Die Uferschwalbe (Riparia riparia)

Uferschwalbe (Foto: LBV-Archiv - Z.Tunka)
Uferschwalbe (Foto: LBV-Archiv - Z.Tunka)
Uferschwalbe (Foto: Pit Brützel)
Uferschwalbe (Foto: Pit Brützel)

Die Uferschwalbe ist mit 12 cm Länge die kleinste der in Mitteleuropa vorkommenden Schwalbenarten. Sie ist oberseits braun mit heller Unterseite und einem ebenfalls braunen Querband über der Brust. Der kurze Schwanz ist nur schwach gegabelt. Man trifft sie dort an, wo es Steilwände für die Anlage der Brutröhren - möglichst in Gewässernähe - gibt, das waren ehemals in erster Linie Steilufer mit frischem Abriss in Flussbiegungen oder an der Meeresküste und sind heute, da dieser Lebensraum selten geworden ist, vor allem Steilwände am Rand von Kies- oder Sandgruben, aber auch Torfabstiche oder einfache Sandaufhäufungen.

 

Sie fällt durch einen schnellen (bis ca. 50 km/h), nur kurzzeitig geradlinigen, aufgrund ruckartiger Wendungen vor Beuteinsekten   häufig zickzackförmigen Flug  auf, der fast immer von Rufen oder Gesang begleitet ist. Meistens treten die geselligen Uferschwalben in Trupps oder größeren Schwärmen auf, sowohl bei der Jagd nach kleinen Fluginsekten über Wiesen, Feldern oder Gewässern, oder an der Brutwand. Die Flugrufe lassen sich mit einem etwas rauhen ‘tschrrrrp’ umschreiben, der Gesang ist ein schnelles Aneinanderreihen dieser Rufe.  https://www.xeno-canto.org/181785

  

Die Uferschwalbe gehört zu den Langstreckenziehern und überwintert südlich der Sahara in der Sahelzone West- und Zentralafrikas bis zum tropischen Regenwald, in Ostafrika und teilweise bis zum nördlichen Südafrika. Etwa Mitte April kehrt sie in ihr Brutgebiet zurück, der Heimzug geht aber auch bis in den Mai.

Uferschwalbenkolonie (Foto: Ulrike Hars)
Uferschwalbenkolonie (Foto: Ulrike Hars)
Uferschwalbenkolonie (Foto: Antje Geigenberger)
Uferschwalbenkolonie (Foto: Antje Geigenberger)
Uferschwalbe (Foto: Ulrike Hars)
Uferschwalbe (Foto: Ulrike Hars)

Als Koloniebrüter legen Uferschwalben an den Steilwänden nebeneinander oder in verschiedenen Höhen ihre Brutröhren mit freier An- und Abflugmöglichkeit an, wobei eine Steilwand von den ankommenden Brutvögeln von oben nach unten besiedelt wird und mit einer minimalen Höhe von 1.5 m der untersten Röhren endet. Ältere Vögel treffen früher ein als einjährige und haben damit Vorteile bei der Platzwahl der Brutröhre. Innerhalb einer Kolonie gibt es Subkolonien, die synchronisiert angelegt werden. Auch die Bruten erfolgen möglichst synchron, da sich dieses positiv auf den Bruterfolg auswirkt.

 

Die Männchen bauen die Röhren innerhalb von 4 bis 14 Tagen, indem sie das Substrat mithilfe der Füße wegscharren. Die Röhren sind leicht ansteigend mit einer Länge von 30 bis 70 cm und einem Durchmesser von 4 cm und enden jeweils in einer Nistkammer. Das Männchen lockt das Weibchen durch Schmetterlingsflüge zu der Röhre. Dieses stattet die Bruthöhle zuletzt mit trockenen Gräsern, Wurzeln, Fellhaaren und Federn aus. Bei der Balz singen sowohl das Männchen, als auch das Weibchen, oft während sie nebeneinander fliegen oder an der Brutröhre sitzen. Selbst in der Kolonie können die Uferschwalben den Gesang des Partners bzw. die Jungvögel den ihrer Eltern erkennen.

 

Ab Mitte Mai beginnt die Eiablage. Das Gelege von 4 bis 6 Eiern wird nach der Ablage des letzten Eies bebrütet, wobei sich beide Elternteile beteiligen, das Weibchen aber nachts in der Höhle bleibt. Die Männchen übernachten als Schwarm in Schilf oder Weidendickicht. Nach 14 bis 16 Tagen schlüpfen die Jungvögel und werden je nach Witterung 22 bis 28 Tage in der Höhle von beiden Elterntieren gefüttert. Nach etwa 16 Tagen erscheinen die Jungvögel dabei am Röhreneingang. Dies ist meistens Mitte/Ende Juni bis Anfang Juli und führt zu einem regen Leben an der Steilwand mit häufigen Anflügen der adulten Uferschwalben an die Brutröhren, aus denen die fast flüggen Jungvögel lebhaft betteln.

 

Nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel noch weitere 3 bis 10 Tage in der Luft, am Boden oder auf Drähten sitzend gefüttert und übernachten auch noch mehrmals in der Brutröhre, bevor sie ganz selbständig sind. Danach fliegen sie abends im Schwarm mit den Altvögeln in Schilfgebiete ein. Oft erfolgt eine Zweitbrut, für die eine zweite Brutröhre oder innerhalb der existierenden Röhre eine neue Brutkammer angelegt wird. Die Zweitbrut kann auch mit einem anderen Partner oder in einer anderen Kolonie erfolgen, die bis zu 50 km entfernt liegen kann. Die Zweitbrut endet im August oder zieht sich noch bis in den September. Ab Juli/August erfolgt der Wegzug in die Überwinterungsgebiete.

 

Anhand von Wiederfunden beringter Vögel konnte für die Uferschwalbe ein Alter von etwa 10 Jahren nachgewiesen werden. Im Durchschnitt liegt dieses aber weit darunter, besonders durch Gefahren während des Zuges.

Uferschwalbe (Foto: LBV-Archiv - Ralph Sturm)
Uferschwalbe (Foto: LBV-Archiv - Ralph Sturm)
Uferschwalben (Foto: Ulrike Hars)
Uferschwalben (Foto: Ulrike Hars)

Da die für die Brutröhren benötigten Steilwände ständig abbruchgefährdet bleiben oder von Prädatoren wie z.B. dem Dachs zerstört werden können, sind die Uferschwalben, trotz gelegentlich hoher Brutplatztreue, daran angepasst, nach neuen möglichen Brutplätzen zu suchen und diese zu besiedeln. Dadurch kann es lokal zu großen Schwankungen in ihrer Bestandsdichte kommen. Die größte ständige Brutkolonie Mitteleuropas liegt in Deutschland am Brodtener Ufer an der Ostseeküste bei Travemünde mit etwa 2600 Brutröhren.

 

Der Gesamtbestand Mitteleuropas wird auch durch die Gegebenheiten in den Winterquartieren beeinflusst. Die starken Dürreperioden in der Sahelzone Ende der 1960iger Jahre haben besonders Dorngrasmücke, Gartenrotschwanz und die Uferschwalbe betroffen und zu massiven Bestandseinbrüchen geführt, von denen sich die jeweiligen  Populationen aber mittlerweile wieder erholt haben. Im Brutgebiet gehen durch die Renaturierungsauflagen von Kies- und Sandgruben die für die Uferschwalbe wichtigen Steilwände verloren.

 

 Der Gesamtbestand für Deutschland wird auf 100.000 bis 210.000 Brutpaare geschätzt und die Uferschwalbe ist damit auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Sie ist geschützt und darf besonders an ihren Brutplätzen nicht gestört werden. Laut dem Atlas der Brutvögel in Bayern (2012) liegt der Bestand in Bayern bei 11.500 bis 18.500 Brutpaaren. Die größten Vorkommen von etwa 400 Brutpaaren liegen in den Quadranten von Obermain und schwäbischer Mindel, dort aber nicht an den Flussufern, sondern auch in Sand- oder Kiesgruben. Einen detaillierten Überblick über die Verbreitung der Uferschwalbe in Bayern gibt dieser Link des LFU.

  

Als Brutvogel des Tieflandes kommt die Uferschwalbe im alpinen oder auch voralpinen Gebiet nicht vor. Im Landkreis Starnberg ist sie als Brutvogel nur mit wenigen Brutpaaren in den Kiesgruben nachgewiesen. Für eine positive Bestandsentwicklung der Uferschwalbe sollten Schilfbestände erhalten, Steilwände angelegt oder neu abgegraben werden, eine Renaturierung von Flussufern durchgeführt, sowie der Einsatz von Pestiziden limitiert werden.

 

(Text: Ulrike Hars)


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