Der Jaudesberg bei Breitbrunn

Blick vom Küchenschellenhang zum Ammersee
Blick vom Küchenschellenhang zum Ammersee
Königsberg
Königsberg
Gleitschirmflieger am Jaudesberg
Gleitschirmflieger am Jaudesberg

In der Würm-Eiszeit hat die Ammersee-Gletscherzunge des mächtigen Isar-Loisach-Gletschers Seiten­moränen hinterlassen, die heute die Hänge zwischen Herrsching über Breitbrunn und Inning bis Grafrath bilden. Auf deren wasserdurchlässigem Kies haben sich trockene Böden gebildet. Zusammen mit der west- bis südwest-orientierten, also der Sonne zugewandten Exposition konnten sich dort trockene und nähr­stoff­arme Kalk-Magerrasen etablieren.

 

Der Höhenzug des „Jaudesbergs“ erstreckt sich, teils bewaldet, östlich von Breitbrunn über etwa einen Kilometer hin. Höchster Punkt mit der Kapelle für den Europa-Heiligen Benedikt ist der „Königsberg“, 617 m über NN und damit 84 m über dem Seespiegel des Ammersees. Diesen Namen verdankt er Ludwig II., der (auch) dort einmal ein Schloss geplant hat. Die wunderbare Aussicht auf den nahen Ammersee, die fernen Bergketten der Ammergauer und Allgäuer Alpen und die sanften Hügel des west­lichen Hinterlandes des Ammersees macht diesen - zum Glück nie realisierten - Plan verständlich. Der merk­würdige Name „Jaudes­berg“ soll, aus welchen Gründen auch immer, an „Judas“ erinnern. Nur wird zur Abwehr eines Namens­fluches dieser „verdammte Name“ nicht direkt ausgesprochen – vom Teufel als „Gottseibeiuns“ ist das ja auch bekannt.

 

Der Westhang des Königsberges hätte durchaus das Potential für einen blütenreichen Halbtrocken­rasen. Er wur­de trotz seiner extensiv bewirtschafteten Mähwiesen leider nicht in das umgebende FFH-Gebiet 7932-372 „Ammerseeufer und Leitenwälder“ eingebunden. Belastet wird dieser dem Westwind zugewandte Hang durch die zahlreichen Gleitschirmflieger, die nicht nur die Vogelwelt vertreiben. Sie lassen sich auch vom Wind beim Wiederaufstieg den Hang hinauf vom Wind unterstützen und treten dabei auch noch die Wiesen nieder.

 

Im südlichen Teil des Jaudesberg-Höhenzuges findet sich eine Pflegefläche des LBV, der Küchen­schellen­hang.

 

 

Der Küchenschellenhang am Jaudesberg

Küchenschelle
Küchenschelle
Silberdistel
Silberdistel
Bläulinge am Küchenschellenhang
Bläulinge am Küchenschellenhang
Abheuen am Jaudesberg
Abheuen am Jaudesberg

Der LBV pflegt einen mit 2,8 ha relativ kleinen, südlich des Königsberges im Wald versteckten Trocken­hang, der „Küchenschellenhang“ genannt wird. Denn dort war die Küchenschelle (Pulsatilla vul­garis, RL BY 3) noch 1985 „massenhaft vorgekommen“, wie in der damaligen Biotopkartierung vermerkt wurde. Im Jahr 2016 waren grade mal noch drei blühende Exemplare zu finden, aber auch schon 20 Jahre früher war sie fast völlig ver­schwun­den. Über die Gründe wird spekuliert. An mangelnder Pflegemahd des Hanges kann es nicht gelegen haben, wird der Hang doch seit Anfang der 1990er Jahre vom LBV regel­mäßig spät gemäht. Es kursiert die Vermutung, gewissenlose Heilpraktiker hätten die in der Volksmedizin als Heilpflanze ge­führten Küchen­schellen ausgegraben. Andere vermuten, dass die Umstellung von einer früheren, aber nicht bezeugten Schafbeweidung auf die Mahd die Ursache sei. Eine weitere These geht davon aus, dass der un­vermeidliche Stickstoffeintrag aus der Luft – er entspricht in drei Jahren etwa einer Volldüngung – Ursache sein könnte. Nicht zuletzt wird die Moosbildung auf dem eigentlich sehr trockenen und sonnigen Hang dafür verantwortlich gemacht, dass die mit langer „Flugfeder“ versehenen Samen nicht mehr aufgehen, weil sie auf keinen offenen Boden mehr gelangen – auch das wäre eine Folge ausbleibender Be­weidung mit den damit einhergehenden Bodenverletzungen durch Hufe.

 

In einem von der Regierung von Oberbayern genehmigten Projekt hat der LBV damit begonnen, junge Pflänzchen der Küchenschelle wieder einzupflanzen. Diese wurden aus „autochthonem“ Material, d. h. aus Samen aus der hiesigen Region professionell nachgezogen. In der Zwischenzeit freuen wir uns über die zahlreichen Silberdisteln (Carlina acaulis) - im August 2017 mindestens 54 Blütenstände.

 

Vereinzelt findet sich der Frühlingsenzian (Gentiana verna, RL BY 3), der Klebrige Lein (Linum viscosum, RL BY 2) und zahlreiche Schlüsselblumen – und zwar von der nicht so häufigen Art der Wiesen-Schlüs­sel­blume (Primula veris). Zuzeiten breitet die  Ästige Graslilie (Anthericum ram­osum) einen Blütenteppich über den Hang aus. Das Vorkommen der Feuerlilie (Lilium bulbiferum) und der Sumpfgladiole (Gladiolus palustris) führen wir eher auf ein (unerlaubtes) Ausbringen ortsfremder Arten zurück. Kleiner und Be­grann­ter Klappertopf, Wiesen- ­und Scabiosen-Flocken­blume und Wilde Möhre in großer Zahl zeigen aber an: Wenn auch die Zahl der Pflan­zenarten der Roten Listen überschaubar ist, so ist doch der Küchen­schellen­hang durch seine Blumenvielfalt und seinen Blütenreichtum ein wahres Paradies für Heuhüpfer und Tagfalter, vor allem für Bläulinge.

 

Sorgen bereitet uns das (heimische) Breitblättrige Laserkraut (Laserpitium latifolium), das sich hier wie auch auf anderen wertvollen Flächen auszubreiten droht. Vielleicht liegt das daran, dass die Bäume unter­halb des Hangs höher werden und ihr Schatten das Laserkraut begünstigt.

 

Die Mahd auf dem unterschiedlich steilen, stufenweise abfallenden Gelände ist nicht immer ganz einfach. Wir lassen gezielt bis zu 25 % der Fläche ungemäht stehen. Damit bleibt vor allem dort das Samenpotential erhalten und Eier und Larven von Insekten überleben, sodass sich die Arten weiter ausbreiten können. Um die Silberdisteln machen wir ohnedies einen Bogen und mähen dort nicht mit dem Balkenmäher, sondern mit der Motor­sense. Für alle Mühen entschädigt der freie Blick über die Landschaft, stellenweise auch auf den friedlich daliegenden Ammersee, den „Bauern­see“.

Ästige Graslilie
Ästige Graslilie
Skabiosenflockenblume
Skabiosenflockenblume
Schlüsselblumen
Schlüsselblumen
Klebriger Lein
Klebriger Lein
Kleines Knabenkraut (Orchis morio)
Kleines Knabenkraut (Orchis morio)
Wilde Möhre
Wilde Möhre

(Text: Horst Guckelsberger / Dr. Rudi Netzsch. Fotos: Horst Guckelsberger)

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