Gemeinsam Bayerns Natur schützen

14. April 2026

 

Circa 35 Ornithologen hatten sich zum 2. Orni-Stammtisch der Arbeitsgemeinschaft Starnberger Ornithologen (ASO) des Jahres 2026 in der Pizzeria „La Fattoria“ in Drößling eingefunden. Referent des Abends war Robert Kugler, der im Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben e.V. die Arbeitsgemeinschaft Ornithologie leitet.

 

Der Naturwissenschaftliche Verein für Schwaben e.V. wurde 1846 gegründet und hat heute ca. 330 Mitglieder. Der Verein ist in verschiedene AGs gegliedert, neben der AG Ornithologie gibt es die AGs Entomologie, Botanik, Geologie und Naturfotografie. Motto des Vereins ist es „Das Wissen zur Natur zu mehren und weiterzugeben – unentgeltlich“.

 

Die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft Ornithologie ähneln natürlich den Aktivitäten bei der ASO. Auch hier gibt es regelmäßige Treffen, Exkursionen für Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft und Führungen bzw. Vogelbeobachtungen für die Öffentlichkeit. Die Beobachtungen werden in ornitho.de dokumentiert, die Regionalkoordination liegt bei der AG Ornithologie. Ähnlich wie bei der ASO gibt es auch in Augsburg diverse Kartierungs- und Monitoringprojekte. In den letzten Jahren kam das Wiesenbrüter Brutplatzmanagement in Zusammenarbeit mit der Regierung von Schwaben und dem LBV Augsburg dazu.

 

In einem mit vielen Anekdoten angereicherten Vortrag berichte Robert Kugler über einige der wesentlichen Projekte der AG Ornithologie

Wasservogelzählung

 

Die Wasservogelzählung findet vor allem an den vielen Lechstaustufen vom Forggensee bis zur Lechstaustufe 27 statt. Daneben werden weitere Seen in der Gegend von Augsburg bearbeitet.  Es wird das ganze Jahr über gezählt. Es werden im Maximum ca. 15.000 Vögel an einem Zähltermin festgestellt, damit etwas weniger als am Starnberger See. Das Artenspektrum ist bei den häufigen Arten (Blässhuhn, Reiherente, Tafelente) ähnlich wie in Starnberg, bei den selteneren Arten fällt auf, dass es an den Lechstaustufen kaum Seetaucher gibt, dafür aber sehr viele Schwäne (Höckerschwan und Singschwan). Die Wasservogelzählung wird im Augsburger Raum seit gut 25 Jahren durchgeführt. Anfangs war es wohl schwierig, geeignete Bearbeiter zu finden, heute ist das Projekt  ein Selbstläufer durch die hohe Flexibilität bei den Zählterminen. Eine ähnliche Entwicklung war am Starnberger See zu beobachten, nur dass hier die WVZ schon 30 Jahre früher begonnen wurde. Es wäre sicher interessant, die Ergebnisse der WVZ im Raum Augsburg mit den Ergebnissen an Ammersee und Chiemsee zu vergleichen. Hier gäbe es spannende Themen für wissenschaftliche Arbeiten, da ja langfristige Datenreihen vorliegen, die nach einheitlichen Kriterien erfasst wurden. 

Zugvogelerfassung am Müllberg bei Gersthofen
Zugvogelerfassung am Müllberg bei Gersthofen

Zugvogelerfassung:

Die Zugvogelerfassung wird von der AG Ornithologie auf dem Müllberg bei Gersthofen durchgeführt. Ein toller Platz mit einer grandiosen 360° Fernsicht. Im Jahr 2023 war die ASO ja bei einer Exkursion an diesem Beobachtungspunkt.   

 

Zugvogelerfassung wird von Anfang/Mitte September bis Ende Oktober gemacht. Die Häufigkeit der Erfassung schwankt dabei von Jahr zu Jahr, in den besten Jahren wurden über 20 Termine wahrgenommen! Dabei wurden über 275.000 Vögel gezählt. Die Zugvogelerfassung wird in Gersthofen methodisch genauso gemacht wie am Randecker Maar. Akribisch werden im Viertelstundentakt alle Arten mit ihrer Zugrichtung erfasst. Ein deutlich aufwändigerer und auch besserer Ansatz, als ihn die ASO am Höhenberg verfolgt. Vielleicht entwickelt sich unsere Zugplanbeobachtung aber auch einmal in diese Richtung. Dominierende Arten bei der Zugvogelerfassung sind Ringeltaube und Buchfink, Star und Rauchschwalbe – das ist am Höhenberg genauso. 

 

Greifvogelerfassung

 

In den Jahren seit 2013 wurde von der AG Ornithologie eine Greifvogelerfassung durchgeführt. Dabei wurden im November und Januar auf ca. 10 ausgewählten Flächen die Anzahl der Greifvögel (vor allem Mäusebussarde) ermittelt. Dabei wurden bis zu 150 Greifvögel an einem Zähltermin erfasst. Die Anzahl der beobachteten Greifvögel hat in den letzten Jahren abgenommen. Über die Ursache (Klima, Wetter, Nahrung, etc.) kann nur spekuliert werden. 

Gebietskomplexe und Projektträger
Gebietskomplexe und Projektträger

Wiesenbrüter Brutplatzmanagement der Regierung von Schwaben

Die AG Ornithologie hat innerhalb des Wiesenbrüter Managements der Regierung von Schwaben in einem Teilgebiet (Hochfeld) die Trägerschaft für das Projekt in Zusammenarbeit mit dem LBV Augsburg. Mit 5 Mitarbeitenden werden dabei folgende Aufgaben wahrgenommen:

  •  Ermitteln der Brutplätze
  • Kontaktaufnahme zu Landwirten und ad hoc Maßnahmen vereinbaren
  • Schlupf- und Bruterfolg ermitteln
  • Kameraüberwachung
  • Duftvergrämung
  • Öffentlichkeitsarbeit und Besucherlenkung

Die ad hoc Maßnahmen reichen von verspäteter Bewirtschaftung der Gesamtfläche über Bewirtschaftungsruhe bis zur Aussparung eines Bewirtschaftungsfensters rund um den Nestbereich. Für diese Maßnahmen gibt es eine Kostenerstattung, im Jahr 2024 wurden gut 4.000 € an 17 Landwirte erstattet. 

 

Elektrozäunung zur Abwehr von Prädatoren ist eine wesentliche Maßnahme, um den Bruterfolg abzusichern. Seit 2025 experimentiert man mit Duftvergrämung rund um das Nest, eine fundierte Einschätzung zur Wirksamkeit dieser Maßnahme kann noch nicht abgegeben werden. Öffentlichkeitsarbeit und Besucherlenkung (Spaziergänger und Gassigeher) sind wesentliche Teile des Brutplatzmanagements.

 

 

Teilweise werden die Kiebitzgelege auch mit Kameras überwacht, mehr als die Hälfte der von Kameras überwachten Gelege wurden prädiert. Dabei wurden alle nicht bebrüteten Gelege von Rabenvögeln prädiert, die bebrüteten Gelege wurden vom Fuchs prädiert. Altvögel werden regelmäßig von Wanderfalken und vom Habicht prädiert, bei den Jungvögeln sind die beobachteten Prädatoren Kolkrabe, Schwarzmilan, Rohrweihe und Habicht. 

Kiebitz auf markiertem Gelege
Kiebitz auf markiertem Gelege

Die Ergebnisse des Brutplatzmanagements sind in den Jahren 2023 bis 2025 sehr unterschiedlich. In diesen Jahren brüteten zwischen 22 und 44 Brutpaare im Gebiet Hochfeld. Der Bruterfolg lag maximal bei 1,3 flüggen Jungvögeln/BP. Die für  den Erhalt der Art notwendige Rate von 0.,8 flüggen Jungvögeln/BP wurde nur in einem Jahr erreicht.

 

Robert Kugler resümierte die Erfahrungen beim Wiesenbrüter Brutplatzmanagement folgendermaßen:

  • Hoher zeitlicher Einsatz erforderlich
  • Die Witterungsbedingungen zu Beginn der Brutzeit sind ein entscheidender Faktor
  • Besucherlenkung notwendig – ständige Präsent der Wiesenbrüterberater erforderlich
  • Unkomplizierte Abrechnung mit den Landwirten
  • Teilweise negative Haltung der Landwirte ggü. dem Naturschutz
  • Wenig Möglichkeiten zur Landschaftsgestaltung.

 ABER: Prädation kann alles zunichtemachen. 

Es gab großen Applaus für den Referenten, der einen sehr spannenden Vortrag gehalten hatte und viele Anregungen für die Arbeit der ASO gegeben hatte. Der Austausch mit einer anderen ornithologischen Arbeitsgemeinschaft war für die Aktiven der ASO sehr interessant. Vielleicht werden wir das mit anderen ornithologischen AGs fortführen.

 

Als kleines Gastgeschenk erhielt Robert Kugler ein Exemplar des aktuellen ornithologischen Jahresberichts der ASO. Im kleineren Kreis wurde noch lange zusammen mit dem Referenten über die Themen des Vortrags diskutiert. Ein untrügliches Zeichen, dass der Vortrag bei den Zuhörern gut angekommen war. Ein herzliches Dankeschön an Robert Kugler, der uns einen sehr interessanten Einblick in die Arbeiten der AG Ornithologie gewährt hat.

 

 

(Text: Pit Brützel; Fotos aus dem Vortrag von Robert Kugler)