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Der World Wetlands Day 2026 ehrt das Kulturerbe der Streuwiesen

02.02.2026

Feuchtgebiete sind wertvolle Ökosysteme. Der World Wetlands Day am 2. Februar macht weltweit auf sie aufmerksam., Ammersee und Starnberger See gehören seit 1976 zur weltweiten Liste besonders wertvoller Feuchtgebiete nach der sogenannten Ramsar-Konvention. Der Weltfeuchtgebietstag steht heuer unter dem Motto: „Traditionelles Wissen und Erhalt des Kulturerbes“. Er macht so nicht nur auf unsere schönen Voralpenseen aufmerksam, sondern auch auf die anliegenden Streuwiesen, einem Zeugnis der traditionellen Kulturlandschaft. Dass das Datum des Jahrestages immer auf Maria Lichtmess fällt, ist zwar Zufall, passt heuer aber gut, weil es früher ein wichtiger Tag im landwirtschaftlichen Jahreslauf war.

Foto: Streuwiesen-Pflege
Streuwiesen-Pflege bei schneefreiem Frost im Ampermoos - Foto: Landschaftspflegebetrieb Ludwig (Meiling)

Was macht Streuwiesen so besonders? Sie wurden immer schon schonend genutzt und sind außergewöhnlich artenreich. Die feuchten Wiesen werden nicht gedüngt und nur einmal im Jahr gemäht. Die getrocknete Streu („Strah“, „Moos-Streh“) dient im Stall als Einstreu und landet irgendwann als Festmist auf Grünland und Äckern. Festmist fördert das Bodenleben, Würmer vermehren sich und Wiesenbrüter wie der Große Brachvogel finden eine gute Nahrungsquelle. Gülle kann das nicht. Streuwiesen sind eine traditionelle Form der Moorboden- und Nassflächenbewirtschaftung, die vielerorts aufgegeben und über staatliche Förderprogramme wiederbelebt wurde. Heute spricht man von Paludikultur, wenn es allgemein darum geht, alternative Nutzungen für Moorböden zu finden, damit diese Böden weniger Kohlendioxid ausgasen und im Idealfall sogar speichern können. 

Foto: Streumahd und Ballen im gefrorenen Ampermoos
Streumahd und Ballen im gefrorenen Ampermoos - Foto: Stephanie Millonig

Viele Streuwiesen im Ampermoos oder im Leutstettener Moos konnten im Herbst gemäht werden. Besonders nasse Flächen mussten stehen bleiben. Man hofft dann auf Frostperioden, um sie befahren zu können. In milden Wintern ist dies schwierig. Umso mehr freuen sich Ammersee-Gebietsbetreuer Christian Niederbichler, seine Kollegin Dr. Andrea Gehrold vom Starnberger See und Johann Ludwig, ein auf Landschaftspflege spezialisierter Landwirt aus Meiling, dass die Frostphase heuer im Amper- und im Leutstettener Moos genutzt werden konnte. „Christian“ machte es möglich, gemeint ist aber nicht der Ammersee-Gebietsbetreuer, sondern das Osteuropa-Kältehoch. Es brachte ausreichend Dauerfrost, der gut in den Boden eindringen konnte, solange ihn keine Schneedecke isolierte. „Auf schneefreien Dauerfrost, eine „trockene G’frier“, mussten wir lange vergeblich warten“, sagt Niederbichler. „Da fährst du wie auf der Autobahn“, schwärmt Johann Ludwig, „so ebenmäßig ist der gefrorene Boden. Es ist bodenschonend und zeitsparend. Und weil der Bewuchs im Winter strohtrocken ist, kannst du gleich nach dem Mähen, Schwaden und Streu-Ballen pressen“. Das frostige Zeitfenster für die winterliche Landschaftspflege ist meist kurz, wenige Tage oder eine Woche. Und dann müssen alle Beteiligten schnell und flexibel reagieren, also die beiden LBV-Gebietsbetreuungen, Landwirte, Untere Naturschutzbehörden und Landschaftspflegeverbände. Nur im Team ist es gelungen, rund 25-30 Hektar im Leutstettener und Ampermoos zu pflegen, 400 Streuballen zeugen davon. 

„Bei unseren Führungen werden wir immer wieder gefragt, wie es denn früher war bevor der Mensch gemäht hat“, berichtet Gebietsbetreuer Niederbichler. Vor vielen Jahrhunderten weideten Auerochse, Elch und Wisent auf den noch wilden Flächen, später die Rinder der Hirten und Bauern, bevor die Streuwiesen nur noch gemäht wurden. Aus dieser Nutzung mit langer Tradition entwickelten sich bestimmte Pflanzengemeinschaften, wie die berühmten Iris-Pfeifengraswiesen oder die Enzian-Mehlprimel-Kopfbinsenriede. Zum Erhalt der Vielfalt müssen sie regelmäßig genutzt werden. So kommt Licht auf den Boden für selten Arten wie Orchideen. Kleine Moortümpel bleiben frei für fleischfressende Wasserpflanzen und werden nicht von altem Gras erstickt und in Vegetations-Lücken können Bekassinen im Boden nach Nahrung stochern.

Text: Christian Niederbichler und Dr. Andrea Gerold