Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Kartierung von Schmetterlingen im Bacherner Moos 2024-2025

05.05.2026

Abbildung 1: Lichtfalle im Bacherner Moos
Abbildung 1: Lichtfalle im Bacherner Moos

 

Das "Bacherner Moos" am Wörthsee ist ein Schwerpunktgebiet des Naturschutzes im Landkreis Starnberg und gilt als überregional bedeutsamer Moorkomplex. Es liegt am Westufer des Wörthsees und weist eine typische Verlandungszonierung von (Schilf-)Röhrichten über Großseggenriede (v. a. Wunderseggenriede) und Übergangsmoorbeständen zu Streu- und Nasswiesen auf.

 

Bis in die 1960er Jahre war es nahezu waldfrei. Der Anteil der Waldfläche hat seitdem drastisch zugenommen. Allerdings sind lichte Moore aus Naturschutzsicht deutlich wertvoller als komplett zugewachsene. Die Bewaldung verstärkt zudem die Austrocknung des Moores, beschleunigt somit die Zersetzung und Vererdung des Torfkörpers, unter Freisetzung von Treibhausgasen. Deshalb soll die zunehmende Verwaldung aufgehalten und zurückgedrängt werden, um diese wertvollen Moorflächen anschließend durch Flächenpflege erhalten zu können.

 

 

 

Seit 2022 engagiert sich die LBV Kreisgruppe Starnberg, die Verwaldung im Bacherner Moos aufzuhalten und zurückzudrängen. Im Jahr 2024 erfolgte ein größerer Einsatz auf einer knapp 2 Hektar großen Fläche im Kernbereich des Moores. Hierbei fand sogar der Einsatz eines Helikopters zum Materialtransport statt. Zu dieser spektakulären Landschaftspflege-Aktion entstand auch ein Dokumentarfilm von Klaus-Peter Hütt.

 

In den kommenden Jahren sollen die Auflichtungsarbeiten im Bacherner Moos weitergehen. Gleichzeitig soll die Entwicklung des Gebietes beobachtet werden, um die Auswirkungen mit ggf. Empfehlungen für Entwicklungsziele und weitere Pflegemaßnahmen zu bewerten. In einem vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Mitteln der Glücksspirale geförderten Projekt wurde nun der aktuelle Bestand an Tag- und Nachtfaltern erfasst.

 

Abbildung 2
Abbildung 2

 

Noch sind keine größeren Veränderungen des Artenspektrums zu erwarten. Bereits profitieren können aber Arten, die vermutlich immer da waren und das Zuwachsen seit den 1950er Jahren erduldet haben. Der Schmetterlingsexperte Dr. Klaus Gottschaldt vom LBV Starnberg hat in den beiden Jahren 2024 und 2025 auf 30 Exkursionen insgesamt 752 Einzelbeobachtungen dokumentiert und 254 Arten nachgewiesen. 32 der gefundenen Arten, d.h. 12,6 % und jede 8. Art, sind in den Roten Listen der bedrohten Tierarten verzeichnet, davon sechs in den Kategorien 0 bzw. 1 (ausgestorben bzw. vom Aussterben bedroht) wie z.B.  die Kupferglucke (Gastropacha quercifolia) oder der Weidenkarmin (Catocala electa).

 

Die Erfassung erfolgte in Abstimmung mit unterer und höherer Naturschutzbehörde mit in der Schmetterlingskunde üblichen Methoden (Abbildung 1&3), bei denen - abgesehen von einzelnen Belegexemplaren - keine Tiere getötet werden.

 

 

Abbildung 2 Das im Bacherner M. nachgewiesene Blaue Ordensband Catocala fraxini) ist einer der größten Nachtfalter hierzulande und gilt im Alpenvorland als stark gefährdet

 

Abbildung 3: Kartiermethoden
Abbildung 3: Kartiermethoden

 

Trotz engmaschiger Begehungen ist es kaum möglich, das Arteninventar eines so heterogenen Gebietes innerhalb einer oder zwei Vegetationsperioden vollständig zu erfassen. Mit Hilfe statistischer Methoden können jedoch aus den Ergebnissen zu erwartende Artenzahlen extrapoliert werden. Diese berechnete Anzahl ermöglicht Vergleiche zwischen verschiedenen Gebieten bzw. verschiedenen Jahren und stellt eine Maßzahl für die Wertigkeit eines Untersuchungsgebietes dar.

 

Bei deutlich intensiverer Kartierung wären 2024 ca. 248 Arten nachweisbar gewesen, 2025 schon 294 Arten. Das ist ein vorsichtiges Indiz für die Zunahme der Artenvielfalt im Gebiet und den Erfolg der bereits erfolgten Renaturierungsmaßnahmen. Gleichzeitig fehlen einige erwartbare Arten. Im Vergleich zu unseren Zeitlerwiesen bei Tutzing, die weitgehend durch feuchte Mähwiesen und Brachen geprägt sind und mit ähnlicher Methodik untersucht wurden, waren im Jahr 2018 ca. 431 Arten zu erwarten.

 

Abbildung 3 (a) Tagfang, Handnetz; (b) Trichterfalle mit Pheromon-Lockstoffen; (c) Reusenfalle mit Nahrungsköder (d, e) Nahrungsköder; (f) Lichtfang; (g-i) Lichtfallen

 

Abbildung 4
Abbildung 4

Das Bacherner Moos ist aus lepidopterologischer Sicht artenärmer als mit ähnlicher Methodik kartierte Gebiete im Fünfseenland. Dies kann es als Indiz für den aus Naturschutzsicht schlechten Zustand des Bacherner Mooses vor Beginn der Renaturierungsmaßnahmen gewertet werden. Unterrepräsentiert sind die meist auf hochwertiges Offenland angewiesenen Schmetterlingsarten. Die im Bacherner Moos vorhandenen, potenziell artenreichen Feuchtwiesen sind in einem schlechten Pflegezustand. Die Vegetation ist für wertgebende Tagfalterarten viel zu dicht, botanisch sind sie verarmt. Viele der ehemals feuchten Wiesen sind inzwischen zu trocken.

 

Als Fazit dieser lepidopterologischen Kartierung kann gesagt werden, dass eine Anhebung des Wasserstandes langfristig die wichtigste Maßnahme zur Renaturierung dieses Feuchtgebietes ist. Um die Bedingungen für die untersuchte Artengruppe der Schmetterlinge zu verbessern, sind außerdem weiteres Auflichten, Eindämmung aufkommender Neophyten, Aufwertung der Feuchtwiesen und evtl. gezieltes Ansiedeln einzelner Pflanzen- und Schmetterlingsarten nötig.

 

  

Abbildung 4 a – Phalera bucephala (Mondvogel), b – Endromis versicolora (Birkenspinner),c – Photedes extrema (Weißgraue Sumpfgraseule), d – Pelosia muscerda ( Erlenmoor-Flechtenbärchen), e – Litophane furcifera (Braungraue Holzeule), f – Ennomos autumnaria (Herbst-Zackenrandspanner), g – Denticucullus pygmina (Rötliche Sumpfgraseule)

 

 (Text: Claudius Birke & Klaus-Dirk Gottschaldt, Fotos: K: Gottschaldt)

 

 

Der komplette Kartierbericht kann hier heruntergeladen werden.