Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Das Gilchinger Wildmoos

Lage und Status

Wildmoos (Foto: Horst Guckelsberger)
Wildmoos (Foto: Horst Guckelsberger)

 

Das Gilchinger Wildmoos liegt in der Gemeinde Gilching, Landkreis Starnberg, zwischen dem Bauern­hof­museum Jexhof (bei Schöngeising, Landkreis  Fürstenfeldbruck) und Gilching, ostwärts anschließend an die Siedlungsinsel um den Jexhof.

 

 

Das Wildmoos ist seit 1979 als Naturschutzgebiet von 38 ha Fläche ausgewiesen. Es ist Teil des 775 ha großen FFH-Gebiet “Moore und Buchenwälder zwischen Etterschlag und Schöngeising”.

  

Entstehung

noch gut erhaltener Hochmoorkern (Foto: H.Guckelsberger)
noch gut erhaltener Hochmoorkern (Foto: H.Guckelsberger)

Das Wildmoos ist ein Kind der Riß-, vor allem aber der Würmeiszeit. Es liegt zwischen der nördlichsten End­moräne und dem ersten Wall der Rückzugsmoräne des damaligen Ammer-Loisach-Gletschers. Die dort ab­schmelzenden Eisblöcke (“Eiszerfallslandschaft”) hinterließen Hohlformen (“Toteislöcher”), die durch die Sedimente der Gletschertrübe abgedichtet wurden. Dadurch entstand im Lauf der letzten ca. 10.000 Jahre ein See, der zu einem Moor verlandete. Heute stellt sich das Wildmoos dar als ein klein­teiliges Mosaik aus Resten von nährstoffarmen Hochmoorbildungen (Regenwasser­moor). Hier finden sich Bayerns nördlichste Hochmoorreste südlich der Donau. Daneben finden sich Moor­parzellen, die von mineralreichen Grund- und Oberflächenwasser gespeist werden – Übergangs­formen  zum Niedermoor. Künstliche Entwässerung hat, je nach Standort, zu verschiedenen Ausformungen von Moorwald, also zu einem Fichten-, Kiefern oder Birkenmoorwald geführt.

Kiefernmoorwald im Inneren des Wildmoos (Foto: H.Guckelsberger)
Kiefernmoorwald im Inneren des Wildmoos (Foto: H.Guckelsberger)

Das Wildmoos ist ein Kind der Riß-, vor allem aber der Würmeiszeit. Es liegt zwischen der nördlichsten End­moräne und dem ersten Wall der Rückzugsmoräne des damaligen Ammer-Loisach-Gletschers. Die dort ab­schmelzenden Eisblöcke (“Eiszerfallslandschaft”) hinterließen Hohlformen (“Toteislöcher”), die durch die Sedimente der Gletschertrübe abgedichtet wurden. Dadurch entstand im Lauf der letzten ca. 10.000 Jahre ein See, der zu einem Moor verlandete. Heute stellt sich das Wildmoos dar als ein klein­teiliges Mosaik aus Resten von nährstoffarmen Hochmoorbildungen (Regenwasser­moor). Hier finden sich Bayerns nördlichste Hochmoorreste südlich der Donau. Daneben finden sich Moor­parzellen, die von mineralreichen Grund- und Oberflächenwasser gespeist werden – Übergangs­formen  zum Niedermoor. Künstliche Entwässerung hat, je nach Standort, zu verschiedenen Ausformungen von Moorwald, also zu einem Fichten-, Kiefern oder Birkenmoorwald geführt.

Auf dem trockenen Mineralboden des Moorrandes konnte Einstreu für die Viehhaltung gewonnen wer­den. Die sog. “Streuwiesen” mit ihrer typischen Vegetation entstanden durch kleinbäuerliche Nutzung. Auf einem der Kieshügel, dem sog. „Birkenbuckel“, wurden zwei frühbronzezeitliche Gräber gefunden – Zeugen einer frühen Besiedelung im Schutz eines ausgedehnten See-Moor-Gebietes. 

 

Charakteristik

Torfmoos-Sphagnum (Foto: H.Guckelsberger)
Torfmoos-Sphagnum (Foto: H.Guckelsberger)

Weite Teile des Wildmooses waren noch vor ca. 70 Jahren weitgehend baumfrei. Nunmehr ist im zentra­len Teil ein beerenstrauchreicher Moorwald aufgewachsen. Eingebettet sind darin  Parzellen mit Torf bildenden Moosen (Torfmoose Sphagnum) und Wollgräsern (Eriophorum). Die einstige Nutzung mit kleinen Versuchstorfstichen führte zu einem ebenso kleinteiligen Mosaik von Lebens­räumen. So konnten sich neben den Torfmoosen und Wollgräsern auch Reste des Sonnentaus (Drosera), der an extrem nährstoffarme Verhältnisse angepasst ist,  halten. Eingebettet sind Trockenzeiger wie Moos- und Heidelbeere, aber auch vereinzelt Spirke und Latsche.  

 

Strauchbirke (Foto: H.Guckelsberger)
Strauchbirke (Foto: H.Guckelsberger)

Als Besonderheit findet sich in einem aufgelassenen Torfstich als ein Eiszeitrelikt die Strauchbirke (Betula humilis). Neben den offen gebliebenen Halbtrockenrasen am Moorrand konnten auch Streu­wiesen durch gezielte Pflege des LBV erhalten werden. Lungen- und Schwalbenwurzenzian, Frühlingsenzian, Stengelloser En­zian, Deutscher Enzian, Mehlprimel, Arnika, Prachtnelke und Fettkraut sind so erhalten geblieben, auch Kopfried- und Seggenarten wie die seltene Davall-Segge (Carex davalliana).

 

Besonders artenreich sind die Übergänge vom Moor in die offenen Streuwie­sen­. Interessant ist das Vorkommen des Regens­burger Geißklees (Chamaecytisus ratisbonensis), eines Zwergginsters. Dort bieten vor allem Schlan­gen- und Wiesen­knöterich Nahrung für selten ge­wordenen Schmetter­lingsarten wie das Wald-Wiesen­vögelchen (Coenympho hero) und verschiedene Arten der Perl­mutterfalter.

 

Beeindruckend ist es, den Ruf des Kolkraben zu hören oder die großen Höhlen des Schwarzspechts zu finden.

Gefährdung und Schutz

Akut bedroht ist das Wildmoos durch den fortlaufenden Wasserentzug durch die Gräben. Diese haben seit Aufgabe der Torfnutzung ihre wirtschaftliche Begründung verloren. Dies umso mehr, als die schlei­chende Aus­trocknung auch nicht dazu führt, dass dort ein in irgendeiner Weise nutzbarer Wald entsteht, was ja im Interesse der Eigentümer sein könnte. Der Zustand dieses Moores verschlechtert sich damit fortlaufend.

 

Damit geht ein wertvolles Stück unseres bayerischen Naturerbes verloren. Zugleich  besteht nach der FFH-Richtlinie  Verschlechterungsverbot. Dessen Verletzung kann ein Vertrags­ver­letzungs­verfahren der EU-Kommission kann ein Strafverfahren gegen die Bundesrepublik nach sich ziehen.

Bemühung um Revitalisierung durch Wiedervernässung

Mehlprimeln auf der Pfarrwiese (Foto: H.Guckelsberger)
Mehlprimeln auf der Pfarrwiese (Foto: H.Guckelsberger)

Die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Starnberg (uNB) und das Amt für Ernährung, Land­wirt­schaft und Forsten (AELF) Fürstenfeldbruck bemühen sich, ideell unterstützt vom LBV Starnberg, seit 2013 um die Revitalisierung des Wildmooses. Dazu sollen nach einer differenzierten Fachplanung schrittweise der Hauptgraben und Schlitzgräben verschlossen und so das Wasser im Moos zurück­ge­halten werden. Damit würde auch ein Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet. Lokal führt der Keller­bach, die Fortsetzung des Hauptgrabens, immer wieder zu Überschwemmungen an der Straße bei Schön­geising. Über die Amper sind dann auch weitere Unterlieger wie Fürstenfeldbruck vom Hochwasser be­droht. Bekannt ist auch, dass intakte Moore einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz liefern. Sie sind enorme Koh­len­stoffspeicher, ihre Zerstörung führt zur Freisetzung klimaschädlicher Gase.

 

Probleme bei der Umsetzung der Revitalisierung bilden die Eigentumsverhältnisse, müssen doch alle Eigentümer und Erbengemeinschaften mit ihren zum Teil kleinen Parzellen dem Verfahren zustimmen. Obwohl die weit überwiegende Mehrzahl der Eigentümer dem Verfahren bereits zugestimmt habe, be­hindert leider derzeit immer noch eine kleine Zahl von Eigentümern die dringend gebotenen Wieder­ver­nässung.

Unabhängig davon sollte das Moor eine Insel der Ruhe bleiben, es sollte deshalb auch nicht betreten werden. Tückische Moorlöcher - überwachsen Torfstich-Versuche und Schlitzgräben - stellen zudem eine nicht geringe Gefahr dar

LBV-Aktivitäten

Mahd und Abheuen Pfarrwiese (Foto: H.Guckelsberger)
Mahd und Abheuen Pfarrwiese (Foto: H.Guckelsberger)

Die LBV-Kreisgruppe Starnberg zählt das Wildmoos seit den frühen 1990-er Jahren zu ihren Haupt­arbeits­gebieten. An erster Stelle steht dabei die "Pfarrwiese", wo der Übergang von einem nassen ehe­maligen Torfstich zu einer halbtrockenen, stark besonnten Streuwiese ein besonderes Artenspektrum ermöglicht. Die arktische Strauch­birke (Betula humilis, Rote Liste Bayern Stufe 2: stark gefährdet) muss vor Wildver­biss und dem Vordringen des Faulbaums geschützt werden. Durch  die Mahd der Streuwiese werden vor allem Mehl­primel (Primula farinosa) und Schwalbenwurzenzian (Gentiana asclepia­dea), „fleisch­fres­sendes“ Fett­kraut (Pinguiula vulgaris) sowie einige Orchideenarten gefördert.

 

Im Managementplan, der für das FFH-Gebiet 7833-371 "Moore und Buchenwälder zwischen Etterschlag und Fürstenfeldbruck" aufgestellt wurde, wird die Landschaftspflegearbeit des LBV STA folgendermaßen beurteilt  (Zitat aus dem Managementplan): „Die Bestände auf der Pfarrwiese gehören zu Mehlprimel-Kopfbinsen­riedern. Neben der namengebenden Rostroten Kopfbinse (Schoenus ferrugineus) kommen …. Mehlprimel (Primula farinosa) und zahlreich Gewöhnliches Fettkraut (Pinguicula vulgaris) vor…. Der Lebend­ge­bä­rende Knöterich (Polygonum viviparum) besitzt wie der Alpenhelm (Bartsia alpina) und der Weiße Germer (Veratrum album) als de­alpine Glazialrelikte hochsensible Rückzugsrefugien. Der Erhaltungs­zustand dieser vorbildlich ge­mäh­ten Flächen ist hervorragend.

Abheuen am Halbtrockenrasen Birkenbuckel (Foto: H.Guckelsberger)
Abheuen am Halbtrockenrasen Birkenbuckel (Foto: H.Guckelsberger)

Am "Birkenbuckel", einem Halbtrockenrasen, ist mit dem Regensburger Geißklee (Chamaecytisus ratisbonensis) ein Zwergginster zu finden. Der Buckel wurde zur Kiesgewinnung abgegraben, am besonders mageren Boden dieser Abgrabung gedeiht, nach regelmäßiger Mahd, der Frühlingsenzian (Gentiana veris), bairisch das „Schusternagerl“.  Dort wurden die beiden o. g. frühbronzezeitlichen (ca. 2000 v. Ch.) Körpergräber gefunden. Weitere Informationen über die Besiedlungsgeschichte und die geologische Geschichte des Gebiets findet man auf der "Zeitreise"-Website.

 

 

Der ebenfalls regelmäßig gemähte Birkenbuckel geht über in einen lichten Birkenhain, in dessen Wiesen wir Arnika (Arnica montana), Stängelloser Enzian (Gentiana clusii), Deutschen Enzian (G. germanica) und sogar Lungen­enzian (Gentiana pneumomanthe) durch regelmäßige späte Mahd fördern.

Wollgraswiese am Schraml (Foto: H.Guckelsberger)
Wollgraswiese am Schraml (Foto: H.Guckelsberger)

Im benachbarten "Schraml" reduzieren wir schrittwiese den Aufwuchs an Fichten, die dem Moorboden ganzjährig Wasser entziehen und den Boden stark verschatten. Das dort geförderte Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) gehört ebenso wie die Torf­moose zu den Pflanzen, welche Torf bilden, wenn das Wasser genügend nahe an der Oberfläche steht.

 

Auf den großen "Hackenwiesen" unterstützen wir den Landwirt, der im Auftrag des Landratsamtes die Nieder­moorwiesen bewirtschaftet, beim Entbuschen und beim Zurückdrängen von Neophyten.

 

Bei allen Arbeiten berücksichtigen wir besonders die Ansprüche der Schmetterlingsfauna, der vor allem der Übergangsbereich vom Moor zur blütenreichen Wiese nutzt. Für sie schaffen wir Korridore, las­sen aber auch Bäumchen, Gebüsch und hohes Gras als Windschutz und Sitzwarten stehen. Nicht zuletzt soll vor allem entlang des Fahrweges zum Jexhof auch die Landschaftsästhetik mit Wetterfichten und Birkenhain zu ihrem Recht kommen.

 

Wichtig ist uns die enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der unteren Naturschutzbehörde (uNB) und den Förstern des "Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten" (AELF) und des Staatsforst­betriebs.

 

Unser dringender Wunsch ist es, dass das Wildmoos wieder das notwendige Wasser zum Leben erhält – dafür werben wir um Zustimmung, engagieren uns nach Kräften. Unsere Vision ist, dass sich wieder ein reicher Moorkomplex entwickelt, wie er dem Standort entspricht, damit ein wertvolles bayerisches Natur­erbe der Region erhalten bleibt.

 

(Text: Horst Guckelsberger, 2017)

weitere Pflegeflächen