Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Das Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri)

(Foto: Peter Witzan)
(Foto: Peter Witzan)

Das Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) ist ein Endemit zweier den Alpen vorgelagerter Seen. Dort wächst es ausschließlich an im Sommer überfluteten Strandabschnitten. Myosotis rehsteineri zählt zur Artengruppe des Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides aggregatum). Es kommt neben dem Vorkommen am Bodenseeufer in Bayern nur noch am Ostufer des Starnberger Sees vor. Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass die isolierten Bestände am Starnberger See und die des Bodensees zu einer gemeinsamen Population gehören. Damit ist der Bestand am Starnberger See wohl kein eigenes Glazialrelikt, sondern in historischen Zeiträumen durch Wasservögel oder durch den Menschen verschleppt worden.

 

 

 

(Fto: Peter Witzan)
(Fto: Peter Witzan)

Am Starnberger See erstreckt sich ein schmaler Kiesstrand aus überwiegend 5-10 cm großen Kieseln mit hohem Anteil an Feinmaterial. Der Strand weist etliche Mulden auf; hier tritt stellenweise Sickerwasser aus und rieselt über den Kies in den See, teils sind die Mulden auch wassergefüllt. In den sickernassen Kiesbereichen, aber auch am Ufer und teilweise submers auf dem ansonsten vegetationsfreien Kies treten einzelne Herden vom Bodensee-Vergissmeinnicht auf.

Die Pflanze bildet kleine Gruppen von nur 2-10 cm hohen, dichten Polstern, die durch zahlreiche Blüten oft sehr auffällig sind. Der wenigblättrige Stängel besitzt wie die Blätter wenige vorwärts gerichtete, anliegende Haare oder ist ganz kahl. Der unbeblätterte Blütenstand ist ein dichter, armblütiger Doppelwickel mit 5-20 Blüten. Der zur Fruchtzeit 3-5 mm lange Blütenkelch ist etwa so lang wie der Kelchstiel. Die Blüten sind 6-12 mm breit, anfangs rosa, später meist leuchtend himmelblau. Die Blütezeit ist grundsätzlich von April bis Mai.

 

(Foto:Peter Witzan)
(Foto:Peter Witzan)

 

 

Für die Erhaltung der Art besitzt Deutschland die weltweite Hauptverantwortung, da in Baden-Württemberg die größten Bestände sind und andererseits mit dem Vorkommen am Starnberger See der einzige von den Vorkommen am Bodensee isolierte Wuchsort besteht. Die vom Bodensee-Vergissmeinnicht besiedelte Strandrasengesellschaft ist im Anhang I der FFH-Richtlinie (LRT 3130) aufgeführt. In der bayerischen, wie in der deutschen Roten Liste wird Myosotis rehsteineri als „vom Aussterben bedroht“ aufgelistet.

 

(Foto: Andrea Gehrold)
(Foto: Andrea Gehrold)

Die Gründe für die extreme Gefährdung der Art und der Strandrasengesellschaft liegen in der starken Veränderung und Verringerung des Lebensraumes. Daher sind insbesondere folgende Artenhilfsmaßnahmen erforderlich:

  • Treibmaterial jeglicher Art und in die Bestände eindringende Weiden sowie andere aufkommende Arten mehrmals im Jahr beseitigen
  • zu starke Beschattung durch Rückschnitt von Gehölzen verhindern
  • Fichtenblütenstaub und Saharasand sowie Laubfall im Herbst entfernen, damit das Bodensee-Vergissmeinnicht nicht erstickt
  • Monitoring der Bestände und Beobachtung der Populationsentwicklung.

Im Rahmen des regelmäßigen Monitoring am Starnberger See werden die Bestände kartiert, die Veränderungen erfasst und die jeweils geeigneten Schutzmaßnahmen vorgeschlagen. Die zuletzt durchgeführte Kartierung stellte fest, dass sich der Bestand stabil darstellt, wenn die vom LBV seit über 25 Jahren sachgerechte Pflege fortgeführt wird. Dann können sich auch künftige Generationen an dieser Art erfreuen.

(Text: Stefan Schilling)