Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Exkursion zum Zeller Wald und zu den Loisach-Kochelsee Mooren

Sonntag, 08. März 2026

 

Nachdem zu Jahresbeginn noch die Seen im Fokus gestanden hatten, zog der sich anbahnende Frühling die Ornis der ASO bei der diesjährigen März-Exkursion zunächst in ein Waldgebiet - den Zeller Wald südlich von München. Der Treffpunkt um 7 Uhr in der Nähe von Thalham bedeutete ein frühes Aufstehen, da teilweise eine Anfahrt von mehr als einer Stunde zu bewältigen war. Nichtsdestotrotz fanden sich zwölf Beobachter aus dem ASO-Stammpersonal ein - mit einem tollen Altersspektrum von 11 bis Ü70. Begleitet wurden wir vom ortsansässigen Adebar-Regionalkoordinator Simon Hummel mit seiner Frau Lisa. Als Zielart hatte er den Dreizehenspecht für uns auserkoren, durch dessen bekannte Reviere unsere Route führen würde und der sich in dem überwiegend aus einer Fichtenmonokultur bestehenden Waldabschnitt bei ca. 700 m ü. NN angesiedelt hat.

ASO-Exkursionsgruppe um 7 Uhr morgens (Foto: Jana Selzer)
ASO-Exkursionsgruppe um 7 Uhr morgens (Foto: Jana Selzer)

Von Simon lernten wir nicht nur, dass der Forst seinen Namen von Dietramszell hat, auch hinsichtlich des Adebar-Projekts gab es einiges auszutauschen. (Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es viel weniger Kartierende als in Starnberg, obwohl mehr TK-Viertel abzudecken sind.)

Da jedoch wie üblich im Wald mehr Vögel akustisch als visuell zu entdecken gewesen sind, mussten wir unsere Gespräche regelmäßig unterbrechen, um zu lauschen. So konnten wir unser Hörvermögen bei der Bestimmung der Gesänge der Waldbewohner testen. Es zeigten sich alle heimischen Meisenarten, wobei mit Abstand die Tannenmeise am häufigsten war, was uns Starnbergern besonders auffällig vorkam. Aber auch Waldbaumläufer, Wintergoldhähnchen, Zaunkönig, zaghafte Zilzalpe und Heckenbraunellen sowie einige Finken- und Drosselarten machten sich bemerkbar. Für das erste Highlight sorgte ein Grauspecht, der sich im schönen Sonnenlicht präsentierte und später minutenlang durch seine melancholische Melodie musikalisch begleitete.

auf Spechtsuche im Zeller Wald (Foto: Pit Brützel)
auf Spechtsuche im Zeller Wald (Foto: Pit Brützel)

 

 

 

Aus dem Warmen stiegen wir nun hinab in den „Teufelsgraben“, der uns im tiefsten Schatten mit plötzlichen Minusgraden und liegengebliebenem Schnee willkommen hieß. Hier froren wir für mehr als eine halbe Stunde erfolglos beim Warten auf den Zielvogel, der sich hartnäckig unseren Blicken und Ohren verweigerte. Auf dem Rückweg zu den Autos kam zwar kurz ein weit entferntes verdächtiges Trommelgeräusch auf, es war jedoch nur Zweien aufgefallen und wiederholte sich nicht mehr. Somit blieb der Dreizehenspecht vermisst und der Zeller Wald wohl weiter auf der Exkursionsliste.

Beobachtungsturm an der Loisach (Foto: Pit Brützel)
Beobachtungsturm an der Loisach (Foto: Pit Brützel)

 Im Anschluss fuhren wir zu den Loisach-Kochelsee-Mooren, ein aus Hoch- und Niedermooren bestehendes Naturschutzgebiet nordöstlich des Kochelsees. Zunächst widmeten wir uns den Wasservögeln auf dem östlichen Teil des Kochelsees und konnten dabei einigen Spaziergängern eine große Freude mit einem Blick durchs Spektiv machen. Hier waren u.a. auch Schwarzhalstaucher und Schellenten anwesend. Ungewöhnlich war die Sichtung von mehr als zwei Dutzend nahrungssuchenden Rohrammern auf einem Fußballplatz. Beim Gang ins Moor fanden wir neben der für einige ersten Rohrweihe des Jahres auch mehrere Schwarzkehlchen, die bereits ihr Quartier bezogen hatten. An der Loisach selbst waren auch Wasseramsel, Gebirgsstelze und Eisvogel zu sehen.

 

Auf dem Weg zum letzten Tagesziel, dem Eichsee, stoppten wir noch an einem Parkplatz an der Hauptstraße, von wo aus mit Spektiven trotz massivem Hitzeflimmern 8 Brachvögel gezählt werden konnten.

 

Beim Rundgang um den Eichsee und die anliegenden Felder wurden wir zunächst Zeuge eines Mäusebussardbalzfluges. Dann war es unser jüngster Exkursionsteilnehmer Samuel, der uns auf die in Entfernung nahrungssuchenden Kraniche aufmerksam machte - eine weitere Zielart, von der aus den letzten Jahren eine Brut im Moor bekannt ist.

 

 Glücklicherweise lag die Stelle entlang unseres Weges und so konnten wir deutlich näher herankommen. Allerdings waren die Kraniche nicht nur mit Futtersuche, sondern ebenfalls mit Balzverhalten beschäftigt. So witzelten wir, dass sie sich gerade deshalb immer wieder unseren Blicken entzogen, indem sie sich hinter einem Schuppen verbargen. Während wir gebannt auf das Hüttenende blickten, bis die Kraniche wieder ins Sichtfenster kommen würden, fiel Max plötzlich ein Kornweihenweibchen auf, das sich samt Beute in der Wiese niederließ. Angesichts des spärlichen Kornweihenvorkommens diesen Winter in unserem Landkreis ein echtes Highlight. 

Blick auf den Kochelsee (Foto: Max Herrmann)
Blick auf den Kochelsee (Foto: Max Herrmann)

Als die Gruppe sich auf dem Weg etwas in die Länge gezogen hatte und der hintere Teil schon die Spektive in die Höhe an die Berggipfel reckte, musste per Bote die vermeintliche Entdeckung mitgeteilt werden: Verdacht auf Steinadler. Schnell machte auch der vordere Teil der Gruppe den Fund aus und selbst Simon war überzeugt: Das kann nur ein Steinadler sein! Doch als sich der riesig anmutende Greifvogel plötzlich immer tiefer fallen ließ, dann von einem zweiten Greif begleitet wurde, und schließlich mit zielsicherem Landeanflug in einem Horst keine 200 Meter von uns entfernt Platz nahm, war die Erkenntnis gereift, dass es doch „nur“ ein Mäusebussard war. Keiner konnte so recht glauben, wie wir das hatten verwechseln können. Auf der anderen Seite findet man auch nicht alle Tage einen Bussardhorst und so blieb keine Enttäuschung bestehen. Beim Beschließen des Rundwegs durften wir uns schließlich noch über einen Raubwürger und über ein munteres Sommergoldhähnchen freuen und kamen satt und zufrieden mit einer Tagesliste von 72 Arten bei den Autos an.

(Text: Leo Bockmaier)

 

 

Artenliste ASO-Exkursion Zeller Wald / Loisach-Kochelsee-Moore (dokumentiert von Max Herrmann) 

  1. Graugans
  2. Kanadagans
  3. Höckerschwan
  4. Rostgans
  5. Stockente
  6. Tafelente
  7. Reiherente
  8. Schellente
  9. Gänsesäger
  10. Straßentaube
  11. Hohltaube
  12. Ringeltaube
  13. Türkentaube
  14. Blässhuhn
  15. Kranich
  16. Brachvogel
  17. Lachmöwe
  18. Mittelmeermöwe
  19. Zwergtaucher
  20. Haubentaucher
  21. Schwarzhalstaucher
  22. Kormoran
  23. Silberreiher
  24. Graureiher
  25. Rohrweihe
  26. Kornweihe
  27. Rotmilan
  28. Mäusebussard
  29. Eisvogel
  30. Buntspecht
  31. Grauspecht
  32. Grünspecht
  33. Schwarzspecht
  34. Turmfalke
  35. Raubwürger
  36. Eichelhäher
  37. Elster
  38. Rabenkrähe
  39. Tannenmeise
  40. Haubenmeise
  41. Sumpfmeise
  42. Weidenmeise
  43. Blaumeise
  44. Kohlmeise
  45. Zilpzalp
  46. Schwanzmeise
  47. Sommergoldhähnchen
  48. Kleiber
  49. Waldbaumläufer
  50. Gartenbaumläufer
  51. Zaunkönig
  52. Wasseramsel
  53. Star
  54. Misteldrossel
  55. Singdrossel
  56. Amsel
  57. Wacholderdrossel
  58. Rotkehlchen
  59. Hausrotschwanz
  60. Schwarzkehlchen
  61. Heckenbraunelle
  62. Haussperling
  63. Feldsperling
  64. Gebirgsstelze
  65. Bachstelze
  66. Buchfink
  67. Kernbeißer
  68. Gimpel
  69. Grünfink
  70. Stieglitz
  71. Goldammer
  72. Rohrammer