Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Renaturierung

Hochmoorregeneration (Foto: Dr. Eberhard Pfeuffer - LBV Bildarchiv)
Hochmoorregeneration (Foto: Dr. Eberhard Pfeuffer - LBV Bildarchiv)

Unter Renaturierung versteht man (sehr) allgemein die „Wiederherstellung von naturnahen Lebens­räumen aus kultivierten, genutzten Böden“.

 

Diese „Wiederherstellung“ kann auch weitgehend der Natur überlassen werden, nachdem die Ursachen für den Verlust des ursprünglichen Zustands beseitigt worden sind. Insofern wird Renaturierung im engeren Sinne oft auch als „Re-Vitalisierung“ bezeichnet. Es sollen also die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass möglichst viel vom alten Leben wieder ein­ziehen kann. 

 

Bei Mooren sind vorwiegend Absenkung des Grundwasserspiegels (siehe Ampermoos), Entwässerung zur Ge­win­nung von Torf (Gilchinger und Leutstettener Wildmoos) oder Ackerland oder Aufforstung (Leut­stettener Moos), die zur Störung oder Zerstörung führen. Zumeist sind es mehrere derartige Eingriffe, die zu einer mehr oder weniger intensiven Störung („Degradation“) des ursprünglichen Moorkörpers und zugleich zu einem gravierenden Artenverlust führen.

Spatenbräufilz im Lkr. Bad Tölz - Wolfratshausen  (Foto: Forst Gruckelsberger)
Spatenbräufilz im Lkr. Bad Tölz - Wolfratshausen (Foto: Forst Gruckelsberger)

Die erste Maßnahme zur Re-Vitalisierung von Mooren ist die (sehr sorgfältig zu planende) Wieder­her­stellung des Wasserhaushalts („hydrologische Sanierung“). Aber auch in die Gehölze, die zwischen­zeitlich aufge­kommenen sind und die dem Boden (bei Nadelbäumen ganzjährig!) viel Wasser entziehen, ihn mit Nährstoffen anreichern und ihn verschatten, wird eingegriffen.

 

Es wäre jedoch naiv anzunemen, dass sich mit diesen Eingriffen, und seien sie noch so sorgfältig geplant, quasi  automatisch der erträumte „Naturzustand“ wieder einstellt. Die Natur folgt ihren eigenen Gesetzen, sie ist dynamisch. Denn von den klimatischen Veränderungen, dem inzwischen erhöhten Sticksoff-Eintrag aus der Luft, von Wurzelresten von Faulbaum im Boden, vom Röhrichtaufwuchs, von Fichten­samen aus der näheren Umgebung bis hin zur Reaktion des Bodens auf die plötzliche Exposition zum Sonnenlicht sind die Reaktionen der Natur vielfältig und oft unerwartet.

Rundblättriger Sonnentau (Foto: Oliver Wittig - LBV Bildarchiv)
Rundblättriger Sonnentau (Foto: Oliver Wittig - LBV Bildarchiv)

 

Diese Einschränkungen sind jedoch kein Grund, die Revitalisierung von Mooren jeder Art nicht voran­zu­treiben. Es sind nicht nur die (selten gewordenen) wunderbaren Arten, also die spezielle biologische Vielfalt, welche die Moore wertvoll machen.

 

Moore sind höchst effektive Kohlenstoff-Speicher, sie ver­hindern das Freiwerden des klimaschädlichen Kohlendioxids. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind in Bayern wie in auch in ganz Deutschland 95% der Moorflächen verschwunden. Noch immer werden riesige Moor­gebiete in den baltischen Staaten und Weißrussland zerstört, um den völlig unnötigen Gärtner-Torf  zu gewinnen. Alles Grund genug, sich für den Erhalt intakter und die Revitalisierung degradierter Moore zu engagieren.

 

(Text: Horst Guckelsberger)

 

 

 

Im Folgenden werden Renaturierungsmaßnahmen (hauptsächlich Wiedervernässungen) im Landkreis Starnberg dargestellt.