Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Neue LBV-Pfeifengraswiesen mit Feuchtwald bei Andechs-Machtlfing

03.03.2026

 

Wir freuen uns über den Kauf zweier Flächen in der Gemeinde Andechs. Beide sind in der amtlichen Biotopkartierung erfasst, befinden sich im FFH-Gebiet „Moränenlandschaft zwischen Ammersee und Starnberger See“ und sind somit Teil des europaweiten Netzes Natura 2000.

 

Die Wiesenflächen entsprechen überwiegend dem FFH-Lebensraumtyp 6410 „Pfeifengraswiesen“ auf torfigen Böden. Sie werden einmal jährlich im Spätsommer/Herbst durch einen ortsansässigen Landwirt gemäht.

 

Auf dem ca. 1,3 Hektar großen Flurstück an der Machtlfinger Seachtn kommt zusätzlich der FFH-Lebensraumtyp 7230 „Kalkreiche Niedermoore“ mit dem Subtyp „Rostrotes Kopfried und/oder Kalkliebende Kleinseggen“ vor. Daneben ist ein großer Teil der Fläche mit Feuchtwald und -gebüsch, Röhrichtbeständen sowie feuchten Staudenfluren ausgestattet. Insgesamt wird dieser arten- und strukturreiche Feuchtkomplex gemäß Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) als landesweit bedeutsam eingestuft.

 

Blaukern-Auge (Minois dryas) – Foto Klaus Gottschladt
Blaukern-Auge (Minois dryas) – Foto Klaus Gottschladt

 

Dort kommen die seltenen Tagfalter Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius) und Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) vor. Auch das Blaukern-Auge (Minois dryas) (RL 2) konnte nachgewiesen werden (siehe Foto). 

 

Das Gebiet bewohnt eine artenreiche Vogelwelt. In der Nähe wurden bereits Kiebitze gesichtet und wir hoffen, dass diese durch entsprechende Maßnahmen wieder angesiedelt werden können.

 

Durch den Erwerb können wir die Flächen jetzt langfristig vor intensiverer Nutzung schützen und so die wertvolle Flora und Fauna erhalten. Mit entsprechenden Maßnahmen und Pflege werden wir Teile der Flächen verbessern und aufwerten.

Maßnahmen:

  • Festlegung der jährlichen Brachen durch den LBV (u. a. zur Förderung der Tagfalterfauna).
  • intensive Neophytenbekämpfung
  • Auflichtung des Waldrandes, um die Durchgängigkeit für Schmetterlinge zu verbessern.
  • Waldumbau (Entfernung gebietsfremder Arten wie Hybrid-Pappeln, Förderung moorwaldtypischer Arten wie Birke, Kiefer und Fichte) mit Erhöhung des Totholzanteils (stehend und liegend) sowie der Anzahl an Biotopbäumen.
  • Freistellung von Waldlichtungen zur Förderung der Tagfalterfauna und Amphibien (Einzelbaumentnahme).

 

Bei unserem ersten Einsatz im Februar 2026 haben wir mit der Auflichtung und dem Waldumbau des Feuchtwaldes begonnen. Dabei wurden zahlreiche große Fichten entnommen. Da Fichten das ganze Jahr über viel Wasser verdunsten, tragen sie zur Austrocknung des Moorbodens bei. Außerdem beschatten sie die für die Amphibien überlebenswichtigen zahlreichen Tümpel. Damit sich der Laich im Frühjahr schnell entwickeln kann, müssen diese freigestellt und besonnt sein.

 

Der Waldrand soll außerdem aufgelichtet werden, um die Durchgängigkeit für Schmetterlinge zu verbessern. Laut ABSP kommt hier das kleine Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero) vor. Dieser stark gefährdete Schmetterling (RL Deutschland 2) benötigt besonnte Grasfluren in Verbindung mit lichtungsreichen, feuchten oder wechselfeuchten Wäldern sowie wärmebegünstigten Moorgebieten mit Gehölzen. Wir konnten ihn bisher noch nicht nachweisen. Vielleicht helfen diese Maßnahmen aber, ihn hier wieder anzusiedeln.

 

(Text: Claudius Birke)