Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Auf den Spuren des Biber - Exkursion in seinen Lebensraum

19.04.2026

Foto: Biberspuren am Damm des Johanniweiher
Foto: Biberspuren am Damm des Johanniweiher

 

Bei frühlingshaftem Wetter fanden sich 20 Erwachsene und erfreulicherweise auch einige biberinteressierte Kinder ein, um am Langen Weiher bei Tutzing den Lebensraum des größten Nagetiers Europas zu erkunden.

 

Jürgen Slawisch, der seit einigen Jahren als Biberberater und Naturschutzwächter für den Landkreis Starnberg tätig ist, hatte sich im Vorfeld mit der Umgebung vertraut gemacht und führte uns nun über einen Waldweg zu unserem ersten Etappenziel. Einem Damm der den „Johanniweiher“ und den „Langen Weiher“ voneinander trennt.  

 

Bereits hier waren erste Spuren des Bibers zu entdecken. Angenagte Sträucher und sogenannte Biberrutschen waren ein eindeutiger Hinweis auf Aktivitäten an diesem Ort.

Biberburg im Langen Weiher
Biberburg im Langen Weiher

 

Als Nächstes ging es zum eigentlichen Ziel, dem im Jahr 2014 abgelassenen „Langen Weiher”. Aufgrund seiner üppigen Vegetation in den letzten Jahren bietet er Bibern einen idealen Lebensraum. Der Starzenbach schlängelt sich kaum mehr erkennbar hindurch und bildet somit eine Wasserstraße. Diese eignet sich perfekt für die Hauptbeschäftigung der Biber, den Dammbau.

 

Schon von weitem war die mächtige Biberburg erkennbar. Wie wir erfahren haben, ein sogenannter „Hochbau“. Es handelt sich um eine aus Ästen, Zweigen und Schlamm errichtete Burg, die meist freistehend im Wasser liegt. Eine andere Bauart ist der „Erdbau“, bei dem die Biber vom Wasser aus in die Uferböschung graben und ihren Wohnbau anlegen, sobald sie sich über dem Wasserspiegel befinden.

 

Als wir an der Burg ankamen, erfuhren wir noch allerhand mehr über das Leben der Biber.

 

So zum Beispiel, dass das Gebiet zwischen 1 und 5 km groß sein kann und sie sehr standorttreue Tiere sind. Im Mai werden 2-3 Junge geboren, die etwa sechs Wochen gesäugt und dann allmählich auf feste Nahrung umgestellt werden. Der Nachwuchs darf freundlicherweise zwei Jahre im Bau bleiben, danach muss er sich sein eigenes Revier suchen. Revierkämpfe zwischen Bibern sind daher häufig mit Verletzungen oder sogar dem Tod des Rivalen verbunden. Hier spricht man von einer natürlichen Selbstregulierung, die eine Überpopulation verhindert.

 

Biber von Biberfreund Samuel
Biber von Biberfreund Samuel

Gleich neben der Burg machte Jürgen Slawisch uns auf eine natürliche Quelle aufmerksam, in der die sogenannte „Armleuchteralge“ wächst. Diese Unterwasserpflanze mit charakteristischem Geruch kommt nur in sehr sauberem und nährstoffarmem Wasser vor und ist auf der Roten Liste gefährdeter Arten verzeichnet. Etwas weiter konnten wir dann einen perfekt gebauten Damm begutachten. Kurz darauf kam auch schon zweite Burg zum Vorschein. Ihre äußerliche Erscheinung deutete jedoch darauf hin, dass sie derzeit nicht bewohnt war.

 

Der mondäne „Mönch“ am Nordende des Weihers ließ die ursprüngliche Wassertiefe des Weihers erahnen. Er war zugleich letztes Ziel der Wanderung. Auf dem Rückweg haben wir erfahren, dass im Fell des Bibers der sogenannte „Biberkäfer“ lebt und mit ihm eine Symbiose eingeht. Außerdem lernten wir, dass sich der Biber überwiegend durch Gehör- und Geruchsinn orientiert und bis zu 20 Minuten unter Wasser bleiben kann.

 

Nach knapp zwei Stunden endete die Wanderung schließlich wieder am Ausgangspunkt. Zwar haben wir keinen echten Biber gesehen, sicherheitshalber hatte ein kleiner Biberfreund seinen eigenen Biber mitgebracht. 

 

Wir möchten uns ganz herzlich bei Jürgen Slawisch für diese interessante und lehrreiche Exkursion bedanken. Unser Dank gilt aber auch den freiwilligen Spenden, die ausschließlich der Arbeit des LBV zugutekommt.

 

(Text und Bild: Katharina Roppert-Engert)

 

Auf dem Damm des Johanniweiher
Auf dem Damm des Johanniweiher
Johanniweiher und Langer Weiher bei Tutzing - Quelle: Google Maps
Johanniweiher und Langer Weiher bei Tutzing - Quelle: Google Maps