehreren hunderttausend Euro pro Tag geahndet werden.

 

Ausführliche Informationen zu Ramsar bietet das deutschsprechige Ramsar-Handbuch.

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Ammersee Süd © M.E. Reinhardt
Ammersee Süd © M.E. Reinhardt

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Kolbenenten vor der Roseninsel © Andrea Gehrold
Kolbenenten vor der Roseninsel © Andrea Gehrold

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Gebietsbetreuer © Andrea Gehrold
Gebietsbetreuer © Andrea Gehrold

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