Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Das Ramsar-Abkommen

Ramsar ist eine Stadt im Iran, am Kaspischen Meer (nahe der größeren Stadt Rasht) gelegen, in der 1971 eine internationale Vereinbarung  zum Schutz von "Feuchtgebieten von  internationaler Bedeutung" verabschiedet wurde. Dieser "Konvention" traten 1976 die Bundesrepublik Deutschland wie auch die DDR bei.

Vorausgegangen waren internationale Wasservogelzählungen in den 1960er Jahren, welche einen dramatischen Rückgang an Wat- und Wasservögeln quantitativ fassbar gemacht. und den Verlust ihrer Lebensräume belegt hatten.

 

Das Ramsar - Abkommen hat damit ursprünglich den weltweiten Schutz von Wat- und Wasservögeln und ihrer vielfältigen Lebensräume - zum Ziel, gemessen an den

  • Kriterien der Quantität (1%-Kriterium), aber auch nach den
  • Kriterien der Qualität (Seltenheit / Gefährdungsgrad) der migrierenden Arten.
  • Diese sind bei ihren teilweise globalen Zügen überlebensnotwendig auf "Trittstein-Ökosysteme" angewiesen. (Wasservogelzahlen waren - als leicht quantifizierbare Größen - ursprünglich geeignete, leicht vermittelbare Gradmesser für Zustandsverschlechterung).

Deutschland hatte 1976 beim Beitritt 31 Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung" in Ost und West gemeldet, darunter das Niedersächsische und das Hamburgische Wattenmeer, die Elbaue bei Schnackenburg, Dümmer und Steinhuder Meer, der Ostsee-Bodden Zingst-Hiddensee, das Müritz-Ostufer, das Wollmatinger Ried und Mindelsee am Bodensee.

In Bayern wurden sieben Ramsar-Gebiete gemeldet: die Donauauen - Donaumoos bei Günzburg, den Lech-Donau-Winkel, den Ismaninger Speichersee, der untere Inn zwischen Haiming und Neuhaus sowie großen Voralpenseen Ammersee, Chiemsee und Starnberger See.

 

Das Ramsar - Abkommen von 1971 ist das erste globale Naturschutzabkommen, das sich den Schutz eines bestimmten Lebensraum-Typus, eines bestimmten Ökosystems - Feuchtgebiete - zum Ziel setzt, nicht (nur) den einer bestimmten Art. Es ist damit Wegbereiter für das "Übereinkommen zum Schutz der biologischen und genetischen Vielfalt, der "Biodiversität" des Planeten.
 

Seit 1990 rückten angesichts der fortschreitenden weltweiten Zerstörung der Feuchtgebiete, die auch als Nahrungs- und Wasserreserven für den Menschen gesehen werden, weitere Kriterien - nicht nur "Wasservogelzahlen" - in den Vordergrund. Vor allem der weltweite Schutz der Fischfauna, aber auch der von Schmetterlingen, Libellen, Amphibien, Reptilien etc. kann nun zur Ausweisung von Ramsar - Gebieten führen.

Hintergrund dieser Wandlung ist das Konzept der "sustainable utilization" und des (über diesen Gedanken hinausführenden) "wise use": Die Nutzung soll "nachhaltig" sein und darüber hinaus "wohl ausgewogen", sodass sie mit dem Erhalt der natürlichen Verhältnisse im Ökosystem vereinbar ist.

 

Deshalb schließt die Ramsar - Konvention nicht Jagd oder Fischerei von vornherein und überall aus - es musste eine Konvention bleiben, die für alle Staaten, insbesondere auch die der dritten und vierten Welt, akzeptabel ist: dort ist "Naturschutz" noch weniger per se überzeugend. Vermittelbar sollte dort der Erhalt der Ressource "Feuchtgebiet" mit der Möglichkeit einer nachhaltigen Nahrungsversorgung (Fischfang, Proteinversorgung!) sein.

Zum 2.2.2007 sind 154 "Vertragsparteien", also Staaten, der Ramsar-Konvention beigetreten, haben 1.641 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 146 428 199 ha gemeldet. Dies entspricht weit mehr als der Fläche von Deutschland, Frankreich und Schweden zusammen.


Der Tag der Unterzeichnung des Ramsar-Abkommens 1971, der 2. Februar, wird als "Tag der Feuchtgebiete" bzw. als "Ramsar-Tag" begangen.