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Efeu – Insekten- und Vogelnahrung

Efeu im Gras
Efeu im Gras

Viele Gärtner erschrecken, wenn im Sommer auf ihrem schönen Rasen einige gelappte Blätter eines Efeuaustriebs plötzlich erscheinen.

Im Schatten, unter Bäumen oder Gebüsch leistet zwar Efeu als dichter immergrüner Bodendecker gute Dienste: die meisten Unkräuter werden von ihm unterdrückt. Er wuchert aber auch gerne und kriecht auch auf lange Strecken auf dem Boden, oft am Anfang unter dem Gras, nicht immer sichtbar.

Im dem Fall freue ich mich auch nicht und verfolge den Austrieb bis zur Wurzel, und weg damit, ich will ja keinen Efeu auf meinem Rasen haben!

Doch nicht erschrecken, denn wenn der Efeu ab und zu stört, er ist auch eine wunderbare Kletterpflanze, die zum Beispiel erlaubt, eine ganzjährige Sichtschutzhecke zu bilden, das Gartenhaus zu begrünen, oder den Anblick der Garage zu verschönern. Und, was mir am wichtigsten ist, er bietet dann für viele Tiere einen idealen ganzjährig geschützten Lebensraum.

 

Gelappte Efeublätter
Gelappte Efeublätter

Denn sobald Bäume, Zäune oder Mauern erreicht werden, ist der Efeu in der Lage durch Haftwurzeln daran emporzuklettern. Dabei kann er Höhen von 20 Metern und mehr erklimmen. Der Gemeine Efeu ist der einzige einheimische Wurzelkletterer.

Er ist kein Schmarotzer, denn die Haftwurzeln können keine Nährstoffe vom Baum aufnehmen. Ein starker Bewuchs kann eventuell bei Bäumen mit einer maximalen Wuchshöhe von deutlich weniger als 20 Metern  die Photosynthese stören.

Er kann an Zäunen hohe und breite Hecken bilden und bietet Tieren wie Bienen, Schmetterlingen, Amseln und Grünfinken Lebensraum. Der Efeu ist aber auch Brutstätte für viele Vögel wie Buchfink und Haussperling, in dichten Hecken auch für Amsel, Gartengrasmücke und Grünfink. Vielen Insekten und Kleinsäugern bietet er Schutz.

 

Blühende Efeuhecke
Blühende Efeuhecke

Kriecht er aber nur am Boden, blüht er nie. Nur nachdem er in die Höhe geklettert ist und außerdem älter wird, kann das geschehen. Ab dem fünften Jahr erscheinen die Alterstriebe. Diese wachsen buschig und klettern nicht mehr, zudem sind die Blätter nicht gelappt. Nur an diesen Trieben erscheinen auch die Blüten, aber erst nach 8 bis 10 Jahren.

 

Es sind kugelige Dolden mit vielen grünlich gelben Einzelblüten, sehr nektarreich, die für die Insekten im Spätherbst sehr wichtig sind. Sie sind sogar für einige Tiere die einzige Nahrung zu dieser Jahreszeit, denn die Kletterpflanze blüht erst, wenn sonst nur noch wenige Nektarquellen zur Verfügung stehen; meist ab September und durchgängig bis zum Frost. Die in einer Halbkugel angeordneten, unscheinbar gelbgrünen Blüten sind völlig offen, so dass Besucher aller Art einen offen gedeckten Tisch vorfinden. Praktisch alles, was sechs Beine hat, kommt im Herbst hier vorbei, von Ameisen über Fliegen, Schwebfliegen aller Art, Wespen, Hummeln, Bienen und Falter. Selbst Marienkäfer weichen nun mangels Blattläusen gerne auf energiereichen Blütennektar aus. Unter den Schmetterlingen fallen vor allem die Admirale auf; auch lassen sich zudem Distelfalter sehen.

Efeubeeren
Efeubeeren

Auch nach dem Verblühen ist der Efeu eine wichtige Nahrungsquelle. Aus den gelben Blüten entwickeln sich blauschwarze Beeren in Dolden. Die Früchte werden zwischen Januar und April reif, mitten im Winter, und sind deshalb sehr wichtig für die Vögel. Sie sind Nahrung für Amsel, Gartengrasmücke, Gartenrotschwanz, Kernbeisser, Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Singdrossel und Star.

 

Allerdings sind sämtliche Pflanzenteile des Gemeinen Efeus für den Menschen und auch viele Säugetiere giftig. Zeichen der Vergiftung können schon nach Einnahme von zwei bis drei Beeren auftreten. Deshalb sollte man bei Kindern besonders vorsichtig sein, da die Farbe der Beeren die Kinder anlocken kann. Der Saft der frischen Efeublätter kann auch Hautausschläge hervorrufen. Das Bundesministerium für Umwelt empfieht deswegen, keine giftige Pflanze wie Efeu in Anlagen wachsen zu lassen, die Kindern leicht zugänglich sind.

 

(Text und Fotos: Patrick Fantou)