Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Flussseeschwalbenfloß bei St. Heinrich – Brutsaison 2019

April

Foto: Floß mit neuer Holzkonstruktion
Floß mit neuer Holzkonstruktion (Foto: F. Wimmer)

Seit zehn Jahren liegt das Brutfloß nun schon im Starnberger See. Das hat Spuren hinterlassen. Die Auftriebskraft der großen Holzbohlen ließ zuletzt spürbar nach. Den ganzen Winter erarbeitete der LBV Starnberg Konzepte, um das Floß (zumindest kurzfristig) zu stabilisieren und so geeignete Bedingungen für die anstehende Brutsaison zu schaffen. Eine Konstruktion aus neuen Holzbalken wurde entwickelt. Diese sollte rund um das Floß angebracht werden und so zusätzlichen Auftrieb erzeugen.

 

Der Transport der schweren Kanthölzer konnte aber nur mit einem Arbeitsboot durchgeführt werden. Hier kam die Wasserwacht Feldafing ins Spiel, die nicht nur ihr Boot und Material zur Verfügung stellte (u. a. Neoprenanzüge für die Arbeit im kalten Wasser), sondern uns auch tatkräftig bei der Montage vor Ort unterstützte.

 

(Fotos: F. Wimmer)

Schon im Februar hatten die Wasserwacht Feldafing, der LBV Starnberg und die Gebietsbetreuung erfolgreich zusammengearbeitet und anlässlich des Ramsar-Tages einen Vortragsabend und eine Führung zum Thema Vogelschutz organisiert. Auch diesmal war die gemeinsame Aktion ein voller Erfolg. Dank der ehrenamtlichen (!) Hilfe der Wasserwacht und der LBV-Aktiven liegt das Floß nun wieder deutlich höher und stabiler im Wasser und wartet auf die Ankunft der Flussseeschwalben.

Mai

Foto: Zwergseeschwalbe
Zwergseeschwalben sind hierzulande nur sehr selten zu beobachten (Foto: F. Derer, LBV Bildarchiv)

Der Mai ist geprägt durch kühle Temperaturen, einige sonnige, aber auch zahlreiche regnerische Tage. Im Vergleich zum Vorjahr beginnen die ebenfalls auf dem Floß brütenden Lachmöwen erst etwas später mit dem Nestbau. Mitte Mai sind es schließlich 163 Lachmöwen-Brutpaare. In diesem Getummel fällt es den Flussseeschwalben sichtlich schwer, einen freien Nistplatz  zu ergattern. Nur elf Flusseeschwalbenpaaren gelingt es bis Ende Mai, sich ein Nestrevier zu erkämpfen.
Außerdem rasten weitere durchziehende Seeschwalbenarten am Südende des Starnberger See, nämlich Trauerseeschwalbe, Weißbartseeschwalbe und Zwergseeschwalbe.

Juni

Foto: Brutfloß
Die Flussseeschwalben brüten gemeinsam in der Mitte der Westplattform. Im Vorder- und Hintergrund sind fast flügge Lachmöwen zu sehen (Foto: A. Gehrold)

In der ersten Junihälfte ist es endlich soweit. Immerhin 25 Flussseeschwalbenpaare haben mittlerweile in den freigewordenen Bereichen einen Nistplatz ergattert, um ihr Gelege zu bebrüten. Es steht nun mehr Freiraum zur Verfügung, da viele Lachmöwen schon große Jungvögel haben. Die jungen Lachmöwen werden dann immer mobiler und schließen sich teilweise zu Gruppen zusammen. Gleichzeitig sinkt bei den Lachmöwen-Eltern die Vehemenz, mit der sie zuvor ihren Neststandort verteidigt haben.

Trotzdem bleibt die stetige Abnahme der Brutpaarzahlen bei den Flussseeschwalben besorgniserregend (2018: 31, 2017: 31, 2016: 38, 2015: 48 Paare). Es sind zwar noch weitere Flussseeschwalben anwesend, doch sie beginnen Mitte Juni gerade erst mit dem Nestbau. Bei diesen spät brütenden Paaren ist der Bruterfolg höchst ungewiss, denn die Altvögel müssen bereits Mitte August das Brutgebiet verlassen und den Zug nach Süden antreten.

(Text: Dr. Andrea Gehrold)