Der Bergfink (Fringilla montifringilla)

Bergfink im Sommer (Foto: Pit Brützel)
Bergfink im Sommer (Foto: Pit Brützel)
Bergfink im Winter (Foto: Ursula Wiegand)
Bergfink im Winter (Foto: Ursula Wiegand)
Bergfink im Winter (Foto: Antje Geigenberger)
Bergfink im Winter (Foto: Antje Geigenberger)

Der Bergfink erscheint als Durchzügler und Wintergast von Oktober bis April in Mitteleuropa. Er ist der nordische Vertreter des bei uns weit verbreiteten Buchfinken und diesem in Größe (etwa 15 cm) und Gestalt sehr ähnlich. Im Flug kann der Bergfink aber durch den auffälligen weißen Bürzel und Rücken von dem Buchfinken leicht unterschieden werden, außerdem sind bei ihm die bei dem Buchfinken markanten zwei weißen Flügelbinden nur schwach ausgeprägt und er besitzt keine weißen Schwanzaußenfedern.

 

Bei näherer Sicht fällt die orangene Färbung auf Brust und Schultern des Bergfinken ins Auge,  dazu eine bräunliche Oberseite und der weiße Bauch. Der Bergfink mausert nach der Brutzeit und erscheint in Mitteleuropa daher in seinem Schlichtkleid, bei dem Kopf, Nacken und Vorderrücken des Männchens bräunlich geschuppt aussehen. Durch die Abnutzung heller Federsäume, d.h. ohne eine weitere Mauser, wird das Gefieder des Männchens im Frühjahr auf der Oberseite tiefschwarz und damit kontrastreicher und prächtiger. Auch das Orange und Weiß wird strahlender. Das Weibchen bleibt bei ähnlichen Farben dagegen immer blasser, es ist an Kopf und Halsseite  hellgrau und besitzt einen dunkel gerahmten, hellen Strich im Nackengefieder.

 

Der Bergfink tritt bei uns in stark schwankender Anzahl auf. Meist bildet er Trupps oder Schwärme und ist dabei häufig mit anderen Finkenarten vergesellschaftet. Bevorzugt sind sie in lichten Buchenwäldern oder Mischwald mit Buchenbestand anzutreffen, z.B. in den Wäldern rund um den Starnberger See und den Ammersee. Sie nehmen am Boden oder auf den Zweigen ihre Nahrung auf, die im Winter hauptsächlich aus Bucheckern, aber auch aus anderen Sämereien oder Knospen, besteht. Das Knacken der Bucheckern und Herabfallen der Schalen führt dabei zu den charakteristischen Geräuschen eines solchen Finkenschwarms im Wald. Unter einer Schneedecke können Bergfinken die Bucheckern auch ,ausgraben’. Schwärme von Bergfinken kommen ebenfalls auf Ackerflächen vor, einzelne Bergfinken besuchen Fütterungsstellen in Gärten.

 

Immer wieder ist dabei der Ruf des Bergfinken zu hören, der als etwas quäkend bezeichnet wird und daher dem Bergfinken den Spitznamen “Quäker” vermittelt hat.

 (Die Audioaufnahme stammt von Frank Roos, XC348579 )

Das Brutgebiet des Bergfinken erstreckt sich über ein riesiges Areal von etwas 23 Millionen Quadratkilometern in Nordeuropa von Norwegen über Fennoskandien und Russland bis zu der Halbinsel Kamtschatka. In den nordischen weiten, lichten Birken- und Kiefernwäldern ist der Bergfink neben dem Fitis der häufigste Brutvogel und sein Gesang neben dem der Rotdrossel die lauteste und prägnanteste Vogelstimme in dem ansonsten oft eher stillen Wald. Häufig wird der Gesang von der Spitze einer Kiefer oder aus den oberen Bereichen einer Birke vorgetragen und wirkt eher wie ein lauter Ruf, entfernt ähnlich dem des Grünfinken.

Bergfink im Sommer (Foto: Ulrike Hars)
Bergfink im Sommer (Foto: Ulrike Hars)
Bergfinkenschwarm im Winter (Foto: Ursula Wiegand)
Bergfinkenschwarm im Winter  (Foto: Ursula Wiegand)

 (Die Audioaufnahme stammt von Jarno Sarkkinnen, XC370244 )

Im März kann der Gesang durchziehender Bergfinken auch in Mitteleuropa gehört werden.

 

Wegen des kurzen nordischen Sommers erfolgt nur eine Jahresbrut zwischen Mai und Juni. Das napfartige Nest wird von dem Weibchen in etwa 5-8 Metern Höhe in einer Astgabel meist in Stammnähe in einer Birke gebaut. Es ist dickwandig und damit wärmeisoliert und besteht aus Flechten, Gräsern und Moos. Das Innere wird mit Federn gut ausgepolstert. Das Weibchen bebrütet das aus 5-7 Eiern bestehende Gelege etwa 14 Tage lang, die Nestlinge werden etwa weitere 14 Tage von beiden Eltern gefüttert und nach dem Ausfliegen etwa 2 bis 3 Wochen weiter versorgt. Die Nahrung der Jungvögel besteht dabei ausschließlich aus Insekten und anderen Wirbellosen.

 

Unter den Finken ist der Bergfink der ausgeprägteste Zugvogel und verlässt sein Brutgebiet nach der Brutzeit vollständig. Die Überwinterungsgebiete liegen in Mittel- und Südeuropa bis zu Nordafrika, wobei die Bergfinken variabel in der Wahl des Überwinterungsgebietes sind und stark auf das lokale Nahrungsangebot reagieren. Plötzliche Kälteeinbrüche im Nordosten und ein starkes Angebot an Bucheckern kann in manchen Jahren zu Masseneinflügen mit Schwärmen von Tausenden bis Millionen Bergfinken führen. In den Wintern 1946/47 und 1951/52 wurden in der Schweiz Schlafplatzkonzentrationen von geschätzten 11 bzw. 70 Millionen Vögeln registriert, der Bestand an Bergfinken im ganzen Land wurde auf 100 Millionen (!) geschätzt.

 

Auch heute gilt der Weltbestand als gesichert und der Bergfink wird damit als ungefährdet eingestuft.

 

(Text: Ulrike Hars)


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