Viola alba - Das weiße Veilchen

Nicht jedes weiße Veilchen ist ein Weißes Veilchen. Letzteres, d.h. Viola alba zu finden, ist schon etwas Besonderes, denn dieses gibt es in Deutschland nur sehr selten, am Oberrhein und eben bei uns, in der Starnberger Gegend - aber auch da nur an sehr wenigen Plätzen. Das Weiße Veilchen wird auf der Roten Liste für Bayern als „stark gefährdet“ (Stufe 2) geführt. Abgesehen von der Blütenfarbe unterscheidet es sich wenig von dem aus Gärten bekannten Duft-Veilchen (Viola odorata), das sich ja schon seit längerem auch selbständig in der Landschaft verbreitet. Übrigens: auch Viola alba duftet.

 

Nun gibt es aber auch vom Duft-Veilchen weiße Farbvarianten - und nun wird es schwierig: das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist, dass der Sporn beim Weißen Veilchen ebenfalls weiß, vielleicht auch ein wenig gelblich-grün ist, während der Sporn eines weißen Duft-Veilchens gewöhnlich – aber nicht immer! – eine leicht violette Färbung hat. Allerdings gibt es auch eine Unterart von Viola alba (nämlich subsp. scotophylla) mit hellviolettem Sporn. Deutlicher lassen sich die Arten an der Form der Nebenblätter unterscheiden; das sind kleine Blättchen, die am Ansatz des Blattstiels - also ziemlich unten am Boden – sitzen. Sind die eher langstreckt oder oval? haben die längere oder kürzere Fransen? – also Fragen, die man am besten beantworten kann, wenn man beide nebeneinander zum Vergleich vor sich hat.

 

Und außerdem kommen mitunter auch Bastarde zwischen Weißem Veilchen und Duft-Veilchen vor.

 

Nicht weit von mir zuhause habe ich ein weißes Veilchen entdeckt. Das ist zwar in unmittelbarer Siedlungsnähe, aber doch an einem Ort, wo nicht ganz auszuschließen ist, dass Relikte aus der früheren Vegetation erhalten geblieben sind. Um was handelt es sich? Deshalb war ich froh, als mir Peter Witzan mailte, dass er an einem Waldrand zwischen Starnberg und Ammersee größere Bestände von Viola alba entdeckt hat. Das musste ich mir ansehen. Wir fuhren hin, und bald konnte ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die dortigen Veilchen echte Weiße Veilchen - und das bei mir um die Ecke weiße Duft-Veilchen.

 

An dem dortigen Platz ist auch eine Stelle mit violetten Duft-Veilchen und zwischen diesen verstreut auch weißen Veilchen. Deren Nebenblätter lassen sich – jedenfalls in diesem frühen jahreszeitlichen Entwicklungsstadium - nicht so klar der einen oder anderen Form zuordnen. Also eine Hybride? Oder doch eine der Elternarten? Da gibt es also im Sommer noch was zu tun…

 

(Text: Rudi Netzsch; Fotos: Peter Witzan)

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