Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Entkusseln im Toteiskesselmoor “Görbelmoos” in Gilching

21.04.2026

Aufwändiges, händisches Herausziehen des Schnittgutes
Aufwändiges, händisches Herausziehen des Schnittgutes

Das Toteiskesselmoor „Görbelmoos“ in Gilching ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. Aus einem verlandeten Toteissee hat sich im Laufe von Jahrtausenden ein Moor entwickelt. Zunächst entstand ein Niedermoor mit Grundwasseranschluss, das mit der Zeit zu einem von Niederschlägen gespeisten Übergangs- bzw. Hochmoor herangewachsen ist.

 

Glücklicherweise wurde es nie entwässert oder zur Torfgewinnung genutzt, sodass es heute weitgehend naturbelassen ist. Seit 1976 ist es als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen und genießt dadurch den höchsten Schutzstatus in Deutschland. Seit 2010 ist es außerdem Teil des europäischen Netzwerks Natura 2000 als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat-(FFH-)Gebiet. Ziel dieses Netzwerks ist der Erhalt der biologischen Vielfalt in der Europäischen Union.

 

Jedes Land ist verpflichtet, diese Gebiete in einen guten Zustand zu erhalten. Aufgrund klimatischer Veränderungen mit oft langanhaltenden Trockenperioden in den Sommermonaten verändert sich jedoch das Bild dieses Moores.

 

Seit einigen Jahren kommen vermehrt Bäume auf, die das Moor komplett überwachsen könnten. Sie beschatten nicht nur die sensible Hochmoor-vegetation, sondern tragen auch zur weiteren Austrocknung des Moores bei. Der Torfkörper beginnt zu mineralisieren und setzt klimaschädliche Gase frei. 

Birkenaufwuchs im Moorzentrum
Birkenaufwuchs im Moorzentrum

 

Das Görbelmoos ist ein besonders schützenswerter Lebensraum. Im Jahr 2016 führte der Arbeitskreis Starnberger Ornithologen (ASO) eine ornithologische Kartierung durch.  Insgesamt konnten 55 Vogelarten nachgewiesen werden, von denen 35 als sichere oder wahrscheinliche Brutvögel eingestuft wurden. Darunter befinden sich Arten der Roten Liste wie Baumpieper, Neuntöter, Bluthänfling und Grauspecht. Die Dokumentation über die Vogelwelt des Görbelmoos ist hier zu finden.

 

Durch unseren Schmetterlingsexperten Dr. Klaus Gottschaldt konnten außerdem zahlreiche hochgefährdete Schmetterlingsarten nachgewiesen werden, darunter die Moor-Bunteule (Coranarta cordigera, RL B 1) und der Moosbeerenspanner (Carsia sororiata, RL D 1). Diese sind auf offenen Moorlebensräume mit ihrer typischen Vegetation angewiesen.

 

 

Um die hohe Qualität dieses Schutzgebiets zu erhalten, sind daher dringend umfangreiche Pflegemaßnahmen notwendig.

 

 

 

Zur Abholung aufgeschichtetes Schnittgut
Zur Abholung aufgeschichtetes Schnittgut

Dankenswerterweise hat die Gemeinde Gilching, Eigentümerin der Moorflächen, dem LBV Starnberg einen Auftrag für die nächsten drei Jahre erteilt: Das Moor soll entkusselt und somit in einen guten Zustand gebracht werden. Mit dieser großen Aufgabe haben wir in diesem Winter 2025/26 begonnen. Insgesamt sind ca. 4,5 Hektar von aufkommenden Bäumen zu befreien.

 

Das Görbelmoos ist größtenteils von dichtem Wald umgeben und daher mit Maschinen nicht zu erreichen. Auch würden größere Maschinen die empfindliche Hochmoorvegetation stark beschädigen. Aus diesem Grund müssen die aufgewachsenen Birken und Fichten von Hand gefällt und aus dem Moor getragen werden. Je weiter man in die Mitte des Moores vordringt, desto länger werden die Wege.

 

 

Mit tatkräftiger Unterstützung unserer ehrenamtlichen Helfer aus dem Landschaftspflegeteam sowie einiger regionaler Firmen, die ihre Angestellten im Rahmen eines Social Days für derartige Naturschutzprojekte zur Verfügung gestellt haben, konnten wir das erste Drittel dieser Mammutaufgabe bewältigen. Großen Dank an alle Helfer!

 

 

 

Im Rahmen dieser Arbeiten konnten wir auch einen besonderen Fund machen. Unser Vorstandsvorsitzende Stefan Schilling hat gleich mehrere Exemplare der Scharlach-Becherflechte (Cladonia coccifera) entdeckt.

 

Diese Flechte kommt hauptsächlich in Berglagen von Skandinavien bis zum Mittelmeerraum vor und wächst vor allem auf sauren und nährstoffarmen Böden oder bemoosten Felsen. In Bayern steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Ihre Hauptverbreitung liegt im Bayerischen Wald. In Südbayern gibt es bis jetzt nur wenige Funde.

 

(Text und Bild: Claudius Birke)