Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Spinnennetze - Kunstwerke der Natur

 

Spinnennetze sind wahre Kunstwerke der Natur. Sie sind dünner als ein menschliches Haar, reißfester als ein Stahlseil und elastisch wie Gummi. 

Der Spinnfaden der Webspinnen entsteht aus einer Flüssigkeit, die in ihren Spinnwarzen im Hinterleib produziert wird. Sobald diese an die Luft gelangt, wird sie zu einem reißfesten Faden. Spinnen können für die unterschiedlichsten Zwecke verschiedene Fadenarten herstellen, die aus Proteinen zusammengesetzt sind. Die tierische Webkunst gibt es in ganz unterschiedlichen Ausführungen. Die drei häufigsten stellen wir hier vor:

 

Radnetz

Radnetz - Klaus Müller
Radnetz - Klaus Müller

Das Radnetz ist das bekannteste Netz und besteht aus drei Elementen:

 

die Rahmenfäden, an denen das Netz aufgehängt wird - die Speichenfäden, die vom Zentrum des Netzes aus sternenförmig nach außen aufgespannt werden - die Fangfäden, die mit Leimtröpfchen behaftet kreisförmig auf den Speichenfäden angeordnet sind.

Diese Art Netz wird bevorzugt in der Flugbahn von Insekten gebaut. Daher findet man sie oft an Laternen oder Fenstern. Die Spinne selbst befindet sich in der Regel in Wartestellung außerhalb des eigentlichen Netzes, am Ende eines Rahmenfadens. Die Bewegung der gefangenen Insekten löst quasi einen Alarm aus. Die Spinne läuft zur Beute und spinnt sie sofort ein, um sie dann später auszusaugen.

 

Radnetze werden beispielswese von folgenden Arten gebaut:

  • Echte Radnetzspinne (Araneidae)
  • Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus)

 

 

Trichternetz

Trichternetz - Ralph Sturm
Trichternetz - Ralph Sturm

Das Trichternetz ist ein teppichartiges, flaches Netz und meist in Bodennähe im Laub zu finden. 

 

Bei dieser Netzart wird ein Trichter gebildet, der in die Wohnröhre der Spinne mündet. Die Röhre verengt sich trichterförmig und verfügt über zwei Ausgänge. Die Spinne selbst sitzt im Bereich des Übergangs vom Trichter zur Röhre in regloser Lauerstellung und wartet auf ihre Beute. Meist sind nur die Vorderbeine sichtbar.

Alarmiert wird die Spinne durch die Vibrationen der Laufbewegung, die direkt in den Trichter geleitet werden. Somit sorgt die Spinne z.B. auch für eine Dezimierung der lästigen Fliegen und Mücken im Haus und kann dabei ein Alter von bis zu sieben Jahren erreichen.

 

Trichternetze werden von folgenden Arten gebaut:

  • Trichterspinne (Agelenidae)
  • Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica)
  • Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica)

 

 

Baldachinnetz

Baldachinnetz - Eberhard Pfeuffer
Baldachinnetz - Eberhard Pfeuffer

Das Baldachinnetz ist die in unseren Breiten am häufigsten vorkommende Netzart. Es ist in großen Mengen in Wiesen und Hecken zu finden.

 

Das Netz besteht meist aus einem waagerecht dicht gewebten Gespinstteppich, der durch viele Einzelfäden - auch Stolperfäden genannt - nach oben und unten zwischen den Pflanzen gewölbt und aufgespannt wird.

Die Spinne hängt unterhalb des Gewölbes mit der Bauchseite nach oben in Wartestellung. und wartet dort auf Insekten, die sich im Fadengewirr verstricken und herabstürzen. Die Beute wird durch das Netz nach unten gezogen und verspeist.

 

Baldachinnetze werden von folgenden Arten gebaut:

  • Baldachinspinnen (Linyphiidae)
  • Gemeine Baldachinspinne (Linyphia triangularis)

 

 

 

Mit der Zeit verliert Spinnenseide an Elastizität und die klebrige Schicht trocknet aus. Zudem hinterlassen gefangene Insekten Schmutz im Netz oder beschädigen es, weshalb viele Arten ihre Netze regelmäßig austauschen. Das Auffressen ist dabei ein effizienter Weg, um keine Energie zu verschwenden. Die darin enthaltenen Proteine werden von den Verdauungsenzymen zersetzt, sodass die wertvollen Nährstoffe zurückgewonnen werden können. Diese nutzt die Spinne anschließend, um ein neues, klebriges Netz zu bauen.

 

Spinnennetze dienen übrigens als beeindruckende Vorbilder in der Architektur. Die leichte und dennoch stabile Bauweise des Spinnennetzes findet sich in zahlreichen Gebäuden wieder. Ein Beispiel ist das Dach des Münchner Olympiastadions.

  

(Text: Katharina Roppert-Engert)