Die Kornweihen-Schlafplatzzählung im Fünf-Seen-Land

männliche Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
männliche Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
Abb.1: Ergebnisse der Schlafplatzzählungen im Fünf-Seen-Land 2015/2016 und 2016/2017
Abb.1: Ergebnisse der Schlafplatzzählungen im Fünf-Seen-Land 2015/2016 und 2016/2017
weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
weibchenfarbige Kornweihe (Foto: Philip Vlaicu)
Abb. 2: Wintersummen am Schlafplatz „Leutstettener Moos“ seit 2006
Abb. 2: Wintersummen am Schlafplatz „Leutstettener Moos“ seit 2006

Die Kornweihe (Circus cyaneus) ist ein weitverbreiteter Brutvogel auf dem eurasischen Kontinent. Schwerpunkte des Brutvorkommens liegen und vor allem in Russland und in Nordeuropa(Finnland).  In Bayern und in weiten Teilen Deutschlands ist die Kornweihe als Brutvogel ausgestorben. Sie ist hier fast ausschließlich Zug- und Überwinterungsgast. Auch in Süd-Bayern machen etliche Individuen Halt, um Energiereserven für den Weiterzug aufzubauen oder gar den ganzen Winter hier zu verbringen. Im Fünf-Seen-Land können Kornweihen in der Regel von Oktober bis April beobachtet werden.

 

Um die Winterbestände langfristig zu erfassen – und so auch geeignete Lebensräume zu schützen – bietet sich bei dieser Art eine sogenannte „Schlafplatzzählung“ an. Während die Vögel nämlich tagsüber individuell und weiträumig auf den umliegenden Feldern, Wiesen und Ruderalflächen jagen, kommen sie abends an traditionellen Schlafplätzen zusammen. Einzelne bis mehrere Dutzend Vögel sammeln sich dann, um in Schilfbeständen oder auf Streuwiesen zu übernachten. Oft drehen sie noch einige Runden in gaukelndem Flug, bevor sie sich niederlassen und die Nacht auf dem Boden, versteckt in der Vegetation, verbringen.

 

Diese Einflugphasen nutzen die Kornweihenzähler für ihre Erhebungen, die im Fünf-Seen-Land an fünf indentifizierten Schlafplätzen stattfinden. Hierzu zählen Ammersee Süd, Ampermoos, Herrschinger Moos, Leutstettener Moos und Maisinger See. Neben der Beteiligung der Gebietsbetreuung Ammersee und Starnberger See macht es vor allem die Mithilfe zahlreicher ehrenamtlicher Zähler möglich, die monatliche Erfassung in allen Gebieten synchron durchzuführen. Nur so lässt sich der Gesamtbestand abschätzen.

 

Wie viele Kornweihen sich dann tatsächlich in einem bestimmten Monat oder über den Winter hinweg bei uns aufhalten, hängt von den Witterungsbedingungen ab. Wenn es zum Beispiel über längere Zeit schneit,  verlassen die Kornweihen ihr Rastgebiet. Diese spontane „Winterflucht“ in klimatisch mildere Gebiete sichert ihnen das Überleben. Denn bei einer geschlossenen und hohen Schneedecke kommen sie nicht mehr an ihre bevorzugte Nahrung, die Feldmaus, heran.

 

Vergleicht man die beiden vergangenen Winterhalbjahre, lässt sich dieser Effekt gut beobachten (Abb. 1): In beiden Jahren wurden maximal 35 bzw. 36 Kornweihen gezählt. Während die Zu- und Abnahme der Bestände im Winter 2015/2016 jedoch relativ fließend verlief, brachen die Zahlen im Winter 2016/2017 zeitweise komplett ein. Im Januar 2017, bei Schnee und Frost, ließ sich keine einzige Kornweihe im Fünf-Seen-Land beobachten. Ein kurzfristiges Ausweichen nach Südeuropa ist wahrscheinlich.

 

Ebenso kann es bei uns in Süddeutschland zu einem starken Zuzug von Kornweihen kommen, wenn der Winter in anderen Regionen Europas sehr streng ausfällt. In der Großregion Fünf-Seen-Land konnten in Ausnahmejahren sogar über 100 Kornweihen an einem einzigen Tag verzeichnet werden. Die Regel sind aber Tagesmaxima von 30 bis 40 Vögeln. Auch am Schlafplatz im Leutstettener Moos schwankten die Tagesmaxima in den letzten zehn Jahren zwischen einer und sieben Kornweihen. Noch deutlicher werden die jährlichen Unterschiede beim Vergleich der Wintersummen (1-19 Individuen, Abb. 2).   

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(Text : Dr. Andrea Gehrold (Gebietsbetreuung Starnberger See) )

 

 

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