Hilfloser Jungvogel?

junge Amsel (Foto: J. Fünfstück)
junge Amsel (Foto: J. Fünfstück)

Beim LBV häufen sich wieder die Anfragen von Vogelfreunden, was mit "verlassenen" Jungvögeln zu tun sei. Viele Menschen meinen es gut und wollen helfen - bewirken oft aber eher das Gegenteil.

Viele besorgte Tierfreunde wissen leider nicht, dass die meisten Jungvögel nur scheinbar verlassen sind, tatsächlich sind sie jedoch halbflügge oder flügge und ganz normal ihrem Nest entwachsen.

 

Es gibt zwei Typen von Jungvögeln - Nesthocker und Nestflüchter. Letzteres sind zum Beispiel alle Hühner- und Entenvögel. Sie kommen mit offenen Augen und bereits bedunt - also mit feinen Dunenfedern ausgestattet - zur Welt und verlassen das Nest nach 1 - 2 Tagen, um selbständig Nahrung zu suchen, während die Elterntiere auf sie aufpassen.

Alle Kleinvögel in unseren Gärten gehören zu den Nesthockern. Anfangs blind und nackt müssen sie von den Alttieren im Nest gefüttert werden. Viele dieser Jungvögel verlassenen ihr Nest bevor sie voll flugfähig sind, bleiben aber in der Nähe des Nestes und stehen mit den Altvögeln in Kontakt, durch arttypische Bettel- und Standortrufe. Sie werden von den Altvögeln gefüttert und vor Gefahren durch spezielle Rufe gewarnt. Bitte nehmen Sie diese scheinbar hilflosen und scheinbar verwaisten Jungvögel auf keinen Fall mit, denn sie haben bei der Aufzucht von Menschenhand viel geringere Überlebenschancen, selbst wenn die Pflege mit größter Sachkenntnis und Sorgfalt geleistet wird. Die Pflege ist mühsam und sehr zeitaufwendig und meistens nicht erfolgreich.

Ampel für Ästlinge (Foto: H. Guckelsberger)
Ampel für Ästlinge (Foto: H. Guckelsberger)

Sollten Sie einen Jungvogel jedoch an einer gefährlichen Stelle finden, z.B. am Straßenrand, so dürfen sie ihn behutsam aufheben und in einen nahe gelegenen, Schutz bietenden Strauch oder - katzensicher - auf den Balkon setzten. Dazu können Sie auch eine Ampel (siehe Foto)  verwenden, die für wenige Euro in einem Gartencenter erhältlich ist. ), Hängen Sie die Ampel katzensicher, trocken und schattig in der Nähe des Fundorts auf und setzen Sie den Jungvogel hinein.  Dann sollten sie sich bald wieder entfernen, damit die Elternvögel die Jungtiere füttern können. Denn die Jungvögel "piepsen" - das sind Fühlungslaute, mit denen sie den Elterntieren signalisieren, wo wie sind und dass sie Hunger haben. Dabei brauchen sie keine Sorge haben, dass die Alttiere die angefassten Jungtiere nicht mehr annehmen. Anders als viele Säugetiere haben Vögel (Ausnahme Geier) einen relativ schlechten Geruchssinn.

 

Bei bestimmten Arten, zum Beispiel Rabenkrähen, können die Jungvögel genau so groß sein wie die  Altvögel. Sie können schon etwas fliegen, verhalten sich aber oft unbeholfen und kommen in Situationen, in denen sie sich nicht zu helfen wissen und die Eltern, obwohl in der Nähe und rufend, auch nicht helfen können. Sie stehen zum Beispiel am Fuß eines  Zaunes oder einer Mauer und können nicht  hinüber fliegen. In solchen Fällen kann es schon sinnvoll sein, die junge Krähe vorsichtig zu nehmen und an eine Stelle zu bringen, wo sie ohne Hindernis wegfliegen kann. Wichtig ist dabei an dem eigenen Schutz zu denken, da die Eltern eine solche Aktion als Angriff auf ihre Nachkommen interpretieren, sehr agressiv werden und die Helfer angreifen und sogar am Kopf verletzen können.

 

Und noch etwas: Bitte beachten Sie vor allem, dass Jungvögel nur leicht verdauliche tierische Eiweißnahrung, wie z.B. kleine Fliegen, Spinnen, Würmer, Räupchen usw. zu sich nehmen können. Stellen Sie also bitte kein "Vogelfutter" (Körner) hin! Die Altvögel werden sonst bequem und verfüttern unbedacht diese schwer verdaulichen Körner, Rosinen, Brot usw. an die bettelnden Jungvögel. Dies führt zu extremen Verdauungsstörungen und zum Tod der Jungtiere.

Allerdings wird es bei den Jungvögeln und Vogeleiern auch zu natürlichen Verlusten kommen, z.B. durch Witterungseinflüsse (anhaltenden Regen, Hitze, Sturm ...) oder durch "Eierdiebe" und "Nesträuber" (zahlreiche andere Tiere brauchen das hochwertiger Eiweiß z.B. zur Ernährung ihrer eigenen Jungtiere). Unsere Kleinvögel im Garten brüten im Allgemeinen zweimal im Jahr, wobei das Gelege aus je 3 - 6 Eiern besteht. Die Kohlmeise hat sogar eine Gelegegröße bis zu 10 Eiern! Das heißt, dass sie im Jahr bis zu 20 Eier legt!

Auf der Seite www.lbv.de/vogel-gefunden finden Sie weitere Informationen und können kostenlos den Flyer "Hilfe für Jungvögel" bestellen.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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