Umsetzung der Freiwilligen Vereinbarung des Bayerischen Ruderverbandes zum Schutz der rastenden und überwinternden Wasservögel im Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung - Ramsar-Gebiet "Starnberger See"

Wasservögel am Starnberger See (Foto: Horst Guckelsberger)
Wasservögel am Starnberger See (Foto: Horst Guckelsberger)

Wasservögel, die vorwiegend von Mitte September bis Ende März hier in großer Zahl (bis zu 25.000 gegenüber ca. 600 im Mai), auf dem See anzutreffen sind, kommen als Zugvögel aus Skandinavien, dem Baltikum, West­-Russ­land, sogar aus Sibirien jenseits des Ural, um auf dem klaren, weitgehend eisfreien See zu rasten und zu überwintern.

 

Sie brauchen Ruhe, um ihre Fettreserven wieder aufzufüllen und sie zu schonen. Nahrung finden sie vor­wiegend in ufernahen Flachwasserzonen. Störungen führen zu Flucht und Auffliegen; bei diesen "Kaltstarts" werden die Ener­gie­re­serven besonders strapaziert. Natürliche Zug-Unruhe, ihre Herkunft aus menschen­leeren Gebieten, Jagd- und Freizeitdruck führen bei diesen Wintergästen zu erhöhter Empfind­lichkeit ge­gen­über Störungen aller Art.

 

Darüber hinaus sind auch im Sommer brütende und mau­­sernde Wasservögel störungsempfindlich. Für sie und für die Fischlaich sind eigene Ganzjahres-Schutzzonen aus­ge­wiesen.

 

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) bittet daher alle See­­nutzer, sich ihrer Verantwortung für die Natur bewusst zu sein und Störungen zu ver­meiden. Vorreiter ist der Bayerische Seg­lerverband, seine Mitglieder verzichten zwischen dem 01.11. und 30.04. gänzlich auf die Ausübung ihres Sportes. Auch der Baye­rische Ru­der­verband hat sich 1997 in einer frei­willi­gen Verein­ba­rung mit dem Um­welt­minis­terium zu fol­gender, zwischenzeitlich lokal modifizierter und der Praxis angepasster Version *)  zur Rücksicht­nahme ver­pflich­tet. Dankenswerter Weise haben sich auch die Werftbesitzer und, in einer eigenen Erklärung sinngemäß, die Fischereigenossenschaft „Würmsee“ zum Schutz der Wasservögel bekannt. Gemeinsames Ziel ist es, aus Einsicht einen einvernehmlichen Ausgleich der Interessen der Seenutzer mit den Notwendigkeiten des Naturschutzes zu erreichen - im gemeinsamen Interesse.

 

 

 

Vom Anfang November bis Ende März:

Zeitliche Beschränkung:

  • Unter der Woche: nicht vor 10 Uhr und bis eine Stunde vor Sonnenuntergang(SU: 1.11. / 1.2.: ca. 17:00 h  1.12. / 1.1.: ca. 16:20 h)
  • am Wochenende: nicht vor 9 Uhr und bis eine Stunde vor Sonnenuntergang (SU: 1.11. / 1.2.: ca. 17:00 h  1.12. / 1.1.: ca. 16:20 h)

 

Räumliche Beschränkung (siehe Karte)

  • Rot kariert: Ganzjährige Schutzzonen, teilweise Natur­schutz­gebiet oder gesetzlich Geschützter Land­schafts­bestand­teil, Röh­richt­zone oder Fischschonbezirk.
  • Rot waagrecht gestreift: Winterliche Ruhezonen: Von Anfang No­vem­ber bis Ende März vereinbart.

Vom LBV ergeht die ebenso dringende wie herzliche Bitte, diese Zonen bereits ab Oktober zu meiden. Dies gilt vor allem für die weitere Umgebung und erst recht für die Bucht bei der Rosen­insel, den Karpfenwinkel, den Uferstreifen zwischen Bernried und St. Heinrich, das mittlere Ostufer und die Starnberger Bucht.

 

Korridore für Sportruderer

Grundsätzlich sollen alle größeren An­samm­lun­gen von Wasservögeln weiträumig (mind. 400 m) umfahren wer­den.

Abweichend von der Vereinbarung von 1997 wird von örtlichen Rudervereinen wie dem MRSV und dem MRC ge­meinsam mit dem LBV Starnberg er­probt:

Verlassen der Bucht möglichst fern von bei­den Ufern, Befahren etwa der Seemitte. Dabei sprechen Sicher­heits­gründe dafür, für die

  • Fahrt nach Süden den westlichen Teil, für die
  • Fahrt nach Norden den östlichen Teil die­ses mittleren Fahr­strei­fens zu nutzen.

 

Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Starnberg (LBV)

 

 

Anmerkung:

*) Die ursprüngliche Vereinbarung mit dem Bayerischen Ruderverband hatte den Ruderern mit Hafen in der Ruhezone "Starnberger Bucht" zwei zwischen 80 m und 150 m breite Korridore zugestanden, damit sie den freien See erreichen können.

Die Befahrung dieser äußerst ufernahen Korridore entlang des Ost- und des Westufers wäre absolut kontraproduktiv für den Wasservogelschutz, sie entspricht weitgehend auch nicht der bisher geübten Ruderpraxis am See. Deshalb haben ausführliche Diskussionen mit aktiven Ruderern zu o. g. Modifikation geführt. Sie soll die Notwen­dig­­keiten des Vogel­schutzes mit den relevanten Sicherheitsbedürfnissen der Ruderer vernünftig in Einklang bringen. Der LBV vertraut darauf, dass sich alle Rudervereine am See dieser Modifikation anschließen.

 

 


Störungen durch Wassersportler am Starnberger See

Wasservögel auf der Flucht (Foto: W.Frisch)
Wasservögel auf der Flucht (Foto: W.Frisch)

In einer vom LBV Co-betreuten studentischen Masterarbeit von Matthias Bull (Hochschule Anhalt, Standort Bernburg) sollen mögliche Einflüsse der neuen Trendsportart Stand Up Paddling (SUP) sowie anderer Wassersportarten auf Wasservögel untersucht und in beiderseitigem Interesse Lösungsansätze zur Konfliktvermeidung entwickelt werden. Teil der Arbeit ist die Auswertung standardisierter Protokollbögen, die den Vogelbeobachtern und Wasservogelzählern in Bayern verfügbar gemacht werden.

 

Tragen Sie mit Ihren Beobachtungen zur Untersuchung bei!

Als Ergänzung zur bayernweiten Erfassung von Störereignissen durch Stehpaddler, sollen unter anderem am Starnberger See weitergehende Untersuchungen  stattfinden. Hier sollen möglichst viele Vogelbeobachter dafür gewonnen werden, auch Störungen durch andere Wassersportarten und Beobachtungsgänge ohne Störereignisse zu protokollieren.

 

Wir bauen auf Ihre Mithilfe! Wenn Sie regelmäßig am Starnberger See beobachten und Zeuge eines Störereignisses durch Wassersportler werden, füllen Sie bitte den vorgefertigten Protokollbogen aus. Findet während Ihres Beobachtungsgangs keine Störung statt, notieren Sie dies bitte in der hier herunterladbaren Excel-Tabelle. Ausgefüllte Bögen und Tabellen schicken Sie bitte an folgende E-Mailadresse: wasservoegel-sup@web.de. Den Protokollbogen für Störungen können Sie hier herunterladen. Die Excel-Tabelle für die Dokumentation der Nullmeldungen  können Sie hier herunterladen.

 

Beobachten Sie mehrfach Störungen aus ein und demselben Gebiet, scheuen Sie sich nicht erneut Protokollbögen zu schicken – jede Dokumentation zählt! Sehr gerne werden auch Protokolle über ältere Vorfälle entgegengenommen.


 
Die Datensammlung erfolgt zunächst von Oktober 2016 bis April 2017. Der kommende Winter wird erste Erkenntnisse über die Häufigkeit und Dimension der Störereignisse bringen. Eine Fortsetzung der Aufnahmen im Winterhalbjahr 2017 / 2018 wird angestrebt.

 

Weitergehende  Informationen über die Aktion finden Sie auch auf der folgender Seite.

 

 

Aktualisierung der Informationen durch Matthias Bull (Mai 2017):

Bezüglich der Masterarbeit zum Thema Störungsökologie überwinternder und rastender Wasservögel mit dem Schwerpunkt auf den Auswirkungen der neuen Trendsportart Stand Up Paddling (Stehpaddeln) soll die Datenaufnahme für dieses Winterhalbjahr abgeschlossen werden. Jeden, der Störungen in diesem oder vergangenen Winterhalbjahren protokollieren konnte, möchte ich an dieser Stelle bitten, die gesammelten Meldungen nun an die folgende E-Mail-Adresse zu schicken, damit die Beobachtungen in die Auswertung mit einfließen können:  wasservoegel-sup@web.de

 

In gedruckter Form können die Protokolle auch postalisch an die folgende Adresse verschickt werden:

Matthias Bull

Potsdamer Straße 6

91438 Bad Windsheim

 

Die Protokolle zur standardisierten Dokumentation von Störereignissen durch Stehpaddler können unter http://www.lbv.de/aktiv-werden/mitmachaktionen/stand-up-paddling.html kostenlos heruntergeladen werden. Dort finden Sie auch weitere Informationen zur Masterarbeit.

Bisher gingen 159 Meldungen zu Störungen von Wasservögeln durch Wassersportler ein, wovon 68 Meldungen Störungen durch Stehpaddler beschreiben. Gerne nehme ich auch Meldungen über Störungen durch andere Wassersportarten entgegen (auch ältere Meldungen). Besonders interessant sind auch in diesen Fällen, welche Arten betroffen waren, ab welchen Entfernungen die Vögel auf den Wassersportler erste Reaktionen zeigten,  wie hoch die Fluchtdistanz der unterschiedlichen Arten in etwa war und wie sich die Vögel im Einzelfall verhalten haben.

 

Allen Meldern, die bereits Daten beigesteuert haben, an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön! Jede Ihrer Meldungen trägt zur Qualitätssteigerung der Arbeit bei! Die fertige Ausarbeitung wird zu gegebener Zeit selbstverständlich für Vogelschutzzwecke zur Verfügung gestellt.   

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