Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Das Flussseeschwalbenfloß im Gilchinger Jaisweiher

2024 - Neuer Standort für das Brutfloß am Jaisweiher

Abschleppen des Nistfloßes vom alten Standort
Abschleppen des Nistfloßes vom alten Standort

Im Kiesweiher der Firma Jais in Gilching setzt sich die Kreisgruppe Starnberg des Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) seit über 20 Jahren für die Flussseeschwalbe ein.

Die Flussseeschwalbe - wissenschaftlich "Sterna hirundo"- gilt nach der Roten Liste Deutschland immer noch als „stark gefährdet“. Hauptursache ist das Fehlen geeigneter Brutplätze. Abgesehen von wenigen Einzelbruten liegen derzeit alle Brutplätze auf künstlichen Anlagen (Brutflöße, geschüttete Inseln…). Nur durch die Bereitstellung künstlicher Brutflöße und Nistinseln war es möglich, dass mittlerweile wieder einige hundert Paare in Bayern brüten. 

 

Die Firma Jais plant auf einem Teil des Kiesweihers eine schwimmende Photovoltaik Anlage zu installieren. FPV (engl. "Floating Photovoltaics") bezeichnet PV-Kraftwerke auf Gewässerflächen mit an Schwimmkörpern angebrachten Modulen. Die Anlage in Gewässern bietet Vorteile durch eine erhöhte Kühlung der Module und somit eine Steigerung der Energieerträge. Als LBV befürworten wir die Gewinnung von Energie aus nachhaltigen Quellen unter Berücksichtigung der Biodiversität. V.a. Standorte oder Lebensräume mit besonderer Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz gilt es hierbei zu schützen. 

 

 

Am Ufer werden alle benötigten Materialien beladen
Am Ufer werden alle benötigten Materialien beladen

Der LBV Starnberg ist dem Eigentümer des Kiesweihers, Herrn Jais, sehr dankbar für die jahrelange Unterstützung und Gestattung des Nistfloßes. Um einem naturschutzfachlichen Konflikt zu verhindern, haben Mitglieder der Kreisgruppe daher Mitte Februar 2024 das Floß um ca. 160 Meter in den hinteren Bereich des Sees versetzt. 

 

Besondere Herausforderung hierbei war es, neue Ankersteine zu setzen, die das ca. 650 kg schwere Floß auch bei starken Stürmen sichern, ohne aber zu große Kosten zu erzeugen. Eine einfache Lösung musste her, um diese mit Muskelkraft und Kanu an den zukünftigen Ankerplatz zu bringen und abzulassen. Nach reifer Überlegung durch unseren Konstrukteur des großen Flussseeschwalben-Nistfloßes in St. Heinrich am Starnberg See, Dipl.-Ing. Harald Trepte, hatten wir eine umsetzbare Lösung gefunden.

 

  

 

 

Nistfloß am neuen Standort
Nistfloß am neuen Standort

Ziel war es das Floß mit zwei in Windrichtung ca. 100 Meter entfernten Ankern zu sichern. Hierzu wurden je Anker 5 Beton-Steinplatten aus dem Baumarkt à 30 kg auf ein 8 mm starkes Stahlseil aufgefädelt und in ca. 18 Meter Tiefe abgelassen. Die große Entfernung ist sehr wichtig, um einen möglichst flachen Verlauf des Sicherungsseils zu gewährleisten und somit ein Abheben der Anker zu verhindern. Eine Steinplatte im Abstand der Seetiefe zu jedem Anker dient dabei als Puffer, der vom Floß ausgehende Stöße dämpft. Die beiden Puffersteine sind mit Bojen gekennzeichnet. Somit kann nach jedem Sturm kontrolliert werden, ob die Steine gewandert sind.

 

Das Nistfloß befindet sich nun im westlichen Teil des Sees. Wir sind gespannt, ob Lachmöwe und Flussseeschwalbe den neuen Standort annehmen. Ein Monitoring soll zudem zeigen, ob FPV-Anlagen einen negativen Einfluss auf des Brutgeschehen haben können.

 

 

 

Der LBV bittet dringend, das Floß nicht anzusteuern - weder als Schwimmer (was ohnedies auf diesem Kiesweiher verboten ist) noch mit Fernlenkbooten oder ähnlichem. Nur so ist gewährleistet, dass diese Koloniebrüter ungestört brüten können.

 

Stegen, im März 2024 - Text und Bildmaterial Claudius Birke

 

Nachtrag im April 2024

 

Die Lachmöwen haben angefangen, Nester auf dem Floß zu bauen. Und sie finden die Bojen bieten tolle Sitzgelegenheiten an.

 

(Foto: Richard Roberts) 

2021 - endlich wieder ein Bruterfolg der Flussseeschwalbe am Jaisweiher

April 2022

 

2021 war das erste Jahr, in dem  Flussseeschwalben einen Brutversuch am "neuen" Floß im Jaisweiher gemacht haben. Bis jetzt wurde das Floß immer gerne von der Lachmöwenkolonie besetzt, die Flussseeschwalben sind meistens aufgetaucht, haben sich umgeschaut, und sind dann doch weitergezogen.

 

Dieses Paar ist Anfang Juli 2021 (sehr spät) aufgetaucht und hat gleich angefangen, Interesse an dem inzwischen relativ leeren Floß zu zeigen. Dabei hat das Männchen seinem Partner Fisch angeboten, was nicht nur ein wichtiger Teil des Balzes ist, sondern sie auch in die Lage versetzt, Eier zu produzieren. Das Flussseeschwalbenweibchen kann nämlich beim Legen des ersten Eis circa 50% schwerer als normal sein.

Schon am 11. Juli brütete das Paar am Floß. Am 2. August waren das erste Mal 2 kleine Pulli zu sehen. Die sind schnell und kräftig gewachsen – ein Indiz dafür dass die Eltern keine Schwierigkeiten hatten, passende Kleinfische im Weiher zu finden. Am 18. August gab es das erste Drama – einer von den Jungvögeln ist ins Wasser gekommen und konnte nicht zurück ans Floß. Die Schwungfedern waren bis dann relativ gut gewachsen, also kann es sein, dass dies das Ergebnis erster unkontrollierter Flugversuche war.

Am 19. und 22. August waren die Eltern aufgeregt, als Leute zu nah ans seichte Nordufer des Sees kamen, was ein Indiz dafür wäre, dass das Küken noch da war und weiter gefuttert worden ist. Sein Geschwister war noch am Floß mit gut gewachsenen Federn zu sehen. Am 24. August war keiner der Flussseeschwalben  mehr am Jaisweiher zu sehen. Hoffentlich sind alle zusammen weitergezogen, da die Küken ziemlich lang von ihren Eltern abhängig sind – kleine Fische zu fangen braucht viel Übung!

 

 

Der sehr späte Anfang beim Brüten mit der kurzen Balzzeit, zusammen mit dem kompetenten Eindruck des Paares, lässt vermuten das dies ein zweiter Brutversuch war. Das weckt Hoffnung, dass die gute Erfahrungen vielleicht zu einem neuen Brutversuch 2022 führen könnten. Wie das sein wird, sollte das Paar rechtzeitig auftauchen, um dann mit den Lachmöwen um Platz am Brutfloß konkurrieren zu müssen, wird spannend.

(Text und Fotos: Richard Roberts)

LBV-Arbeitseinsatz unter Wasser

10.8.2015 Einen etwas untypischen Arbeitseinsatz hatten Mitglieder der Kreisgruppe Starnberg auf einem Baggersee der Firma Jais in Gilching.

Seit vielen Jahren betreut der LBV dort zwei kleine Brutflöße für die Flussseeschwalbe. Beide Flöße waren inzwischen in die Jahre gekommen. Im Frühjahr 2015 hat der LBV Starnberg deshalb ein Floß neu gebaut und noch vor Beginn der Brutperiode gegen eines der Altflöße ausgetauscht.

 

Das zweite Altfloß konnte im Frühjahr nicht geborgen werden, da es inzwischen sehr tief im Wasser lag und die Ankerketten vom Boot aus nicht zu erreichen waren.  Für einen Tauchgang war das Wasser aber im Frühjahr noch zu kalt, weshalb erst jetzt im Sommer bei erträglichen Wassertemperaturen die Vorarbeiten zu einer Bergung gemacht werden konnten. 

Einem Mitglied der Kreisgruppe Starnberg – einem erfahrenen Taucher – gelang es, die Ankerketten unter Wasser zu orten, sie zu kappen und mit einer Boje zu verbinden. Im Spätsommer kann das alte Floß dann an Land geschleppt, zerlegt und entsorgt werden.

(Text: Franz Wimmer. Fotos: Sandra Werner)

Unterstützung für einen Weitstreckenzieher - Neues Nistfloß für die Flussseeschwalbe

Mitte April 2015 verankerten Mitglieder der LBV-Kreisgruppe Starnberg ein neues Brutfloß für die Flussseeschwalbe auf einem Kiesweiher der Firma Jais in Gilching.

 

Die Flussseeschwalbe - wissenschaftlich "Sterna hirundo" - gehört zu den am meisten gefährdeten Vogelarten Bayerns, sie ist "vom Aussterben bedroht". Ihre ursprünglichen Brutstätten - Kiesinseln der voralpinen Wildflüsse wie Isar, Ammer und Lech - gingen durch Flussverbauung, Hochwasserschutz und intensive Freizeitnutzung verloren. Nur auf Nistflößen, welche Vogelschützer in Seen und Weihern wie in Gilching ausbrachten, konnte sie in Bayern die letzten 30 Jahre überleben. Aber: Aus der Flusssee­schwalbe war eine “Floßseeschwalbe” geworden.

 

Schon seit über 12 Jahren betreibt der LBV Starnberg ein Brutfloß auf dem Jais-Weiher, auf dem neben Lachmöwen auch regelmäßig ein Flussseeschwalbenpaar erfolgreich gebrütet hat. Es ist dies das zweite Nistfloß, das die Kreisgruppe - neben einem großen Floß auf dem Starnberger See – unterhält, um einer vom Aussterben bedrohten Vogelart “unter die Flügel greifen” zu können. Das Floß in Gilching war  marode geworden und musste deshalb ersetzt werden.

Schon Anfang März begannen die Vorarbeiten. Als erstes musste das alte Floß von den Ankerketten abgekoppelt werden, an das LBV-Kanu der Kreisgruppe angehängt und dann mit Muskelkraft ans Ufer geschleppt werden. Erst dann konnte mit dem Neubau begonnen werden.

Das neue Floß besteht aus Lärchenholz und hat Auftriebskörper aus Styrodur. Es ist eine Eigenkonstruktion des LBV Starnberg und  wurde von einem Mitglied der Kreisgruppe entworfen. Der Bau wurde aus Spenden finanziert und von Mitgliedern der Kreisgruppe  ehrenamtlich durchgeführt.

 

Am Bauplatz am Ufer des Kiesweihers waren 10 Mitglieder der Kreisgruppe dann zwei Tage beschäftigt, aus dem Haufen Baumaterial, das von einer regionalen Schreinerei geliefert wurde,  das neue Floß mit 16 qm Größe zu erstellen.

 

Um das immerhin 650 kg wiegende Floß ins Wasser zu heben, wurde ein LKW mit einem starken Kranausleger benötigt. Anschließend musste noch eine dünne Schicht Kies auf der Brutplattform aufgebracht werden, um den Flussseeschwalben damit das natürliche Brutsubstrat wie auf einer Kiesbank  zu bieten.

 

Am Samstag, 18.4.2015 wurde das neue Floß dann im Beisein von Gottfried Jais sen., dem Eigentümer des Kiesweihers, an seinen Ankerplatz ge­schleppt. Der LBV dankt Herrn Jais sehr herzlich, dass er das Nistfloß auch weiterhin auf seinem Weiher gestattet.

 

Die Flussseeschwalbe gehört zu den “Nomaden der Lüfte”. Da sie Mitte April aus ihren Überwinterungs­gebieten hierher zurückkehrt, ist das neue Nistfloß gerade rechtzeitig fertig geworden:  Am Abend des 22.04.15 konnte ein Mitglied der Kreisgruppe schon 5 Flussseeschwalben über dem Weiher kreisend beobachten.


Nach dem Brutgeschäft machen sich Flussseeschwalben schon Mitte August wieder auf den Zug in ihre Überwinterungsgebiete in West- und Südafrika.

 

Der LBV bittet  dringend, das Floß nicht anzusteuern - weder als Schwimmer (was ohnedies auf diesem Kiesweiher verboten ist) noch mit Fernlenkbooten oder ähnlichem. Nur so ist gewährleistet, dass diese seltene Vogelart ungestört brüten kann.

 

(Text: Franz Wimmer/Horst Guckelsberger; Fotos: Peter Witzan / Horst Guckelsberger / Pit Brützel)