Das Kleine Nachtpfauenauge hat ganz besondere Raupen: Bei jeder Häutung ändert sich ihr Aussehen. Die letzte Raupenhäutung zeigt diese Bildserie (Beginn beim Foto in
der Mitte): Die Raupe kriecht gewissermaßen aus ihrer alten Haut heraus.
Und warum müssen sich Raupen häuten? Wenn die Raupe heranwächst, nimmt sie gewaltig an Größe zu. Das macht ihre Haut aber nicht mit, denn diese besteht aus Chitin, einem Stoff,
der nicht mitwächst und nur begrenzt dehnbar ist. So muss die Raupe von Zeit zu Zeit ihr altes „Hemd“ abstreifen. Unter der alten Haut hat sich bereits die neue gebildet
und in dieser kann die Raupe nun wieder kräftig zunehmen.
Das Kleine Nachtpfauenauge verpuppt sich nicht einfach so. Weil es zur Gruppe der Spinner gehört, baut es zunächst eine Behausung für die Puppe. Aus scheinbar völlig ungeordneten
Spinnfäden entsteht zusehends ein fester Kokon, der Feinden keinen Zutritt ermöglicht. Am oberen Ende hat er nämlich eine Reusen-Konstruktion aus starren Borsten, die ein Eindringen
verhindert, dem Falter aber später das Ausschlüpfen ermöglicht.
Im Kokon findet die letzte Häutung der Raupe statt; es entsteht die Puppe. Die alte zusammengeschnurrte Haut mit der Kopfkapsel der Raupe bleibt neben der Puppe liegen – wie auf dem Foto in der
Mitte links gut zu sehen ist. Auch die „Reuse“ ist über dem Kopf der Puppe gut zu erkennen.
Wenn der Falter die Puppenhülle geöffnet hat, zwängt er sich durch die Reusenöffnung nach draußen. Das ist Schwerstarbeit und man staunt, dass dabei nicht der noch unförmige Hinterleib
und die lappigen Flügel Schaden nehmen. Aber es funktioniert, und schon wenige Zeit später nimmt der Schmetterling (hier ein Weibchen) Gestalt an.
Kleines Nachtpfauenauge
Saturnia pavonia
Spannweite: 60-80 mm
Lebensraum: Waldränder, lichte Wälder, Heiden, Moore; trockene wie feuchte Standorte.
Lebensweise: Nachtfalter; die Männchen sind auch tagsüber unterwegs.
1 Generation im April/Mai. Die Falter haben keine Mundwerkzeuge und können deshalb keine Nahrung aufnehmen. Sie haben ein kurzes Leben – gerade ausreichend für die Fortpflanzung.
Raupe: Bis 60mm lang, an sehr vielen verschiedenen Pflanzenarten: Himbeere, Heidelbeere, Heidekraut, Mädesüß, Wiesensalbei, Weidenarten, Schlehen und anderen.
Puppe: Ca. 30 mm lang; in einem birnenförmigen Kokon zwischen Zweigen der Futterpflanze; überwintert.
Die kleineren Männchen (oben) suchen am späten Vormittag und am späten Nachmittag in raschem Zickzack-Flug nach den größeren Weibchen (unten), von denen sie mit
einem speziellen Duftstoff über mehrere Kilometer Entfernung (!) angelockt werden.