Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Heimische Spinnen

Mit Ausnahme der Antarktis sind sie überall auf der Welt anzutreffen: Spinnen. Sie zählen zu den artenreichsten Tiergruppen weltweit. Spinnen sind für das Ökosystem sehr wichtig, da sie als Insektenvertilger für ein Gleichgewicht im Kreislauf der Natur sorgen. Der Zustand des Lebensraums bestimmter Spinnenarten gibt Hinweise auf deren Zustand, denn sie haben sehr spezielle Umweltansprüche und reagieren empfindlich auf Veränderungen.  

 

Ein paar Fakten:

  • - Spinnen gibt es bereits seit 500 Millionen Jahren
  • - in Deutschland gibt es ungefähr 1000 Arten
  • - die meisten Spinnenarten besitze 8 Augen
  • - bis zu 100 Spinnenbabys schlüpfen aus dem Kokon eines Weibchens

 

Die meisten einheimischen Spinnenarten sind für den Menschen eher unsichtbar. Im Laufe des Sommers entwickeln sich viele Spinnen von kleinen, unscheinbaren Wesen zu größeren, äußerst  hungrigen Exemplaren. Sie spannen entweder große Netze im Wald zwischen Bäumen oder Gräsern und lauern auf Beute oder verstecken sich im hohen Gras.

 

Gerade in den Herbstmonaten ist es relativ wahrscheinlich, dass man Spinnen in der näheren Umgebung beobachten kann. Sinkende Temperaturen und steigende Luftfeuchtigkeit führen dazu, dass viele Spinnen in geschützte Rückzugsräume wie Häuser und Garagen fliehen, um dort den Winter zu verbringen.

 

Im Folgenden stellen wir die häufigsten und bekanntesten Arten näher vor.

 

Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium)

Ammen-Dornfinger-Spinne - Christoph Bosch, LBV-Bildarchiv
Ammen-Dornfinger-Spinne - Christoph Bosch, LBV-Bildarchiv

Die Ammen-Dornfinger-Spinne ist in Gebieten mit hohem Grasbewuchs wie Halbtrockenrasen, Brachen oder Heidekraut zu finden, wo die Temperaturen für ihre Lebensweise ideal sind.

Dichte, taubeneigroße Gespinstsäcke werden von den Weibchen gesponnen, in denen sie sich tagsüber aufhalten. Von vorn betrachtet, zeigt der Ammen-Dornfinger eine auffallende Warntracht. Seine sehr kräftig ausgebildeten Cheliceren (Kieferklauen) sind im oberen Teil rot-orange gefärbt, im unteren Teil sowie die anschließenden Giftklauen hingegen schwarz. Mit ihren großen Kieferklauen ist diese Spinne die giftigste Art in Deutschland. Ihr Biss ist zwar nicht wirklich gefährlich, kann aber starke Schmerzen und mitunter sogar Entzündungen verursachen.

 

Das Verbreitungsgebiet dieser Art erstreckt sich vom östlichen Mitteleuropa und dem Mittelmeerraum ostwärts bis nach Zentralasien.

Die Spinne erreicht eine Körperlänge von bis zu 1,5 Zentimetern. Dabei werden die Weibchen etwas größer als die Männchen.

 

 

Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus)

Gerandete Jagdspinne - Ralph Sturm, LBV-Bildarchiv
Gerandete Jagdspinne - Ralph Sturm, LBV-Bildarchiv

Die Gerandete Jagdspinne trägt ein markantes, auffälliges Band am Vorder- und Hinterkörper, das sie von anderen Spinnenarten unterscheidet.

Sie baut kein klassisches Spinnennetz, um damit auf Fang zu gehen. Ihr bevorzugter Lebensraum sind Sümpfe, Feuchtwiesen und Moore.  Dort werden Insekten, Kaulquappen und sogar kleine Fische am Ufer und auf dem Wasser gejagt, die sie mit einem Giftbiß tötet. Dank ihrer dichten Behaarung kann sie sich sogar auf dem Wasser fortbewegen und bei Gefahr auch untertauchen.

 

 Zur Fortpflanzung überrascht das Männchen ein fressendes Weibchen. Wenn es dabei unvorsichtig ist, kann es schnell selbst zum Nachtisch werden.

Die Gerandete Jagdspinne kommt in ganz Europa, Nordafrika und Asien vor. Die Weibchen erreichen Körperlängen zwischen 15 und 22 Millimetern, die Männchen zwischen neun und 15 Millimetern.

 

 

 

Hauswinkelspinne ((Tegenaria domestica)

Winkelspinne - Ralph Sturm, LBV-Bildarchiv
Winkelspinne - Ralph Sturm, LBV-Bildarchiv

Die Hauswinkelspinne, die auch als Kellerspinne bezeichnet wird, baut ihre trichterförmigen Röhren bevorzugt in der Nähe des Menschen, beispielsweise in Kellern oder Gartenschuppen. Sie wählen schwer zugängliche und dunkle Ecken, die über längere Zeit ungestört sind, wie beispielsweise hinter Schränken und in Hohlräumen, um ihre Wohnhöhle zu bauen.

Tagsüber lauert sie regungslos in ihrer Trichterhöhle und wartet auf Beute. Sie ernährt sich von Insekten, die sie durch die Härchen an ihren Beinen erspürt. Sobald sie Beute wahrgenommen hat, stürmt sie blitzschnell hervor, um das lähmende Gift zu injizieren.

 

Ursprünglich war sie nur in Europa heimisch, wurde durch den Menschen inzwischen aber auf alle Kontinente verbreitet.

 

Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von bis zu 11,5 Millimetern, die Männchen bis zu neun Millimetern, haben dafür aber längere Beine.

 

 

Kreuzspinne (Araneus)

Gartenkreuzspinne - Frank Derer, LBV-Bildarchiv
Gartenkreuzspinne - Frank Derer, LBV-Bildarchiv

Die Kreuzspinne verdankt ihren Namen dem hellen Kreuz auf ihrem Hinterleib. Die Gattung umfasst mehrere hundert Arten und die Färbung des Körpers variiert je nach Lebensraum. Sie kann gelblich, rot oder sogar schwarz sein. Kreuzspinnen weben ihr kunstvolles Radnetz innerhalb von 45 Minuten aus einem 20 Meter langen Spinnfaden.

 

Kreuzspinnen ernähren sich von Insekten aller Art. Selbst größere Exemplare wie Wespen, Hummeln, Schmetterlinge und sogar Hornissen stehen auf ihrem Speiseplan.

 

Die im Netz gefangene Beute wird von der Spinne gebissen und mit einem Seidenband aus ihren Spinndrüsen eingewickelt. Die Beute wird dabei schnell mit den Beinen gedreht. Die Verdauungsenzyme, die beim Biss abgegeben werden, zersetzen das Innere der Beute. 

 

Die Gartenkreuzspinne kommt in ganz Mitteleuropa vor. 

Die Körperlänge der Weibchen kann bis zu 18 mm betragen, die der Männchen etwa 10 mm.

  

Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)

Nosferatu-Spinne - Frederik Leck Fischer, inaturalist
Nosferatu-Spinne - Frederik Leck Fischer, inaturalist

Die aus Südeuropa und Nordafrika stammende Nosferatu-Spinne wird inzwischen immer häufiger in Teilen Deutschlands gesichtet. Sie reist oft mit dem Auto oder im Gepäck aus Südeuropa ein. 

Diese Spinne ist eine frei jagende Art. Sie lauert nicht in einem Spinnennetz auf Beute, sondern läuft auf der Suche danach umher. Die Nosferatu-Spinne ist eine sehr kletterfreudige Spinne. In der Schweiz wurde sie beispielsweise mehrfach im dritten oder vierten Stock angetroffen.

Auf ihrem Körper erkennt man mit etwas Fantasie das Gesicht des Vampirs Nosferatu. Doch kein Grund zur Panik! Nur wenn sie sich angegriffen fühlt, beißt sie. Das Gift, das sie dabei ausscheidet, ist für Menschen ungefährlich. Ihre speziellen Hafthaare an den Beinen machen es möglich, dass sie sich an senkrechten Glasscheiben festhalten kann.

 

Während die Männchen eine Körperlänge von 10 bis 13 mm erreichen, werden die Weibchen 15 bis 19 mm groß.

 

 

Weberknecht (Opiliones)

Weberknecht - Ralph Sturm, LBV-Bildarchiv
Weberknecht - Ralph Sturm, LBV-Bildarchiv

Die Spinnen aus der Gruppe der Weberknechte sind wegen ihrer langen Beine leicht zu erkennen. Dabei können die Beine das 25fache der Körperlänge ausmachen. In Deutschland gibt es über 50 Arten, weltweit sind es sogar etwa 6.600.

Weberknechte besitzen im Gegensatz zu Webspinnen weder Spinn- noch Giftdrüsen und bauen keine Fangnetze zur Nahrungsbeschaffung. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich von mikroskopisch kleinen Gliederfüßern und von toten Insekten.

Jedoch setzen sie zur Verteidigung Stinkdrüsen ein, die ein stark riechendes und je nach Konzentration betäubendes oder gar tödliches Sekret abgeben. Meist sind ihre Austrittsöffnungen an dem vorderen Rückenrand.

Sehr hohe Populationsdichten sind in naturnahen Laubwäldern, Feldgehölzen an feuchten Standorten zu beobachten.

 

Weltweit sind Exemplare mit Körperlängen zwischen zwei und 22 Millimetern bekannt. 

 

Weißfleckige Fettspinne (Steatoda albomaculata)

Weißfleckige Fettspinne - Benjamin Fabian, inaturalist
Weißfleckige Fettspinne - Benjamin Fabian, inaturalist

Fettspinnen stellen eine zahlenmäßig große Gattung innerhalb der Familie der Kugelspinnen dar und sind auf allen Kontinenten vertreten. Bei uns sind Fettspinnen im Allgemeinen an trockenen, geschützten Orten zu finden. Die meist bodenbewohnenden Arten führen eine nachtaktive und netzbauende Lebensweise. 

 

Durch die von oben und unten daran gespannten vertikalen Befestigungsfäden erhält das zentrale Gespinst das Erscheinungsbild einer Decke aus vielen kleinen zelt- oder kuppelartigen Gebilden.

Mit ihren unregelmäßigen Raumnetzen erlegen sie unterschiedliche Beutetiere. Darunter auch solche, die deutlich größer sind als sie selbst. 

 

Es liegen Berichte über Bisse verschiedener Fettspinnen auf Menschen vor. Sie werden als schmerzhaft, im Regelfall jedoch nicht als medizinisch relevant beschrieben.

 

Je nach Art und Geschlecht beträgt ihre Körperlänge 2 bis 11 Millimeter.

 

 

Wespenspinne (Argiope bruennichi)

Baldachinnetz - Eberhard Pfeuffer, LBV-Bildarchiv
Baldachinnetz - Eberhard Pfeuffer, LBV-Bildarchiv

 

Die Wespenspinne hat eine schwarz-weiß-gelbe Zeichnung, die an ihre Namensgeberin, die Wespe, erinnert. Für Menschen ist sie jedoch harmlos. Sie besiedeln feuchte Brachflächen, feuchte Wiesen und Wegränder. 

Neben Schmetterlingen und Hautflüglern fängt sie in ihrem nah über dem Boden gespannten Netz besonders erfolgreich Heuschrecken, da diese in passender Höhe im Gras umherspringen. Kennzeichnend für das Netz ist ein häufig sehr kräftiges, zickzackförmiges Gespinstband, das sich ober- und unterhalb der Nabe in vertikaler Ausrichtung befindet.

 

Bis vor etwa 50 Jahren war die Wespenspinne vor allem im südlichen Europa verbreitet. Sie ist inzwischen fast überall in Europa, aber auch in einigen Ländern Asiens und Nordafrikas zu finden.

Männchen erreichen dabei eine Körperlänge von nur sechs Millimetern, Weibchen werden hingegen mit bis zu 2,5 cm deutlich größer.

 

 

 

 

Düstere Zeiten für Spezialisten

Viele Feuchtgebiete werden durch den Klimawandel immer mehr ausgetrocknet. Dadurch verschwinden Spinnenarten, die an Sümpfe, Moore und Feuchtwiesen gebunden sind. Ähnlich sieht es auch bei den Spezialisten der Trockenstandorte aus. Spinnen, die auf dem lockeren Boden nach Beute jagen, haben es immer schwerer, Nahrung zu finden. Ihre Lebensräume drohen zu vergrasen oder zu verbuschen.

 

Auch in strukturlosen Gärten wird es für Spinnen schwieriger. Dort ist der Rasen frisch gemäht. Es gibt keine "wilden" Ecken. Die Pflanzen sind wenig insektenfreundlich. So finden Spinnen weniger geeignete Plätze für ihre Netze. Es gibt auch weniger ausreichend Beute. 

 

Spinnen sind also auf eine vielfältige Landschaft angewiesen, denn nur so können sie langfristig überleben.

 

 

(Text: Katharina Roppert-Engert)