Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Chronik der ASO von 2014 bis 2026

Wasservogelzählung am Starnberger See
Wasservogelzählung am Starnberger See

Am 26.02.2014 traf sich eine kleine Gruppe engagierter Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachter zum ersten Mal im Gasthof Zum Bären in Gauting. Pit Brützel hatte Hobby-Ornithologen angeschrieben und zum ersten Treffen der „Arbeitsgemeinschaft Starnberger Ornithologen“ - kurz ASO - als lockere Vereinigung ornithologisch Interessierter im Landkreis Starnberg bzw. rund um den Starnberger See eingeladen. Hintergrund war, dass man sehr wenig über die Vogelwelt im Landkreis wusste. Es erwuchs der Wunsch, gemeinsam zu beobachten, zu dokumentieren, zu lernen und die Vogelwelt des Landkreises Starnberg besser zu verstehen.

 

 

Die Anfänge (2014 - 2015):

 

Die Treffen wurden rasch zu einem festen Bestandteil vieler Naturinteressierter. Bereits im ersten Jahr fanden regelmäßige Exkursionen statt – darunter frühe Touren an den Unteren Inn, ins Ampermoos oder an die Isarmündung bei Plattling. Diese Ausflüge, fünf bis sechs pro Jahr, legten den Grundstein für eine Exkursionskultur, die bis heute das Herzstück der ASO bildet. Ein entscheidender Schritt war die vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) eingeführte App „NaturaList“ Ende 2014, die die Eingabe von Beobachtungen in ornitho.de erheblich erleichterte. Die Zahl der Meldungen in Starnberg stieg sprunghaft an und legte den Grundstein für die spätere Datenfülle. 2015 folgte ein weiterer Meilenstein: Am 11. Februar fand das erste Treffen von ASO aktiv statt. Damit begann die systematische Organisation von Artenschutzmaßnahmen und Kartierungen. Unter dem Namen ASO-aktiv wurden jedes Jahr Arten- und Gebietskartierungen ausgemacht und durchgeführt. Methodische Standards wurden für die Erhebungen definiert, um langfristige Trends erkennbar machen zu können. Daneben waren Gebäudebrüter (Paul Wiecha), Nistkastenpflege und Artenschutz wichtige Themen. Die ASO entwickelte sich vom lockeren Zusammenschluss zu einer strukturierten Arbeitsgemeinschaft mit klaren Aufgabenfeldern. 

Nistkastenpflege
Nistkastenpflege

Wachstum und Professionalisierung (2016 - 2020):

 

Mit dem Umzug des Stammtisches in den Il Plonner in Oberpfaffenhofen im Jahr 2016 begann eine Phase der Konsolidierung und Professionalisierung. Die Vortragsreihe gewann an Bedeutung und wurde zu einem Markenzeichen der ASO. Alle zwei Monate kamen Interessierte zusammen, um fachlich hochkarätige Beiträge zu hören. Fester Bestandteil der „Stammtische“ waren immer die Vorträge, mit teilweise international bekannten Ornithologen wie Dr. E. Bezzel oder Hans-Joachim Fünfstück. Die Themenvielfalt reichte von wissenschaftlichen Fachvorträgen (Telemetrieprojekte, Vogelzugforschung) bis hin zu Reiseberichten aus Spitzbergen, Andalusien oder Aserbaidschan. Die Vorträge spiegelten die gesamte Breite der Ornithologie wider und machten den Stammtisch zu einem Ort des Lernens und der Inspiration.

 

Zahlreiche Artkartierungen – etwa zu Wachtel, Braunkehlchen, Baumfalke, Wendehals oder Spechten – wurden durchgeführt. Gebietskartierungen in über 20 Flächen lieferten wertvolle Erkenntnisse über Brutvorkommen und Lebensräume. Die ASO beteiligte sich an landesweiten Programmen wie dem Monitoring häufiger und seltener Brutvögel, der Wiesenbrüterkartierung, Schlafplatzzählungen von Kormoran und Kornweihe oder den Wasservogelzählungen. Auch im praktischen Artenschutz setzte die ASO-Akzente: Hunderte Nistkästen werden betreut, Projekte zu Baumfalke, Wasseramsel, Gebäudebrütern wie Schwalben und Mauerseglern etablierten sich dauerhaft.

ASO-Exkursion ins Waghäusel
ASO-Exkursion ins Waghäusel

Die Öffentlichkeitsarbeit gewann an Breite. Seit vielen Jahren bieten ASO-Mitglieder VHS Kurse an, die zahlreiche neue Interessierte zur Vogelbeobachtung führten. Die Website entwickelte sich zu einem umfangreichen Informationsportal mit Vogelportraits, Singvogelkalender, Gebiets-Hotspots und Leitfäden. Der Fotowettbewerb „Vogelfoto des Monats“ wurde zu einem beliebten Format, das die Vielfalt der Vogelwelt eindrucksvoll sichtbar machte. Ab 2016 wurden jährlich ca. 30.000 Beobachtungen von ca. 200 Beobachtern in ornitho.de, einem online-Datenportal für Vogelbeobachtungen, gemeldet – eine Datenbasis, die die ornithologische Arbeit im Landkreis auf ein neues Niveau hob. Die Corona-Pandemie brachte eine dreijährige Pause des Stammtisches mit sich und auch Exkursionen mussten zeitweise pausieren. Gleichzeitig führte die Pandemie paradoxerweise zu einer enormen Zunahme der ornithologischen Aktivität. Da viele Menschen mehr Zeit im Freien verbrachten, stieg die Zahl der ornitho-Meldungen auf rund 40.000 pro Jahr. Der Großteil dieser Meldungen stammt bis heute von ASO-Mitgliedern.

 

In dieser Pandemiezeit etablierten Pit Brützel und Gerhard Huber die monatliche Auswertung der Landkreisdaten – ein Instrument, das heute unverzichtbar für Naturschutz, Planung und Forschung ist. Die Daten bilden bis heute die Grundlage für den über die Landkreisgrenzen hinaus geschätzten Jahresbericht von Pit Brützel über die Avifauna des Landkreises Starnberg.

Birdwatching mit dem LBV Starnberg - Veranstaltungsreihe der ASO
Birdwatching mit dem LBV Starnberg - Veranstaltungsreihe der ASO

Neustart und Jubiläum (2023 bis dato):

 

Mit dem ersten Stammtisch am 9. Februar 2023 kehrte die ASO nach der Pandemie wieder in ihren gewohnten Rhythmus zurück. Die Vortragsreihe setzte ihre Tradition fort und bot erneut ein breites Spektrum an Themen an, ebenso die Exkursionen. Das Birdrace entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des Jahres. Mehrere Teams aus dem Landkreis nahmen teil und sammelten zwischen 2018 und 2024 rund 16.000 Euro für ornitho.de – ein herausragender Beitrag zur Weiterentwicklung der Plattform. Mit dem Starnbirdrace, das im Sommer und Winter stattfindet, entstand ein eigenes Format, das die Begeisterung für die Vogelbeobachtung im Landkreis weiter stärkt. Das Format „birdwatching mit dem LBV Starnberg“ wurde eingeführt, um interessierten Naturfreunden die Vogelwelt im Landkreis Starnberg näher zu bringen. Hier leiten erfahrene ASO-Mitglieder jedes Jahr ca. sechs ornithologische Exkursionen.

Die letzten Jahre brachten zahlreiche ornithologische Highlights: Brutnachweis der Heidelerche, spektakuläre Beobachtungen wie Pfuhlschnepfe im Freibad, Steinwälzer, Thorshühnchen oder Raufußbussarde, Brutnachweise des Wendehalses, die Zwergdommel am Maisinger See oder die Zwergohreule am Starnberger See.

 

 

Bilanz und Ausblick:

Mehr als ein Jahrzehnt nach Gründung ist die ASO eine große, stabile und hochaktive ornithologische Gemeinschaft. Sie hat das Wissen über die Vogelwelt im Landkreis Starnberg qualitativ und quantitativ auf ein neues Niveau gehoben. Die ASO ist heute ein zentraler Akteur im regionalen Naturschutz, ein verlässlicher Partner für Behörden und Planungsbüros, insbesondere bei Windkraft- und Photovoltaikprojekten, bei Eingriffsplanungen, der Arten-schutzdatenbank ASK/Karla.Natur (Jana Selzer) sowie bei Schutz- und Pflegekonzepten für wertvolle Flächen, ein Motor für Artenschutz und Kartierungen und ein Ort, an dem Begeisterung, Wissen und Gemeinschaft zusammenkommen. Das deutschlandweite Monitoringprojekt ADEBAR 2 aller Brutvögel wird 2025 - 2029 von mehreren Dutzend ASO-Beobachtern in und außerhalb der Landkreisgrenzen unterstützt – ein Mammutprojekt. Auch in Zukunft ist die ASO mit Themen wie KI-gestützter Bioakustik und Biodiversitätsprojekten am Puls der Zeit.

(Text: Gerhard Huber; Fotos: ASO)