Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Starnberger Singvogelkalender

Wenn der Winter sich zurückzieht und der Frühling vorsichtig an die Tür klopft, beginnt in der heimischen Vogelwelt eine spannende Zeit. Die ersten Zugvögel kehren aus ihren Winterquartieren in den Landkreis Starnberg zurück, die ersten Gesänge sind zu hören. Bei vielen Arten werden von Februar bis Mai Reviere abgegrenzt, Paare gebildet, geeignete Nistplätze gesucht.

 

Aber wann genau kommt der Fitis aus seinem Winterquartier in unseren Landkreis zurück, in welchen Wochen lässt sich die kurze Strophe der Rohrammer vernehmen und ab wann schwirren die Mauersegler mit ihrem “Srih, srih“ bei uns durch den Himmel? Der Singvogelkalender des LBV Starnberg liefert die Antworten.

 

Basierend auf Daten der Jahre 2016 bis 2019, die aus der Beobachtungsplattform ornitho.de gewonnen wurden, lassen sich für mehr als 60 Arten die Ankunftszeit oder auch der Beginn der Gesangsperiode bzw. Balzrituale im Landkreis Starnberg abrufen – unterteilt in elf Dekaden vom 1. Februar bis 20. Mai.

 

Und so funktioniert der Singvogelkalender: Einfach die gewünschte Dekade auswählen und anklicken. Der Zeitraum wird dann im Diagramm orange hinterlegt, so dass sich leicht ablesen lässt, welche Arten nun erstmals im Landkreis zu beobachten und zu hören sind. Unter dem Auswahlfeld wird ein kurzer Text über die zu erwartenden Arten eingeblendet. Ihre Rufe kann man mit den eingeblendeten Playern aus dem Vogelstimmenarchiv xeno-canto.org anhören – einfach auf das Play-Symbol klicken.

Wer zum Beispiel die Dekade vom 1. bis 10. März wählt, erfährt, dass es sich ab jetzt ganz besonders lohnt, beim Spaziergang über Felder und Wiesen auf das Tirillieren der Feldlerche zu hören. Und auch die Goldammer beginnt Anfang März mit ihrem Gesang.

 

Tipp für draußen: Wer auf Nummer sicher gehen will, speichert sich den LBV-Singvogelkalender im Handy unter den Favoriten ab – und hat zwischen Februar und Mai bei Streifzügen durch die Natur des Landkreises immer den perfekten Vogel-Spickzettel dabei.

Dekade:

Legende:

Diagramm

1. – 10. Februar

Einer der ersten Vögel, die man im Jahr hört, ist die Wasseramsel. Die Wasseramsel kann man im Landkreis Starnberg  hauptsächlich an der Würm beobachten.  Obwohl die Wasseramsel zu der Gruppe der Singvögel gehört, spielt die akustische Kommunikation bei ihr eine eher untergeordnete Rolle. Vielleicht aufgrund der störenden Nebengeräusche in ihrem Lebensraum ist sie nicht besonders sangesfreudig. Ihren durchdringenden Ruf „ztiiitz“ kann man öfter hören, der Gesang entgeht einem aber leicht.


Der Kleiber ist bereits im Winter zu hören. Mit einer lauten Pfeifstrophe grenzt er sein Revier ab. Der Gesang des Männchens besteht aus einer Reihe von wenigen Pfeiflauten, von denen jeder in der Tonhöhe gleichmäßig sinkt („Abwärtspfeifen“). Daneben gibt es noch eine Trillerstrophe.


11. – 20. Februar

In der 2. Februardekade sind die ersten Meisen zu hören. Kohlmeise und Blaumeise können quasi überall gehört werden, die Sumpfmeise lebt in lichten Wäldern und alten Gärten und die Haubenmeise lebt hauptsächlich in Nadelwäldern.


Die Stare, die teilweise bei uns überwintern, sind jetzt öfter zu sehen und man kann auch ihren lang anhaltenden, schwätzenden Gesang hören.


In den Wäldern ist bereits der melancholische Gesang der Misteldrossel zu hören.

 


Ebenso kann man die ersten Ringeltauben mit ihrem meist fünfsilbigen Gurren hören.


Auch einer unserer häufigsten Vögel, der Buchfink, beginnt in dieser Zeit mit seinem Gesang, dem Finkenschlag.


21. – 28. Februar

Ende Februar sind unsere beiden Baumläuferarten, der Gartenbaumläufer und der Waldbaumläufer, zu hören. Sie sind akustisch wesentlich leichter zu unterscheiden als optisch. Der Waldbaumläufer singt eine 2-3 Sekunden dauernde hohe Strophe, die mit einem abfallenden Schnörkel endet. Der Gartenbaumläufer hat eine kurze Strophe in holprigem Rhythmus.


Leicht zu überhören ist die Schwanzmeise, die man meistens rufen hört. Sehr auffällig dagegen ist der Gesang der Amsel, die man schon vor Sonnenaufgang von den Hausdächern singen hört.


1. – 10. März

Anfang März beginnt die Goldammer mit ihrem typischen Gesang, den man sich mit dem mit dem Vers „Wie wie wie hab ich dich lieb“  ganz gut merken kann

 


In den Wäldern hört man nun überall die Singdrossel, die laut und sehr abwechslungsreich singt. Typisch sind hier die Wiederholungen (2-4 mal) der einzelnen Motive.


In der Feldflur leider immer seltener zu hören ist die Feldlerche. Sie singt meist in typischem Singflug, steigt dabei immer höher und verharrt singend an einer Stelle (ca. 100 m hoch). Das Tirilieren der Lerche ist für viele Menschen Zeichen des beginnenden Frühlings.


Ebenfalls ab der ersten Märzdekade sind die Weidenmeise und – weitaus häufiger – der Grünfink zu hören.


11. – 20.  März

Ab Mitte März ist unseren Nadelwäldern die Tannenmeise mit ihrem typischen „wieze wieze wieze“ Gesang zu hören.


Einer der ersten Kurzstreckenzieher, die aus dem Winterquartier zurückkehren, ist das Schwarzkehlchen.


In den Wäldern sind ab Mitte März auch unsere sehr auffälligen und noch recht häufigen Sänger Zaunkönig und Rotkehlchen zu hören. Beide Arten haben einen sehr eindringlichen und auffälligen Gesang.


Auch die Heckenbraunelle mit ihrem Gesang, der ein wenig an einen quietschenden Kinderwagen erinnert, ist ab Mitte März überall zu hören.


21. – 31. März

Ende März kommt der Zilpzalp aus dem Winterquartier zurück. Überall ist nun der Gesang, das namensgebende zilp-zalp, zilp-zalp, zilp-zalp, zu hören.


Auch die Rauchschwalbe kommt Ende März aus Afrika zurück. Rauchschwalben werden immer seltener, sie bauen, meist in Ställen, ein schalenförmiges, offenes Nest.


In der Umgebung von Häusern ist ab Ende März auch der Hausrotschwanz mit seinem gepressten, knirschenden Gesang ab den frühen Morgenstunden zu hören.


Das Wintergoldhähnchen beginnt um diese Jahreszeit mit seinem sehr feinen und leisen Gesang, der für ältere Menschen oft nur schwer oder gar nicht hörbar ist.


In Schilfgebieten und an Gewässerrändern ist jetzt auch der „Rohrspatz“, wie die Rohrammer im Volksmund heißt, zu hören. Der Gesang ist eine kurze, einfache Strophe, die mit einigen schnelleren Rufen oder einem kurzen Triller endet.


Ab Ende März ist auch einer unser schönsten Sänger, die Mönchsgrasmücke, zu hören. Der überaus melodische Gesang beginnt mit einem schwätzenden Vorgesang, der in klare, kräftige, oft wehmütige Flötentöne mündet.


Weitere Arten, die um diese Jahreszeit mit dem Gesang beginnen, sind z.B. der Gimpel.


1. – 10. April

Ab Anfang April sind weitere Finkenvögel zu hören. Der kleine Girlitz mit seinem klingelndem Gesang, der oft von Baumspitzen vorgetragen wird sowie der Bluthänfling, dessen Gesang schwer zu beschreiben ist. Beide Arten sind in den letzten Jahren sehr viel seltener geworden, der Bluthänfling ist inzwischen auf der Roten Liste Bayern als stark gefährdet vermerkt.


Das Sommergoldhähnchen, dessen Gesang eine Folge feiner, hoher, leicht ansteigender Töne ist, ist ab Anfang April zu beobachten. Wie beim Wintergoldhähnchen so gilt auch beim Sommergoldhähnchen, dass es für ältere Menschen nicht oder nur schwer zu hören ist.


Im April kommt auch die Zwillingsart des Zilpzalp, der Fitis, aus dem Winterquartier zurück. Der Gesang ist eine ca. drei Sekunden dauernde, etwas abfallende Folge weicher Pfeiftöne, der etwas Ähnlichkeit mit dem Schlag des Buchfinken hat. Der Fitis wird deshalb auch „melancholischer Buchfink“ genannt.


Ein inzwischen sehr selten gewordener Vogel, der Gartenrotschwanz, lässt seinen Gesang Anfang April hören. Meist ist der Gartenrotschwanz bei uns nur auf dem Zug zu beobachten.


Wer Glück hat und an die richtigen Stellen (Weidengebüsche, Schilfstreifen an Gewässern und Gräben) sucht, kann einen unserer schönsten einheimischen Vögel beobachten und hören – das Blaukehlchen, die „Nachtigall des Nordens“. In der Folge „Wir suchen den Superstar“ der bekannten Fernsehsendung „Tiere vor der Kamera“ von Ernst Arendt und Hans Schweiger wurde das Blaukehlchen wegen seines schönen Gesangs vom Publikum zum Sieger gekürt.


Weitere Arten, die um diese Jahreszeit mit dem Gesang beginnen, sind z.B. die Gebirgsstelze und die Wacholderdrossel.


11. – 20. April

In der 2. Aprildekade kommen auch die ersten Kuckucke zurück und sind in entsprechenden Lebensräumen zu hören und zu sehen. Im Volksmund heißt es ja „Wenn Du den ersten Kuckuck rufen hörst, dann klopfe auf deinen Geldbeutel. Dann wird dir das ganze Jahr das Geld nicht ausgehen!” Ob das allerdings stimmt?


Auch viele selten gewordene Arten sind zum ersten Mal in diesem Zeitraum zu hören bzw. zu sehen. Trauerschnäpper und Braunkehlchen sind im Landkreis Starnberg fast nur mehr auf dem Zug zu beobachten.  Der Baumpieper (Rote Liste 2 – stark gefährdet) brütet noch mit wenigen Brutpaaren im Landkreis. Seinen Gesang trägt der Baumpieper oft im Singflug vor. Dabei startet er von einer Baumspitze und gleitet mit hängenden Beinen zu einer neuen Singwarte hinab.


21. – 30. April

Ende April ist aus Wiesen und Feldern ein insektenartiges Schwirren zu hören. Der Gesang des Feldschwirls kann minutenlang dauern und ist auch nachts zu hören.


In Buchenwäldern ist jetzt auch ein eher unscheinbar aussehender Laubsänger zu beobachten, der Waldlaubsänger. Leider wird auch er immer seltener und ist inzwischen auf der Roten Liste Bayern als stark gefährdet eingestuft.  Sein Gesang hat ihm den Beinamen „Waldschwirrvogel“ eingebracht.


1. – 10. Mai

Ab Anfang Mai ist auch das laute „Srih, srih“ vor allem in unseren Städten und Siedlungen zu hören. Das ist der Mauersegler, der den größten Teil seines Lebens in der Luft verbringt.


Die Mehlschwalbe, die ihre Lehmnester meist an Gebäude klebt, ist ab Anfang Mai in unseren Dörfern wieder zu sehen und zu hören. Ihr Gesang klingt wie leises schwätzendes Gezwitscher ohne Triller und ist weniger melodisch und abwechslungsreich als der der Rauchschwalbe.


In Schilfgebieten ist nun auch der Teichrohrsänger zu hören. Sein Gesang ist rhythmisch schwatzend, die meist rauen Töne werden meist 2-3 mal wiederholt. Dieser rhythmische Gesang hat ihm auch den Beinamen „Metronomvogel“ eingebracht.


Während die Mönchsgrasmücke bereits Ende März aus dem Winterquartier zurückkommt, sind Gartengrasmücke und Dorngrasmücke erst ab Anfang Mai bei uns zu hören.


Der Grauschnäpper ist der häufigste bei uns vorkommende Fliegenschnäpper. Er ist leicht zu beobachten, da er oft von einer freien Sitzwarte aus Insekten jagt. Sein Gesang dagegen ist eher unauffällig und leise.


In reich strukturierten Landschaften mit Hecken und Gebüschen ist ab Anfang Mai der Neuntöter zu finden. Zu hören ist oft sein Warnruf „wäw“, aber auch ein langes, leises Zwitschern, das auch andere Arten imitiert.


11. – 20. Mai

Als einer der letzten Langstreckenzieher kommt der Sumpfrohrsänger aus Afrika zurück. Er brütet in üppigen Hochstaudenfluren (Brennnessel, Mädesüß) und fällt durch seinen langanhaltenden und imitationsreichen Gesang auf.


Ein sehr seltener Vogel in unserem Landkreis ist der Pirol, der Anfang/Mitte Mai aus dem Winterquartier zurückkommt. Sehr auffällig schwarz-gelb gefärbt, lebt er meist in Auwäldern in der Nähe von Gewässern. Im Landkreis Starnberg ist er nur mehr sehr selten zu beobachten. Sehr auffällig ist sein flötender Gesang.


Der Gelbspötter kommt Anfang/Mitte Mai aus dem Winterquartier zurück und brütet in Wäldern und Parks. Auffällig ist sein quietschender Gesang, der viele Imitationen enthält.


Erst ab Mitte/Ende Mai ist die Wachtel bei uns zu hören. Sehen wird man sie selten. Dieser kleine Hühnervogel lebt in Getreidefeldern, seine bekannteste Lautäußerung ist der Wachtelschlag („PICK per-WICK“).