Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Die Kolbenente (Netta rufina)

Kolbenentenerpel (Foto: Stefan Greif)
Kolbenentenerpel (Foto: Stefan Greif)

Vor allem während der Wintermonate kann am Starnberger See ein prachtvoller Entenvogel beobachtet werden: Der Erpel mit seiner fuchsroten Kopffärbung und dem leuchtend scharlachroten Schnabel ist im Prachtkleid dabei unverkennbar. Die Kolbenente, von der hier die Rede sein soll, ist in Bayern auf wenige Gewässer in der südlichen Landeshälfte konzentriert. Dies war nicht immer so!

 

Als angestammte Überwinterungsgebiete gelten die Schwarzmeerregion, Vorderasien und Hinterindien, aber auch der Mittelmeerraum. Bis Ende der 1980erJahre überwinterten die westeuropäischen Kolbenenten fast ausschließlich in Frankreich und Spanien, doch seit Anfang der 1990er Jahren findet man sie auch an mitteleuropäischen Gewässern, vor allem auf dem Neuenburger-, Vierwaldstätter- und Bodensee. Ursache für diese Veränderung ist vermutlich die langjährige Trockenheit in den spanischen Überwinterungsgebieten, unterstützt durch überwiegend milde Winter am Alpennordrand. Hinzu kommen noch die in den letzten Jahrzehnten verbesserte Wasserqualität in den Seen und das damit verbundene Wachstum großflächiger Armleuchteralgen-Rasen, der Hauptnahrungsquelle der Kolbenente in Mitteleuropa.

Wichtigstes Überwinterungsgewässer in Bayern ist das Ismaninger Teichgebiet, gefolgt von Chiem- und Ammersee. Doch auch am Starnberger See konnten im vergangenen Winter in den aufkommensstärksten Monaten Oktober und November jeweils über 1300 Individuen dieser prächtigen Tauchenten gezählt werden.

Zur Veranschaulichung der jahreszeitlichen Verteilung der Kolbenenten am Starnberger See dient folgende Grafik, die aus den Daten der Wasservogelzählung der Jahre 2000 bis 2015 ermittelt wurden. Die Kolbenente ist am Starnberger See hauptsächlich in den Monaten September bis November zu sehen, ab Dezember ziehen die meisten Kolbenente weiter nach Südwesteuropa, um dort zu überwintern.

Kolbenentenpaar (Foto: Ursula Wiegand)
Kolbenentenpaar (Foto: Ursula Wiegand)

Als Brutvogel ist die Kolbenente in Bayern schon einige Jahrzehnte länger zu finden. Dennoch ist der bayerische Brutbestand mit ca. 300 – 400 Paaren eher klein und auf wenige, z.T. durch Eingriffe bedrohte Brutplätze verteilt. Schwerpunkt der Brutverbreitung in Bayern ist Südbayern und hier kommt die Art vor allem entlang der großen Flüsse und an den großen Voralpenseen einschließlich Bodensee vor. Bevorzugt werden Flachseen und Teiche mit reichlichem Wasserpflanzenvorkommen und dichter Ufervegetation in mildem Klima. Die Schwerpunkte des europäischen Brutgebietes liegen jedoch im westlichen Mittelmeergebiet v.a. auf der Iberischen Halbinsel. Mitteleuropa wurde erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts besiedelt. Die Ausbreitungswelle begann etwa um das Jahr 1894, ausgehend von der Camargue. Bereits im Jahre 1910 brüteten Kolbenenten an den Fischteichen von La Dombes, nördlich von Lyon, und seit 1920 zählt die Kolbenente zum Brutvogelbestand Deutschlands. Kleine, weit verstreute Brutgebiete gibt es auch im Norden der Niederlande, im Süden Dänemarks, in Schleswig-Holstein, im Osten Polens sowie in den südmährischen Teichgebieten Tschechiens, der Slowakei und in Kroatien. Betrachtet man das große, geschlossene Brutareal der Kolbenente, so erstreckt es sich von den Steppen- und Halbwüstengebieten am Schwarzen Meer bis in die Mongolei.

Kolbenentenerpel (Foto:Werner Borok)
Kolbenentenerpel (Foto:Werner Borok)

Die Kolbenente gilt nördlich des 46. Breitengrades als Zugvogel, ansonsten als Teil- oder Kurzstreckenzieher. In diesem Zusammenhang zeigt sich die Kolbenente in Bayern v.a. als Mausergast: Zum Höhepunkt der Schwingenmauser im Juli/August versammeln sich dort ca. 12000 bis 15000 Individuen; dabei ist der Ismaninger Speichersee von international herausragender Bedeutung. Der Rastbestand hat seit den 1960er Jahren stark zugenommen, was als Folge einer großräumigen Verlagerung der Winterquartiere von Südwesteuropa auf die Voralpenseen zu sehen ist. Kleinere Mausergebiete finden sich zudem im Südwesten der Ostsee und in den Niederlanden. Nach der Schwingenmauser  verlassen die meisten Kolbenenten Bayern recht zügig, bis im Süden Deutschland ab Mitte Februar wieder der Zuzug von Brutvögeln beginnt.

 

(Text: Klaus-Peter Hütt)

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