Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Die Waldohreule (Asio otus)

Waldohreule (Foto: Pit Brützel)
Waldohreule (Foto: Pit Brützel)

Nomen est omen - oder etwa nicht? Die hübsche Eule mit den leuchtend orangefarbenen Augen scheint vom Namen her ein typischer Bewohner des Waldes zu sein. Dabei tritt sie im Inneren von dichten, geschlossenen Wäldern normalerweise nicht auf.

 

Der Wald wird als Lebensraum nur dann genutzt, wenn es dort genügend Freiflächen für die Jagd gibt. In Mitteleuropa ist die Eule ein Vogel der offenen Kulturlandschaft mit niedrigem Pflanzenwuchs. Bevorzugt werden Gebiete mit einem hohen Anteil an Dauergrünflächen sowie die Nähe zu Mooren.

 

Wer den dämmerungs- und nachtaktiven Vogel beobachten will, sollte sich zum Waldrand begeben: Diesen nutzen die Waldohreulen tagsüber als Ruheplatz sowie als Brutrevier.

 

 

Waldohreule in altem Krähennest (Mai 2018) (Foto: Antje Geigenberger)
Waldohreule in altem Krähennest (Mai 2018) (Foto: Antje Geigenberger)

 

 

Bevorzugt werden niedrige Nadelbäume , die ausreichend Deckung bieten (die Bereiche in Stammnähe absuchen!) und in denen sich alte Nester von Krähen und Elstern befinden. Auch die im Gemeindegebiet Gilching im Mai 2018 entdeckte Waldohreule brütete in einem alten Krähennest. Sie konnte bis Anfang Juni von vielen Ornis der Arbeitsgemeinschaft Starnbertger Ornithologen (ASO)  Vogelfreunden immer wieder beobachtet werden. Seitdem ist das Nest jedoch leer. Ästlinge  konnten nicht gesehen oder verhört werden.

 

Ästlinge - Jungeulen, die das Nest bereits verlassen haben, aber von den Eltern noch gefüttert werden müssen - verraten ihren Wohnort durch nächtliches, stundenlanges lautes Fiepen.  

 

Auch die Elternvögel machen durch Rufe auf sich aufmerksam: Während der Brutzeit lässt das Männchen alle zwei bis acht Sekunden ein dumpfes und monotones „huh“ ertönen, beantwortet vom Weibchen mit „üüiü“ oder „uijo“.

 

Kommt man dem Horst zu nahe, bekommt man das breite Repertoire an Alarmrufen zu hören – vom bellenden,  kläffenden „uäk.uäk“  bis zum miauendes „kjiiiiauu“ . Der Feindabwehr dienen schließlich Fauchen und Schnabelknappen - das schnelle Aufeinanderschlagen von Ober- und Unterschnabel.

 

Waldohreule (Foto: Jörg Möller)
Waldohreule (Foto: Jörg Möller)

Bleibt uns noch der kritische Blick auf den zweiten Bestandteil des Namens: die Federohren. Dabei handelt es sich lediglich um verlängerte Kopffedern, die mit dem Gehör nichts zu tun haben (zur Verstärkung der Hörleistung dient eher der auffällige Gesichtsschleier). Die Ohren sind stattdessen an der Seite des Kopfes versteckt und können Geräusche auf den Zentimeter genau orten - äußerst hilfreich bei der Jagd, die in zwei, jeweils 2-3stündige Aktivitätsphasen unterteilt wird: die erste beginnt kurz nach Einbruch der Dämmerung, die zweite erstreckt  sich bis in die Morgendämmerung . Dazwischen liegt eine längere Ruhepause. Der Vogel setzt seine Jagd jedoch auch tagsüber fort, wenn hungrige Jungen zu füttern sind. Die Jagd  erfolgt über die sog. Ansitzjagd oder aus dem geräuschlosen Flug heraus. Eulen sind die einzigen Vögel, die völlig geräuschlos fliegen können. Das ist möglich, weil ihre Schwungfedern sehr weich sind und am Vorderrand feine Zähnchen aufweisen. Diese verhindern Luftverwirbelungen, die sonst für Fluggeräusche verantwortlich sind.

 

 

 

Waldohreule (Foto: Berrnhard Glüer)
Waldohreule (Foto: Berrnhard Glüer)

 

 

Frost und Schnee werden im Winter die Waldohreulen wieder zusammenrücken lassen: Sie verlassen dann ihre Verstecke und treffen sich zu Schlafgemeinschaften an Wintersammelplätzen - wiederum nicht im Wald, dafür häufig in Stadtparks, Gärten und auf Friedhöfen, wo man sie mit etwas Glück beobachten kann.  Die Federohren der Waldohreule sollten dabei nicht zum Einsatz kommen,  denn sie dienen u.a.  bei Feindkontakt dazu, die Stimmung des Vogels auszudrücken - und er würde bestimmt seinen Missmut damit äußern, wenn er dabei gestört wird, mit seinen Artgenossen den Tag zu verschlafen .

 

 

(Text: Klaus-Peter Hütt)