Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Neue Wechselkröten-Habitate im ehem. Pionierübungsgelände Krailling

26.03.2026

Der ehemalige Pionierübungsplatz in der Gemeinde Krailling ist einer der letzten verbliebenen Trockenbiotopkomplexe, die früher großflächig rund um München typisch waren. Das Gebiet ist für viele Tiergruppen, darunter Vögel, Reptilien, Amphibien, Libellen, Heuschrecken, Ameisen und Tagfalter, von landesweiter Bedeutung. Durch die militärische Nutzung bis in die 1990er Jahre ist ein „Lebensraum aus zweiter Hand“, ein Sekundärbiotop, entstanden.

 

Um die hohe Habitat-Qualität zu erhalten, muss eine behutsame Nutzung jedoch fortgeführt bzw. durch Pflegemaßnahmen ersetzt werden.

Seit Beginn der 1990er Jahre werden Teilbereiche des Gebiets vom LBV Starnberg in Kooperation mit dem zuständigen Bundesforstamt und der Gemeinde Krailling gepflegt und entwickelt. So konnte die hohe Artenvielfalt und die Vorkommen zahlreicher naturschutzbedeutsamer Arten bis heute erhalten werden.

 

 

 

Fertigstellung in letzter Minute

In diesem Frühjahr konnten in letzter Minute noch rechtzeitig neue Teiche für die bayernweit vom Aussterben bedrohte Wechselkröte (Bufo viridis, Rote Liste Bayern (RLB) 1) angelegt werden. Ihr Bestand zählt zu den wenigen noch verbliebenen auf der Münchener Ebene. Die Wechselkröte stammt ursprünglich aus den Steppen Zentralasiens und besiedelt daher trockene, sonnenexponierte Lebensräume wie Sand- und Kiesgruben. Zur Fortpflanzung sucht sie vegetationslose bzw. vegetationsarme Laichgewässer wie flache Tümpel oder Pfützen auf. Diese sind im ehemaligen Pioniergelände rar geworden. Ein Fortpflanzungserfolg wäre in diesem Jahr unwahrscheinlich geworden.

 

Daher engagierte sich der LBV-Arbeitskreis „Amphibien und Reptilien“, insbesondere Richard Gebendorfer, um dem Verlust an geeigneten Laichgewässern entgegenzuwirken. Auf einer größeren Ausgleichsfläche der Autobahn GmbH des Bundes, der sogenannten „Brückengrube“, wurden vor fünf Jahren zahlreiche Amphibiengewässer angelegt. Leider sind viele dieser Teiche undicht geworden und halten kein Wasser mehr. Dank des hartnäckigen Nachfassens unseres Teams konnte die Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH nun dazu bewegt werden, zwei neue Teiche zu finanzieren.

 

Großer Dank an die Autobahn GmbH

Die Autobahn GmbH hat einen regionalen Teichbauer beauftragt, der über viel Erfahrung im Amphibienschutz verfügt. Unter Mithilfe und fachmännischer Begleitung unseres Amphibien-Teams waren nach zwei Arbeitstagen zwei neue, jeweils ca. 100 m² große Wechselkröten-Teiche angelegt. Um den Pioniercharakter dieser Gewässer zu erhalten, können sie nach der Laichzeit trockengelegt werden. So wird verhindert, dass Fische und Laich fressende Insekten einwandern und sich Wasserpflanzen ansiedeln.

 

Neben den Laichgewässern benötigt die Wechselkröte offene und vegetationsarme Kiesstandorte als Lebensraum. Da diese mit der Zeit zuwachsen und verschwinden, muss auch hier nachgeholfen werden. So wurde auf zwei benachbarten Teilbereichen der Oberboden abgeschoben und das Abschiebematerial vor Ort verbaut. Diese Flächen dienen nicht nur der Wechselkröte, sondern sind ebenfalls Lebensraum für die hier vorkommende und bis vor einiger Zeit in Bayern noch stark gefährdete Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens).

Ein großer Dank geht an das Ausgleichsflächen-Team der Autobahn GmbH Südbayern und den LBV-Arbeitskreis „Amphibien und Reptilien“.

 

(Text: Claudius Birke - Fotos: Richard Gebendorfer und Franz Pommer)