Hecke nicht im Mai und Juni schneiden

Gartenhecke (Foto: Patrick Fantou)
Gartenhecke (Foto: Patrick Fantou)

Wenn Sie jetzt Anfang Mai an Ihrem Nistkasten vorbei laufen, hören Sie die kleinen Meisen piepsen; sie sind seit einigen Tagen geschlüpft und verlangen nach Futter. Andere Vögel sind langsamer und brüten noch. Vor allem aber haben viele andere Vögel es mit einem Dach über dem Kopf nicht so bequem, sondern haben ihre Nester in Bäumen oder Hecken versteckt.

Jetzt ist aber die Hecke kräftig gewachsen! Höchste Zeit, denkt der beunruhigte Gärtner, um zur Heckenschere, am besten zur elektrischen, zu greifen, damit man noch die Heckenhöhe unter Kontrolle  halten kann!

 

Falsch gedacht, lieber Gärtner, oder falsch über die gesetzliche Lage informiert: denn in ganz Deutschland darf man zwischen Anfang März und Ende September keine Hecke schneiden.

 

Im seit 1. März 2010 gültigen Bundesnaturschutzgesetz heißt es in §39: 'Es ist verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.'

Der Grund für dieses Gesetz ist die Hauptbrutzeit der Vögel zwischen März und Juli. Pflegeschnitte sind erlaubt, aber es gilt der Appell an alle Gärtner, auch diese während der Hauptbrutzeit zur unterlassen.

Nest der Ringeltaube ("Wood Pigeon Nest 10.04.09" von nottsexminer Lizenz CC-BY 2.0 )
Nest der Ringeltaube ("Wood Pigeon Nest  10.04.09" von nottsexminer Lizenz CC-BY 2.0 )
Zaunkönignest („Zaunkönig 5 Nestlinge“ von Armin Kuebelbeck Lizenz CC-BY-SA 3.0)
Zaunkönignest („Zaunkönig 5 Nestlinge“ von Armin Kuebelbeck  Lizenz CC-BY-SA 3.0)

 

Wird eine Hecke während der Brutsaison der Vögel geschnitten, kann dies dazu führen, dass im schlimmsten Fall das Nest zerstört wird. Wird das Nest durch den Schnitt einer Hecke nicht zerstört, finden Beutegreifer die Gelege viel einfacher, da schützende Zweige weggeschnitten wurden. Außerdem geben oft manche Altvögel ihren Nistplatz auf, da ihnen die Störung zu groß war. Falls sie noch brüteten, werden die Eier kalt und sterben. Waren die Jungen schon geschlüpft, müssen sie qualvoll verhungern, weil sich niemand ihrer mehr annimmt.

 

Auf jeden Fall gehört für naturfreundliche Gärtner vor dem Schnitt eine intensive und vorsichtige Suche nach belegten Nestern in den Sträuchern dazu.

Im Juni gibt es bei vielen Singvögeln wie Amsel, Singdrossel, Buch- und Grünfinken eine zweite Brut. Hänfling, Gimpel nehmen sich bis August Zeit dazu.

Wer erst im Juli oder später schneidet, spart auch erhebliche Arbeit, da die Pflanzen sich im Frühsommer im zweiten Wachstumsschub des Jahres befinden. Wer zu früh die Heckenschere auspackt, muß sie deshalb noch ein zusätzliches Mal einsetzen.

(Text: Patrick Fantou)

 

 

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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