Die Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus)

Lachmöwe, adult (Foto: Thomas Hafen, www.natur-fotografieren.de)
Lachmöwe, adult (Foto: Thomas Hafen, www.natur-fotografieren.de)
Lachmöwe im 1. Kalenderjahr
Lachmöwe im 1. Kalenderjahr
adulte Lachmöwe im Schlichtkleid
adulte Lachmöwe im Schlichtkleid
beringte Lachmöwen (Foto: Jan Brinke)
beringte Lachmöwen (Foto: Jan Brinke)

Die Lachmöwe ist wohl die bekannteste, sicherlich jedoch die häufigste und weitverbreitetste Möwenart Europas. Sie lässt sich im Jahresverlauf an nahezu allen heimischen Gewässern, aber auch auf Ackerland und in Städten beobachten.

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Island über Zentraleuropa bis nach Ostsibirien, Kamtschatka, Ussuriland und sogar Nordostchina. In Südeuropa weist die Bestandskarte größere Lücken zwischen den einzelnen Kolonien auf, so sind beispielsweise in Spanien und am Balkan keine zusammenhängend besiedelten Areale vorhanden. Im Laufe des 20. Jh. haben sich auch Populationen westlich des Atlantiks (Grönland, Quebec, Neufundland, New England) etabliert.

Die Wanderungen der Lachmöwe sind kompliziert und gerade in den östlichen Verbreitungsgebieten nicht abschließend erforscht. Je nach Schlupfort gibt es Standvögel, Kurzstrecken- und Teilstreckenzieher. So überwintern norwegische Vögel in Norwegen, Westeuropa oder sogar im tropischen Westafrika, die Östlichen Populationen überwintern v.a. am Indischen Ozean.

 

Die generalistische Ausrichtung in Bezug auf die Nahrung ermöglicht der Lachmöwe das große Verbreitungsgebiet. Auf dem Speiseplan können u.a. Flug- und Bodeninsekten, Fische (Verfolgung von Fischereibooten), Würmer, Krebstiere, Abfälle, tote Kleintiere und pflanzliche Bestandteile stehen. An Fütterungen oder in Parks wird primär im Winterhalbjahr auch Brot gerne angenommen.

 

Typisch für das Brutverhalten von Lachmöwen sind Brutkolonien die aus über 1000, in Einzelfällen sogar aus über 10 000 Brutpaaren (BP) bestehen können. Sie sind überwiegend an Gewässern auf stehenden oder schwimmenden Untergründen anzutreffen. Vereinzelte extravagante Kolonien auf Dächern, Bäumen o.ä. sind nicht von bestandsrelevanten Größenordnungen und Häufigkeiten.

 

Der noch bis 1980 in Europa stark positive Bestandstrend ist in den letzten Jahren rückläufig. Selbiges spiegelt auch in den letzten Jahren eine negative Entwicklung der deutschen Populationen wieder. Die bayerische Entwicklung ist davon unterdurchschnittlich betroffen, wenngleich auch sie in den letzten Jahren deutlich rückläufig ist.

 

Die Lachmöwe lässt sich im Landkreis Starnberg v.a. am Starnberger und Maisinger See und Jaisweiher bei Gilching beobachten. 2016 wurden durch ASO-Mitglieder mindestens 240 Gelege im Landkreis bekannt. Aufgrund der Witterung fiel der Schlupferfolg 2016 in Oberbayern unterdurchschnittlich aus.

Regelmäßig können bei uns auch Lachmöwen aus ferneren Gefilden beobachtet werden. Ringfunde und Ablesungen ergaben z.B. schon Nachweis im Landkreis von Vögeln, die ursprünglich aus Tschechien, Kroatien, Polen und Litauen stammen.

Eine beringte Lachmöwe, der es im Fünfseenland scheinbar besonders gefällt, kann seit 2010 regelmäßig im Winter an Ammersee oder Starnberger See beobachtet werden. Dieser Vogel wurde 2007 bereits im adulten Federkleid in Schweden beringt.

 

Das Wort Lachmöwe ist nicht wie oft vermutet auf das deutsche Wort Lache für Pfütze zu beziehen, sondern muss vom Verb lachen abgeleitet werden. Bereits Linneus verwendete 1766 in seiner taxonomischen Einordnung das Wort ridibundus, das vom lateinischen ridere, rideo für lachen abgeleitet werden kann. Der Grund für die Namensgebung ist unter Beachtung der typischen Lautäußerung dieser Möwenart schlüssig.

adulte Lachmöwe im Prachtkleid
adulte Lachmöwe im Prachtkleid

Die Audiodatei stammt von Annette Hamann, XC372286.

2005 wurde aufgrund einer neuen, wissenschaftlich korrekten Systematik der Bereich der Möwen nach neuesten wissenschaftlichen Ansichten neu geordnet. Seitdem ist der wissenschaftliche Name der Lachmöwe Chroicocephalus ridibundus. Sie gehört nun zur Gattung Chroicocephlaus, was frei übersetzt etwa Möwe mit farbigem Kopf bedeutet. Der alte Name Larus ridibundus ist allerdings, wie alle alten taxonomischen Name bei anderen Tierarten auch, weiterhin gültig.

 

Text: Korbinian Weidemann, Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Hans-Joachim Fünfstück, www.5erls-naturfotos.de


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