Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Die Kornweihen-Schlafplatzzählung im Fünf-Seen-Land

männliche Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
männliche Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)

 

 

Die Kornweihe (Circus cyaneus) ist ein weitverbreiteter Brutvogel auf dem eurasischen Kontinent. Schwerpunkte des Brutvorkommens liegen  in Russland und in Nordeuropa (Finnland).  In Bayern und in weiten Teilen Deutschlands ist die Kornweihe als Brutvogel ausgestorben. Sie ist hier fast ausschließlich Zug- und Überwinterungsgast. Auch in Süd-Bayern machen etliche Individuen Halt, um Energiereserven für den Weiterzug aufzubauen oder gar den ganzen Winter hier zu verbringen. Im Fünf-Seen-Land können Kornweihen in der Regel von Oktober bis April beobachtet werden.

 

 

 

weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)

Um die Winterbestände langfristig zu erfassen – und so auch geeignete Lebensräume zu schützen – bietet sich bei dieser Art eine sogenannte „Schlafplatzzählung“ an. Während die Vögel nämlich tagsüber individuell und weiträumig auf den umliegenden Feldern, Wiesen und Ruderalflächen jagen, kommen sie abends an traditionellen Schlafplätzen zusammen. Einzelne bis mehrere Dutzend Vögel sammeln sich dann, um in Schilfbeständen oder auf Streuwiesen zu übernachten. Oft drehen sie noch einige Runden in gaukelndem Flug, bevor sie sich niederlassen und die Nacht auf dem Boden, versteckt in der Vegetation, verbringen.

 

Diese Einflugphasen nutzen die Kornweihenzähler für ihre Erhebungen, die im Fünf-Seen-Land an fünf identifizierten Schlafplätzen stattfinden. Hierzu zählen Ammersee Süd, Ampermoos, Herrschinger Moos, Leutstettener Moos und Maisinger See. Neben der Beteiligung der Gebietsbetreuung Ammersee und Starnberger See macht es vor allem die Mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher Zähler möglich, die monatliche Erfassung in allen Gebieten synchron durchzuführen. Nur so lässt sich der Gesamtbestand abschätzen.

 

weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)

 

 

 

 

Wie viele Kornweihen sich dann tatsächlich in einem bestimmten Monat oder über den Winter hinweg bei uns aufhalten, hängt von den Witterungsbedingungen ab. Wenn es zum Beispiel über längere Zeit schneit,  verlassen die Kornweihen ihr Rastgebiet. Diese spontane „Winterflucht“ in klimatisch mildere Gebiete sichert ihnen das Überleben. Denn bei einer geschlossenen und hohen Schneedecke kommen sie nicht mehr an ihre bevorzugte Nahrung, die Feldmaus, heran.

 

 

Abb. 1: Ergebnis der Schlafplatzzählung im Fünf-Seen-Land im Winter 2018/2019
Abb. 1: Ergebnis der Schlafplatzzählung im Fünf-Seen-Land im Winter 2018/2019

Auch im Winter 2018/2019 ließ sich dieser Effekt gut beobachten : In der ersten Januarhälfte schneite es ergiebig, so dass Moore, Schilfgebiete und Wiesen über längere Zeit unter einer dicken Schneedecke verborgen lagen. Erst als langsam Tauwetter einsetzte, konnte die Schlafplatzzählung durchgeführt werden. Doch selbst dann wurden nur zwei Kornweihen im ganzen Fünf-Seen-Land beobachtet. Vermutlich sind die meisten Kornweihen in dieser Zeit in mildere klimatische Regionen Europas ausgewichen. Als die Niederschläge nachließen, kehrten sie jedoch prompt zurück. Im darauffolgenden Februar konnte sogar das Saisonmaximum erfasst werden (Abb. 1). Der Anteil an adulten männlichen Kornweihen lag bei maximal 50% (Dezember 2018). Dem gegenüber stehen die „weibchenfarbigen“ Kornweihen, die sowohl adulte Weibchen als auch Jungvögel umfassen.

 

 

 

Abb. 2: Wintersummen der Kornweihenzählung im Fünf-Seen-Land 2014-2019
Abb. 2: Wintersummen der Kornweihenzählung im Fünf-Seen-Land 2014-2019

 

 

 

Mit einer Wintersumme von insgesamt 107 Kornweihen blicken wir auf eine durchschnittliche Saison zurück (Abb. 2). Das Ampermoos wurde als wichtigster Schlafplatz der Region bestätigt. Wer die Kornweihen einmal beobachten möchte, kann für die nächsten Winterabende einen Besuch auf dem Naturbeobachtungsturm bei Kottgeisering einplanen. Von hier aus kann man den Einflug der Weihen mit Fernglas oder Spektiv gut mitverfolgen – und das ohne das Moos oder seine Bewohner zu stören.

 

 

 

(Text : Dr. Andrea Gehrold (Gebietsbetreuung Starnberger See) )