Andalusien – Hotspot des Vogelzugs

Weißstörche
Weißstörche
Wespenbussarde
Wespenbussarde
Blick nach Afrika
Blick nach Afrika
Löffler
Löffler
Waldrappbetreuung
Waldrappbetreuung

15. November 2017  Knapp 30 Ornithologen hatten sich beim Ornistammtisch in Oberpfaffenhofen eingefunden, um Thomas Hafen auf eine Reise nach Andalusien zu begleiten. Jedes Jahr ziehen ca. 2 Milliarden Vögel von Europa Richtung Afrika. Bei den großen Segelfliegern (Greifvögel, Störche, etc.) führt die Route dabei meist über Landengen, um die Thermik auszunutzen.  Die bekanntesten Plätze zur Zug­vogel­beobachtung sind beispielsweise Falsterbo in Schweden, Batumi im Kaukasus, der Bosporus, Eilat in Israel und die Straße von Gibraltar in Andalusien.

 

Andalusien ist ein Hotspot in jeder Beziehung. Bernhard Glüer und Thomas Hafen mussten bei ihrer Reise Anfang September 2016 bis zu 42° C im Schatten ertragen. Lohn der schweißtreibende Mühe: die Beobachtung Zehntausender Weißstörche, Schwarzmilane und Wespenbussarde sowie zahlreicher Zwerg- und Schlangenadler auf ihrem Weg über die Straße von Gibraltar nach Afrika. Die Beobachtungspunkte an der Straße von Gibraltar liegen zwischen Tarifa und Gilbraltar, je nach Wind­richtung eher im Osten des Gebiets (Gibraltar) oder im Westen des Gebiets(Tarifa). Die höchste Arten- und Individuenanzahl kann man in den Monaten August und September beobachten. Dabei sind Tagesmaxima von ca. Zehntausend Vögeln zu beobachten. Insgesamt ziehen über die Straße von Gibraltar ca. 150.000 Weißstörche und über 50.000 Wespenbussarde. Thomas Hafen konnte eindrucksvolle Fotos von großen Schwärmen dieser Arten zeigen.

 

Neben der Zugvogelbeobachtung an der Straße von Gibraltar, die alljährlich viele Birder nach Andalusien lockt, gab es noch viele andere ornithologisch interessante Plätze zu besuchen. Das Hinterland von Tarifa bietet abenteuerliche Straßen und unterschiedliche Lebensräume: Feuchtgebiete wie der Strand von Tarifa mit Korallen­möwen und vielen Limikolen; steppenartige Gebiete wie bei la Janda mit Bienen­fressern und Gänsegeiern oder Reisanbaugebiete, in denen man Löffler und braune Sichler beobachten kann. In der Nähe von Barbate gab es eine weitere Ibisart zu beobachten: den Waldrapp. Einer der seltensten Vögel Europas kommt hier noch in wenigen Exemplaren vor. Im Jahr 2004 wurden 20 junge Waldrappe ausgewildert, die bis heute dort leben und intensiv betreut und erforscht werden.

 

In der karstigen Gebirgslandschaft der Sierra de Grazalema konnten Gänsegeier, Blaumerlen und Trauersteinschmätzer  beobachtet werden. Den Abschluß der Reise bildete der Nationalpark Coto de Donana. Im Hochsommer waren die Sümpfe des Nationalparks jedoch weitgehend ausgetrocknet, sodass die Beobachtungs-möglichkeiten eingeschränkt waren. In den nahegelegenen Salinen von Bonanza und der Dehesa de Abajo konnten Flamingos, Zwergseeschwalben, und Besonderheiten wie die Rotflügel­brachschwalbe beobachtet werden. 

 

Thomas Hafen zeigte eine Vielzahl interessanter Arten und gab wertvolle Tipps für eine Reise nach Südspanien. Herzlichen Dank an ihn und an Bernhard Glüer, der eine große Zahl an Fotos beisteuerte. Und vermutlich wird der ein oder andere aus der ASO in den nächsten Jahren mal nach Gibraltar reisen um sich dort das beeindruckende Schauspiel des Vogelzugs anzusehen.

(Text: Pit Brützel; Fotos: Thomas Hafen / Bernhard Glüer)

Murnauer Moos bei Tag und bei Nacht

Blick auf das Murnauer Moos (Foto: LRA GAP)
Blick auf das Murnauer Moos (Foto: LRA GAP)
Braunkehlchen
Braunkehlchen
Karmingimpel
Karmingimpel
Zwerglibelle (Nehalennia speciosa)
Zwerglibelle (Nehalennia speciosa)
Kreuzotter
Kreuzotter

Wieder einmal war der Andrang beim Ornistammtisch der ASO sehr groß. Knapp 40 Interessierte kamen, um einen Vortrag über das Murnauer Moos zu hören. Unter dem Titel „Murnauer Moos bei Tag und bei Nacht – Ein Tag im Moos Anfang Juni“  zeigte  uns Heiko Liebel, Gebietsbetreuer des Murnauer Moos am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, die interessantesten Vertreter der Fauna und Flora des Mooses.

 

Das Murnauer Moos, ca. 50 km südlich von Starnberg, ist eingeschlossen von den Ammergauer Bergen, dem Estergebirge, sowie sowie dem Molassezug zwischen Murnau und Bad Kohlgrub im Norden. Das Naturschutzgebiet „Murnauer Moos“ umfasst eine Fläche von ca. 2.377 Hektar. Heiko Liebel hatte seinen Vortrag nach dem Tagesablauf gegliedert. Er begann frühmorgens mit dem trillernden Ruf des Großen Brachvogels. Der Brachvogel ist im Murnauer Moos nur noch sehr spärlich vertreten, es gibt nur noch 1-2 Brutpaare. Durch Einzäunen der Gelege bzw. des potentiellen Brutgebiets wird versucht, den Bestand zu erhalten bzw. den Bruterfolg zu sichern – bislang leider noch mit wenig Erfolg.

 

Ebenfalls stark gefährdet ist das Braunkehlchen, die Anzahl der Brutpaare ist seit den 70iger Jahren von ca. 250 BP auf ca. 75-95  BP im Jahr 2016 gesunken. Durch ein verändertes Mahdregime (Stehenlassen von ca. 5 m breiten Brachestreifen) in den Streuwiesen, wird versucht, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Hier sind erste Erfolge nachweisbar. Trotz des Bestandsrückgangs ist das Murnauer Moos immer noch eines der bedeutendsten Braunkehlchenbrutgebiete in Bayern. Erfreulich ist dagegen die Entwicklung beim Schwarzkehlchen. Hier ist der Bestand – wie überall in Deutschland – zunehmend. Im Murnauer Moos sind inzwischen über 200 Brutpaare heimisch. Ob die Bestandsentwicklung beim Braunkehlchen und beim Schwarzkehlchen zusammenhängen, wird momentan im Murnauer Moos in einer Studie des Max Planck Instituts für Ornithologie untersucht.

 

Ein kurzer Exkurs führte uns dann zu einer „Baustelle“ am Rande des Mooses. Das Murnauer Moos ist das größte annähernd intakte Moorgebiet Mitteleuropas, es ist ein großes Naturschutzgebiet und ist ein Natura 2000 Gebiet. Seit den 90iger Jahren sind beträchtliche Mittel in die Naturschutzarbeit geflossen, das Thema  Öffentlichkeitsarbeit/Besucherinformation wurde dabei aber kaum berücksichtigt.  Das soll durch den Bau der Biologischen Station Murnauer Moos verbessert werden. Die Station soll im Jahr 2018 eröffnet werden und soll den Besuchern des Murnauer Moos die Faszination für die Natur näherbringen.

 

Weitere Vogelarten auf der „Moosautobahn“ (das ist der übliche Ornithologenspazierweg entlang der Lindach) wurden im Laufe des Vortrags vorgestellt. Zum Beispiel der Karmingimpel mit seinem Gesang „Pleased to meet you“, der nur in den Sommermonaten im Murnauer Moos anzutreffen ist, und den Rest des Jahres in Asien verbringt. Eine positive Entwicklung nimmt auch der Weißrückenspecht, der vom Erlensterben, das eine Menge toter Bäume hinterlässt, profitiert. Ob der Schwarzstorch im Murnauer Moos brütet, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, es gibt zumindest viele Beobachtungen von Schwarzstörchen auf Futtersuche. Und ob der Kranich, der bis 1897 Brutvogel im Murnauer Moos war, sich wieder im Murnauer Moos ansiedelt, wird sich zeigen. Im Jahr 2017 hat zumindest ein Individuum im Moos übersommert.

 

Heiko Liebel stellte dann noch einige Orchideenarten, wie das Wanzenknabenkraut und das strohgelbe Knabenkraut vor. Beide Arten kommen im Murnauer Moos in großen Beständen vor. Ebenso ging er kurz auf Libellen wie die Zwerglibelle und auf die im Moos vorkommenden Amphibien- und Reptilienarten vor.

 

Den Abschluss des Vortrags bildeten die nachtaktiven Bewohner, hier vor allem der Wachtelkönig, für den das Murnauer Moos das bedeutendste Brutgebiet in Bayern darstellt. Tonaufnahmen vom Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn und ein beeindruckendes Laubfroschkonzert beendeten den Vortrag.

 

Eine kurze Diskussion schloss sich an und vermutlich werden viele der Anwesenden das Murnauer Moos im nächsten Jahr wieder einmal besuchen. Auch die ASO wird wieder einmal eine Exkursion in das Murnauer Moos unternehmen und Heiko Liebel wird uns dann in der Biologischen Station Murnauer Moos empfangen und durch das Gebiet führen.

 

Ein herzliches Dankeschön an Heiko für einen tollen Vortrag mit vielen interessanten Informationen über die faszinierende Natur im Murnauer Moos.

 

(Text: Pit Brützel, Fotos: Heiko Liebel)

 

PS: Über die bisherigen ASO-Exkursionen ins Murnauer Moos kann man sich hier informieren: Juni 2014 und Juni 2016.  


Aus der Arbeit der Bayerischen Vogelschutzwarte

Steinadler (Foto: Hans-Joachim Fünfstück)
Steinadler (Foto: Hans-Joachim Fünfstück)
Gebäude der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen (Foto: Hans-Joachim Fünfstück)
Gebäude der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen (Foto: Hans-Joachim Fünfstück)

19. Juli 2017  Trotz hochsommerlicher Hitze waren gut 25 Interessierte zum Ornistammtisch der ASO gekommen. Hans-Joachim Fünfstück, der auf Einladung aus Garmisch-Partenkirchen angereist war, hielt einen Vortrag über die Arbeit der Bayerischen Vogelschutzwarte. Nach einem kurzen historischen Abriß stellte er die Aufgaben der Vogelschutzwarte kursorisch vor, um sich dann näher mit den diversen Monitoringprogrammen zu beschäftigen.

 

Die Vogelschutzwarte hat eine Fülle von Aufgaben, die aber auf Grund der Personalknappheit oftmals etwas länger brauchen bis sie erledigt sind. Ein Vergleich mit der personellen Ausstattung der Schweizer Vogelschutzwarte zeigt das deutlich. Während es in Bayern bei der Vogelschutzwarte nur 6,5 Mitarbeiter, darunter einen Biologen, gibt, beschäftigt die Schweizer Vogelschutzwarte ca. 100 Mitarbeiter (40 Biologen). Die Anzahl der Ehrenamtlichen, die von den Vogelschutzwarten in Bayern und in der Schweiz betreut werden, sind ungefähr gleich groß (Bayern: 1.300, Schweiz: 1.000). Kein Wunderalso, dass viele Aufgaben nicht oder nicht termingerecht wahrgenommen werden können.

 

Der erste Schwerpunkt des Vortrags waren die unterschiedlichen Monitoringprogramme, die von der Vogelschutzwarte betreut werden. Ziel der Monitoringprogramme ist es, den Zustand und die Veränderung der Vogelwelt zu dokumentieren. Damit wird die Politik bei umweltrelevanten Entscheidungen beraten, es werden Rote Listen und Brutvogelatlanten erstellt. Den (inter)nationalen Berichtspflichten wird mit Hilfe von Umwelt- und Nachhaltigkeitsindikatoren nachgekommen. Im Rahmen von Artenhilfsprojekten werden z.B. Weißstorch, Wiesenweihe, Ortolan, Uhu und Wanderfalke überwacht. Manche dieser Artenhilfsprogramme sind überaus erfolgreich, so z.B. das Programm für den Weißstorch. Es gibt inzwischen 480 Brutpaare des Weißstorchs in Bayern. Ebenso das Programm für die Wiesenweihe, das auch in andere Regionen Europas ausstrahlt – viele fränkische Wiesenweihen brüten inzwischen in anderen europäischen Ländern. Bei anderen  Vogelarten wie Kormoran, Saatkrähe und Graureiher  werden regelmäßig die Bestände erfasst. 90% der Arbeiten an diesen Programmen werden von Ehrenamtlichen erbracht. Auch Mitglieder der ASO arbeiten bei der Bestandserfassung von Kormoran und Saatkrähe im Landkreis Starnberg mit.   

Das Monitoring seltener Brutvögel
Das Monitoring seltener Brutvögel
Monitoring häufiger Brutvögel - Probeflächen in Bayern
Monitoring häufiger Brutvögel - Probeflächen in Bayern
Steinadler (Foto: Hans-Joachim Fünfstück)
Steinadler (Foto: Hans-Joachim Fünfstück)

 

Im sogenannten Totvogelmonitoring werden tot aufgefundene Großvögel (ab Krähengröße) untersucht und dokumentiert. Mit Abstand am häufigsten werden Mäusebussarde aufgefunden. Erschreckende Zahlen zeigte H.-J. Fünfstück über die Todesursachen. Von 223 untersuchten Fällen wurden 120 Vögel vergiftet, bei weiteren gut 50 Vögeln ist eine Vergiftung sehr wahrscheinlich. Ca. 40 Vögel wurden abgeschossen. In letzter Zeit werden in der Umgebung von geplanten Windkraftanlagen gezielt Rotmilane und Schwarzstörche verfolgt. Dass ein Zusammenhang besteht,  ist noch nicht bestätigt. Ein besonders trauriges Kapitel.

 

H.-J. Fünfstück ging dann noch kurz auf die großen Monitoringprogramme ein.  Das sind das Monitoring rastender Wasservögel (die sog. Wasservogelzählung), das Monitoring häufiger Brutvögel sowie das neue Programm „Monitoring seltener Brutvögel“. Die Wasservogelzählung und das Monitoring häufiger Brutvögel wird schon seit vielen Jahren auch von einigen Mitgliedern der ASO durchgeführt. Beim Monitoring seltener bzw. mittelhäufuger Brutvögel ergibt sich vermutlich ein neues Arbeitsgebiet für die ASO. Dabei können die von der ASO durchgeführten Kartierungen in das Monitoringprogramm einfließen. Details werden wir sicher noch im Rahmen von ASO-Aktiv mit den Mitarbeitern der Vogelschutzwarte besprechen.

 

Im zweiten Teil seines Vortrags ging H.-J. Fünfstück dann auf das Steinadlermonitoring in den bayerischen Alpen, das er mit Freunden und Kollegen seit über 30 Jahren betreibt, ein. Dabei schilderte er viele interessante Aspekte über die Verbreitung des Steinadlers, den (recht geringen) Bruterfolg in den letzten Jahren sowie über das Beutespektrum des Steinadlers. Häufigstes Beutetier ist die Gams, aber das Beutespektrum reicht von jungen Bären und Wölfen bis hin zu Vögeln in Drosselgröße. Aber auch Vögel wie Auerhuhn werden vom Steinadler gejagt, wie man eindrucksvoll in diesem Video sehen kann. 

 

In den bayerischen Alpen ist der Steinadler gut vertreten, de facto sind alle möglichen Reviere besetzt.  Schutzbemühungen wie z.B. Vereinbarungen mit der Bundeswehr über den Verzicht auf Hubschraubenflüge in einem Radius von 1 km rund um den Horst tragen zur Sicherung des Bestandes bei. Doch der Freizeitdruck durch Kletterer, Gleitschirmflieger, etc. sowie die Jagd auf Beutetiere des Steinadlers mit bleihaltiger Munition führen immer wieder zu Verlusten.

 

Mit seinem hochinteressanten Vortrag hat uns H.-J. Fünfstück einen sehr guten Überblick über die diversen Aspekte der Arbeit der Vogelschutzwarte gegeben. Herzlichen Dank dafür. Eine längere Diskussion schloß sich an und innerhalb der ASO wird das Monitoringthema in Zukunft sicher noch größeren Raum einnehmen.    

(Text: Pit Brützel)


Naturkundliche Reise in das Po-Delta

Bienenfresser
Bienenfresser
Nutria
Nutria
Triangelkrabbenspinne
Triangelkrabbenspinne
Eisvogel
Eisvogel
Wolfsmilchschwärmer
Wolfsmilchschwärmer
Wiedehopf
Wiedehopf

23.05.2017    Knapp 30 Ornis hatten sich zum Ornistammtisch  im „Il Plonner“ eingefunden, um Claudia Höll auf einer naturkundlichen Reise in das Po-Delta in Norditalien zu begleiten.

 

Der Po ist der größte Fluss Italiens. In der Gegend von Ravenna spaltet sich der Po in eine Vielzahl von Flussarmen und Kanälen auf und prägt das Landschaftsbild. Auf Grund der Sandstrände an der Adriaküste ist die Region des Po-Deltas vor allem bei Strandurlaubern beliebt, aber auch Naturbegeisterte kommen auf ihre Kosten. Neben großen landwirtschaftlich genutzten Flächen lassen sich unterschiedliche Naturschutzgebiete finden, die von Binnenwasserflächen bis hin zu unterschiedlichen Waldformen reichen. An all diesen Orten gibt es eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren. Die Pflanzenwelt zeigt eine Auswahl an Orchideen, z.B. die Bienenragwurz oder die Adriatische Riemenzunge, Pilzen, wie den Roten Gitterling, oder unterschiedliche küstendünen-typische Pflanzen wie die Stranddistel.  

 

Neben unterschiedlichen Schlangen-, Eidechsen- und Schildkrötenarten, wie zum Beispiel der Würfelnatter, der Ruineneidechse oder der Griechischen Landschildkröte, zeigen sich in der Tierwelt Insekten, wie die Nasenschrecke, die Gottesanbeterin und eine Vielzahl an Schmetterlingen und Libellen. Die Spinnen werden unter anderem durch die Triangelkrabbenspinne oder die Goldaugenspringspinne vertreten. Über all die unterschiedlichen Landschaftsbilder hinweg zeigen sich Nutrias, die ursprünglich aus Südamerika stammen, als Vertreter der Säugetiere.  

 

Für Ornithologen ist das Gebiet durch eine große Bandbreite an vorhandenen Vögeln interessant. Im Po-Delta sind alle Reiherarten heimisch, daneben verschiedene Greif- und Eulenvögel, Löffler, Flamingos, Enten und eine Vielzahl an verschiedenen Möwen, Seeschwalben und Limikolen. Auch Bienenfresser, Wiedehopfe und Blauracken sind in der Region des Po-Deltas keine Seltenheit.   

 

An zahlreichen Stellen z.B. um Comacchio, der Punte Alberete, dem Valli di Ostellato oder auch in der Pineta di Classe sind Vogelbeobachtungsstellen eingerichtet, die zumeist nach einem kleinen Spaziergang leicht zugänglich sind. Auch lohnt es sich, die landwirtschaftlichen Gegenden des Po-Deltas mit dem Auto als fahrendes Tarnzelt zu erkunden, da sich die Vögel dem Auto gegenüber weniger scheu zeigen als Fußgängern. Wer sich neben der Natur für Kultur interessiert, kommt mit der Architektur von Ravenna, Comacchio und Ferrara auf seine Kosten.   

 

Claudia Höll verstand es ausgezeichnet, die Zuhörer mit gelungenen Fotos über die Naturschönheiten des Po-Deltas zu begeistern. Beeindruckend war die Vielfalt an Landschaftsformen sowie die vielen  Tier- und Pflanzenarten, die alle auf Artebene bestimmt wurden und die den anwesenden Ornis einen guten Eindruck über die Fauna und Flora des Gebiets jenseits der Vogelwelt gab. Herzlichen Dank an Claudia Höll, die einen sehr beeindruckenden Vortrag hielt.

 (Fotos: Claudia und Wolfgang Höll; Text: Claudia Höll/Pit Brützel)


Warum wird Vogelbeobachtung vor der Haustür nie langweilig?

Staatliche Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen (Foto: Dr. Einhard Bezzel)
Staatliche Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen (Foto: Dr. Einhard Bezzel)
Buchfink (Foto: Ursula Wiegand)
Buchfink (Foto: Ursula Wiegand)
Mönchsgasmücke (Foto: Ursula Wiegand)
Mönchsgasmücke (Foto: Ursula Wiegand)
Kohlmeise (Foto: Thomas Hafen)
Kohlmeise (Foto: Thomas Hafen)
Hausrotschwanz (Foto Bernhard Glüer)
Hausrotschwanz (Foto Bernhard Glüer)
Stieglitz (Foto: LBV-Archiv - Rosl Roessner)
Stieglitz (Foto: LBV-Archiv - Rosl Roessner)

15.3.2017   Dieses Mal hatte der Ornistammtisch einen besonderen Referenten. Dr. Einhard Bezzel, 33 Jahre Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen und bekannter Ornithologe, hatte sich bereit erklärt zum Thema „ Warum wird Vogelbeobachtung vor der Haustür nie langweilig?“ vorzutragen. Der Nebenraum im Plonner in Oberpfaffenhofen war brechend voll, über 40 Interessierte waren zum Ornistammtisch gekommen. In einem überaus interessanten Vortrag berichtete Dr. Bezzel über Ergebnisse diverser langfristiger Beobachtungsreihen vor seiner  Haustür im Werdenfelser Land.

 

Bei der Vogelschutzwarte, die sich bis zum Amtsantritt von Dr. Bezzel in den 60iger Jahren mehr  mit der Bekämpfung von Schädlingen und der Förderung von Nützlingen beschäftigte als mit ornithologischen Fragestellungen, wurde eine langfristige Beobachtungsreihe aufgesetzt. Dazu wurden alle Vögel, die rund um das Gebäude der Vogelschutzwarte beobachtet werden konnten,  notiert. Dr. Bezzel nannte dieses Programm scherzhaft „bayrische Staatsbedienstete  schauen aus dem Fenster und zählen Vögel“. Aus diesem Programm wurden beispielhaft einige Ergebnisse vorgestellt. Der erste Gesang der Buchfinken sich in den letzten 40 Jahren stark vorverlegt. Im Schnitt singt der Buchfink pro Jahrzehnt der Beobachtungsreihe um 5 Tage früher. Ein Zugvogel wie die Mönchsgrasmücke kommt immer früher in unserem Gebiet an und zieht immer später weg. Die Vögel waren also schon frühzeitige Anzeiger für den Klimawandel. Allerdings sind die Interpretationen der Beobachtungen nicht ganz einfach. Bei der Kohlmeise bspw. wurde ebenfalls eine Vorverlagerung des 1. Gesangs über die Jahre festgestellt. Der Bruterfolg, d.h. das erste Auftauchen flügger Jungvögel blieb allerdings über die Jahre konstant.

 

Ein zweites Programm war die Untersuchung der Talregion zwischen Garmisch-Partenkirchen und Murnau. Dazu wurden in 30 Jahren Abstand über 3 Jahre hinweg zwei Zählreihen durchgeführt. In diesen 30 Jahren hat sich die Individuenanzahl der beobachteten Vögel um 36% verringert. Bei 29 der festgestellten Arten hat sich die Individuenzahl um mehr als 50% verringert, nur bei 5 Arten hat sich die Anzahl verdoppelt. Ein besonders starker Rückgang konnte bei den Vögeln der Feldflur wie Braunkehchen (Abnahme um 74%)  und Feldlerche (Abnahme um 84%) festgestellt werden. Eine ausführliche Darstellung der vielfältigen  Ergebnisse dieser Untersuchung findet man in folgender Veröffentlichung von Dr. Bezzel. 

 

Abschließend berichtete Dr. Bezzel noch über „Seniorenornithologie“. In einer Untersuchung zur saisonalen Bestandsdynamik, die er seit 2008 durchführt, wird jeden Monat die Vogelwelt in Garmisch Partenkirchen untersucht. Dazu werden auf  8 Routen pro Monat durch das Stadtgebiet und seine Umgebung eine Linie von insgesamt 57,5 km zwischen 8 und 11 Uhr bei geeigneten Witterungsverhältnissen abgeschritten und dabei die Individuenkontakte gezählt. Seit Beginn des Programms ist Herr Bezzel gut 6.200 km gelaufen, das entspricht der Strecke von Garmisch bis zur Mongolei. Aus dieser Untersuchung wurden diverse Ergebnisse vorgestellt. Besonders interessant war die jahreszeitliche Verteilung von Arten wie Hausrotschwanz und Stieglitz. Dazu wurden die Planquadrate des Untersuchungsgebiets in 2 Klassen eigeteilt – in Gebiete mit mehr als 50% Bebauung („Stadt“) und in Gebiete mit weniger als 50% Bebauung („Stadtrand“). In der ersten Jahreshälfte entwickelten sich die Bestände in den beiden Gebieten ähnlich, ab Juli konnte nachgewiesen werden, dass die Bestände in den „Stadtgebieten“ stark zurückgehen, während sie in den „Stadtrandgebieten“ stark zunehmen. Die Vögel müssen also nach der Aufzucht der Jungen „umziehen“, um genügend Nahrung zu finden. Ursache ist vermutlich die Art und Weise der Gartenpflege in den Stadtgebieten. Ein Bonmot von Loriot zu diesem Thema: „Der Gärtner bedient sich hierzu waffenähnlicher Werkzeuge.“ Aufräumwahn, exotische Pflanzen  und häufiges Mähen der Grünflächen führen zu einem Nahrungsengpass im Hochsommer, so dass die Vögel auf die Stadtrandgebiete ausweichen müssen.

 

Neben diesen drei Untersuchungen gab es noch eine Vielzahl an Informationen und Anekdoten zur Vogelbeobachtung, den Roten Listen, zu Statistiken, Entdeckungswahrscheinlichkeiten und besonderen Beobachtungen.  Eine Darstellung all dieser Themen würde aber den Umfang dieses Berichts sprengen. An den Vortrag schloss sich eine längere Diskussion an, bei der alle gestellten Fragen ausführlich beantwortet werden konnten. Besonderen Wert legte Dr. Bezzel dabei auf die Feststellung, dass Natur dynamisch sei und dass die Betrachtung der dynamischen Veränderung der Bestände wesentlich wichtiger sei als die Ermittlung absoluter Bestandszahlen. Mit einem lang anhaltenden Applaus bedankten sich die Zuhörer beim Referenten. Viele werden wohl nun auch die Allerweltsarten vor der Haustür mit anderen Augen betrachten.

 

Ein großes Dankeschön an Dr. Einhard Bezzel, der alle Teilnehmer mit seinem Vortrag begeisterte.

 

(Text: Pit Brützel)


Ornithologischer Jahresrückblick 2016

25. Januar 2017  Trotz eisiger Kälte hatten sich ca. 20 Ornithologen zum 1. Orni-Stammtisch des Jahres 2017  im Gasthof "Il Plonner" in Oberpfaffenhefen eingefunden.

 

Thema des Vortrags von Pit Brützel war ein Rückblick auf das vergangene Jahr. Dabei wurde auf die vielfältigen Aktivitäten der ASO eingegangen. Der Referent berichtet kurz über die Exkursionen und Vorträge der ASO, die im vergangenen Jahr stattgefunden hatten. Ebenso ging er auf die monatlich erscheinenden Vogelportrats sowie auf die vielfältigen Aktivitäten der ASO-Aktiv Gruppe ein. Schwerpunkt des Vortrags waren aber die ornithologischen Beobachtungen aus dem vergangenen Jahr, wie sie im Jahresbericht 2016 dargestellt wurden.

 

Der Jahresbericht dokumentiert neben der Auswertung der  über 26.000 Beobachtungen aus dem ornitho.de auch unterschiedliche  Kartierungen (u.a. Weiherbuchet, Manthal, Kiesgruben bei Oberbrunn, Feldflur bei Unterbrunn) der ASO. Daneben werden die Ergebnisse diverser Monitoringprogramme (u.a. Internationale Wasser­vogelzählung, Monitoring häufiger Brutvogel) dargestellt. 212 Vogelarten konnten im Berichtsjahr 2016 im Landkreis Starnberg beobachtet werden.

 

Wer sich für die Vogelwelt am Starnberger See und im Landkreis Starnberg interessiert, findet den Bericht als pdf-Datei hier.  Außerdem kann der Bericht in gedruckter Form gegen einen Unkostenbeitrag beim LBV Starnberg (starnberg@lbv.de) bestellt werden.

 

(Text: Pit Brützel)

LBV QUICKNAVIGATION