Winterliche Ruhezonen für Wasservögel

Am Starnberger See gelten von 01. November bis 31. März die Winterruhezonen für Wasservögel. Zu dieser Zeit bevölkern bis zu 25.000 Wasservögel den See (gegenüber ca. 1000 im Mai). Die Zugvögel kommen aus Brutgebieten in Nordeuropa, Osteuropa und Russland, um auf dem klaren, weitestgehend eisfreien See zu rasten und zu überwintern. Die Winterruhezonen für Wasservögel umfassen die Nordbucht, die Südbucht, den Karpfenwinkel und die Bereiche rund um die Roseninselbucht (siehe Karte).  

 

 

Gerade im Winter brauchen die weit gereisten Vögel Ruhe, um ihre Fettreserven wieder aufzufüllen und sie zu schonen. Ihre Nahrung finden sie dabei vor­wiegend in ufernahen Flachwasserzonen. Hier sind sie auf beruhigte Bereiche angewiesen, denn ihre natürliche Zug-Unruhe, der länderübergreifende Jagddruck und die Herkunft aus kaum besiedelten Gebieten machen sie besonders empfindlich gegenüber Störungen. Eine Annäherung des Menschen führt meist zu Flucht und Auffliegen, wobei diese "Kaltstarts" die Ener­gie­re­serven besonders strapazieren.

 

 

Meist verursachen private Wassersportler die größten Störungen. Surfer und Kitesurfer fahren sehr schnell und weiträumig. Doch auch einzelne Stehpaddler und Kajakfahrer können enorme Störungen hervorrufen, wenn sie entlang des Ufers fahren und dort Hunderte Vögel aufschrecken. Alle Wassersportler sollten daher im Winter die Ruhezonen meiden und größere Vogelan­samm­lun­gen grundsätzlich weiträumig (mind. 400 m) umfahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Roseninselbucht ist einer der wichtigsten Rückzugsorten für Wasservögel (Foto: H. Guckelsberger)
Die Roseninselbucht ist einer der wichtigsten Rückzugsorten für Wasservögel (Foto: H. Guckelsberger)
Surfen in den Winterruhezonen kann Tausende Vögel aufschrecken (Foto: A. Gehrold)
Surfen in den Winterruhezonen kann Tausende Vögel aufschrecken (Foto: A. Gehrold)
Stehpaddeln in den Winterruhezonen vertreibt die Vögel aus ihren Nahrungsgründen (Foto: C. Haass)
Stehpaddeln in den Winterruhezonen vertreibt die Vögel aus ihren Nahrungsgründen (Foto: C. Haass)

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) bittet alle See­­nutzer, sich ihrer Verantwortung für die Natur bewusst zu sein und Störungen zu ver­meiden. Vorreiter ist der Bayerische Seg­lerverband. Seine Mitglieder verzichten zwischen dem 01.11. und 30.04. gänzlich auf die Ausübung ihres Sportes. Auch der Baye­rische Ru­der­verband hat sich 1997 in einer frei­willi­gen Verein­ba­rung mit dem Um­welt­minis­terium zur Rücksicht­nahme ver­pflich­tet (zwischenzeitlich in lokal modifizierter und der Praxis angepasster Version*). Die örtlichen Rudervereine wie MRSV und MRC befahren den See nur auf einem mittig gelegenen Korridor. Sie meiden also die ufernahen Abschnitte, auf die die Wasservögel bei der Futtersuche angewiesen sind. Dankenswerter Weise haben sich auch die Werftbesitzer und die Fischereigenossenschaft „Würmsee“ zum Schutz der Wasservögel bekannt. Gemeinsames Ziel ist es, die Seenutzung mit den Notwendigkeiten des Naturschutzes zu vereinbaren - im gemeinsamen Interesse.

 

 Vom LBV ergeht die ebenso dringende wie herzliche Bitte, die Ruhezonen schon ab Oktober zu meiden. Dann treffen bereits Tausende von Zugvögeln ein. Gerade die beschilften Flachwasserzonen sind auch im Sommer für brütende und mau­­sernde Wasservögel sowie für den Fischlaich von Bedeutung. Dazu zählen die die Roseninselbucht, der Karpfenwinkel und die ufernahen Bereiche der Südbucht. Diese Ganzjahresschutzgebiete und Fischschonbezirke sind im Ruhezonen-Merkblatt (à Link: https://www.lk-starnberg.de/media/custom/613_4906_1.PDF?1165233153) des Landratsamtes Starnberg zusammengestellt.

 

 Korridore für Sportruderer

 Verlassen der Bucht möglichst fern von bei­den Ufern; Befahren etwa der Seemitte. Dabei sprechen Sicher­heits­gründe dafür, für die

  • Fahrt nach Süden den westlichen Teil, für die
  •  Fahrt nach Norden den östlichen Teil die­ses mittleren Fahr­strei­fens zu nutzen.

 

  Zeitliche Beschränkung (Nov-Mär):

  • Unter der Woche: ab 10 Uhr bis eine Stunde vor Sonnenuntergang
  •  am Wochenende: ab 9 Uhr bis eine Stunde vor Sonnenuntergang (SU: 1.11. / 1.2.: ca. 17:00 h  1.12. / 1.1.: ca. 16:20 h)

  

*) Anmerkung: Die ursprüngliche Vereinbarung mit dem Bayerischen Ruderverband hatte den Ruderern mit Hafen in der Ruhezone "Starnberger Bucht" zwei zwischen 80 m und 150 m breite Korridore zugestanden, damit sie den freien See erreichen können. Die Befahrung dieser äußerst ufernahen Korridore entlang des Ost- und des Westufers wäre absolut kontraproduktiv für den Wasservogelschutz, sie entspricht weitgehend auch nicht der bisher geübten Ruderpraxis am See. Deshalb haben ausführliche Diskussionen mit aktiven Ruderern zu o. g. Modifikation geführt. Sie soll die Notwen­dig­­keiten des Vogel­schutzes mit den relevanten Sicherheitsbedürfnissen der Ruderer vernünftig in Einklang bringen. Der LBV vertraut darauf, dass sich alle Rudervereine am See dieser Modifikation anschließen.      


Störungen durch Wassersportler am Starnberger See

Wasservögel auf der Flucht (Foto: W.Frisch)
Wasservögel auf der Flucht (Foto: W.Frisch)

In einer vom LBV Co-betreuten studentischen Masterarbeit von Matthias Bull (Hochschule Anhalt, Standort Bernburg) sollen mögliche Einflüsse der neuen Trendsportart Stand Up Paddling (SUP) sowie anderer Wassersportarten auf Wasservögel untersucht und in beiderseitigem Interesse Lösungsansätze zur Konfliktvermeidung entwickelt werden. Teil der Arbeit ist die Auswertung standardisierter Protokollbögen, die den Vogelbeobachtern und Wasservogelzählern in Bayern verfügbar gemacht werden.

 

Tragen Sie mit Ihren Beobachtungen zur Untersuchung bei!

Als Ergänzung zur bayernweiten Erfassung von Störereignissen durch Stehpaddler, sollen unter anderem am Starnberger See weitergehende Untersuchungen  stattfinden. Hier sollen möglichst viele Vogelbeobachter dafür gewonnen werden, auch Störungen durch andere Wassersportarten und Beobachtungsgänge ohne Störereignisse zu protokollieren.

 

Wir bauen auf Ihre Mithilfe! Wenn Sie regelmäßig am Starnberger See beobachten und Zeuge eines Störereignisses durch Wassersportler werden, füllen Sie bitte den vorgefertigten Protokollbogen aus. Findet während Ihres Beobachtungsgangs keine Störung statt, notieren Sie dies bitte in der hier herunterladbaren Excel-Tabelle. Ausgefüllte Bögen und Tabellen schicken Sie bitte an folgende E-Mailadresse: wasservoegel-sup@web.de. Den Protokollbogen für Störungen können Sie hier herunterladen. Die Excel-Tabelle für die Dokumentation der Nullmeldungen  können Sie hier herunterladen.

 

Beobachten Sie mehrfach Störungen aus ein und demselben Gebiet, scheuen Sie sich nicht erneut Protokollbögen zu schicken – jede Dokumentation zählt! Sehr gerne werden auch Protokolle über ältere Vorfälle entgegengenommen.


 
Die Datensammlung erfolgt zunächst von Oktober 2016 bis April 2017. Der kommende Winter wird erste Erkenntnisse über die Häufigkeit und Dimension der Störereignisse bringen. Eine Fortsetzung der Aufnahmen im Winterhalbjahr 2017 / 2018 wird angestrebt.

 

Weitergehende  Informationen über die Aktion finden Sie auch auf der folgender Seite.

 

 

Aktualisierung der Informationen durch Matthias Bull (Mai 2017):

Bezüglich der Masterarbeit zum Thema Störungsökologie überwinternder und rastender Wasservögel mit dem Schwerpunkt auf den Auswirkungen der neuen Trendsportart Stand Up Paddling (Stehpaddeln) soll die Datenaufnahme für dieses Winterhalbjahr abgeschlossen werden. Jeden, der Störungen in diesem oder vergangenen Winterhalbjahren protokollieren konnte, möchte ich an dieser Stelle bitten, die gesammelten Meldungen nun an die folgende E-Mail-Adresse zu schicken, damit die Beobachtungen in die Auswertung mit einfließen können:  wasservoegel-sup@web.de

 

In gedruckter Form können die Protokolle auch postalisch an die folgende Adresse verschickt werden:

Matthias Bull

Potsdamer Straße 6

91438 Bad Windsheim

 

Die Protokolle zur standardisierten Dokumentation von Störereignissen durch Stehpaddler können unter http://www.lbv.de/aktiv-werden/mitmachaktionen/stand-up-paddling.html kostenlos heruntergeladen werden. Dort finden Sie auch weitere Informationen zur Masterarbeit.

Bisher gingen 159 Meldungen zu Störungen von Wasservögeln durch Wassersportler ein, wovon 68 Meldungen Störungen durch Stehpaddler beschreiben. Gerne nehme ich auch Meldungen über Störungen durch andere Wassersportarten entgegen (auch ältere Meldungen). Besonders interessant sind auch in diesen Fällen, welche Arten betroffen waren, ab welchen Entfernungen die Vögel auf den Wassersportler erste Reaktionen zeigten,  wie hoch die Fluchtdistanz der unterschiedlichen Arten in etwa war und wie sich die Vögel im Einzelfall verhalten haben.

 

Allen Meldern, die bereits Daten beigesteuert haben, an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön! Jede Ihrer Meldungen trägt zur Qualitätssteigerung der Arbeit bei! Die fertige Ausarbeitung wird zu gegebener Zeit selbstverständlich für Vogelschutzzwecke zur Verfügung gestellt.   

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